Wie Til Schweiger die Expertenrunde aufmischte

Der deutsche Kinostar war erstmals im «Doppelpass» bei Sport 1. Der illustre Gast wartete mit pointiert witzigen Aussagen auf, sprach von innerer Zerrissenheit und verriet seinen Lieblingsclub.


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Im «Doppelpass» auf Sport 1 spielen sich am Sonntag vor einem Millionenpublikum Fussballexperten ihre Meinungen zum aktuellen Geschehen in der Bundesliga zu. Erstmals zu Gast war der deutsche Kinostar Til Schweiger. Er war der Farbtupfer in einer Talkrunde, die zwar wie immer fachkundig und sachlich, aber doch ziemlich nüchtern herüberkam.

Die Expertenrunde bildeten Moderator Thomas Helmer und Thomas Strunz, die beiden deutschen Europameister von 1996, sowie Johannes B. Kerner und Gladbachs Trainer André Schubert, der gemeinsam mit Schweiger unter tosendem Applaus Einzug ins TV-Studio hielt. Schubert, der mit seiner Mannschaft mit zwei Niederlagen schlecht in die Rückrunde gestartet ist, erhielt trotzdem sogleich die grössten Komplimente Schweigers.

Das Lob an Favres Nachfolger

«Was André Schubert jetzt geschaffen hat, gerade nach dieser Flaute am Anfang, ist klasse. Das ist eine geile Truppe mit super Fussball», sagte der 52-Jährige. Und meinte mit der anfänglichen Flaute den miserablen Saisonstart mit fünf Niederlagen noch unter Lucien Favre.

Schweiger outete sich als Bayernfan, er habe aber auch viel Sympathien für Gladbach. «Ich bin zwar schon je her Bayernfan, aber gerade in den 70er-Jahren war ich immer hin- und hergerissen zwischen Bayern und Gladbach.»

Wenn Schweiger widerspricht

In der Expertenrunde wurde auch über die Dortmunder Bevorteilung durch Schiedsrichter Guido Winkmann beim 2:0-Sieg zu Hause gegen Aufsteiger Ingolstadt debattiert. Der Referee hatte ein Foul von Dortmunds Captain Mats Hummels im Strafraum nicht mit einem Elfmeter geahndet und ein Eigentor des gleichen Spielers aufgrund eines angeblichen Fouls seines Gegenspielers annulliert.

«Ganz klarer Elfmeter, denn der Ball war so gut wie drin. Wenn keiner da gewesen wäre, hätte er ihn einfach reingekickt. Und der Mats hat ihn einfach umgerannt. Das war ein glasklarer Elfmeter», analysierte Schweiger und widersprach Johannes B. Kerner, der die Szene völlig anders sah und meinte: «Kein Foul.»

«Das war einfach nur ein geiles Tor»

Zu Hummels, der für sein Foul eigentlich auch noch Rot hätte sehen müssen, befand Schweiger: «Eine Rote Karte sollte man da nicht geben. Das war kein böses Foul. Er hat einfach versucht, an den Ball zu kommen und es nicht geschafft. Da muss man die Regel ändern.»

Zum Eigentor von Hummels, der mit seiner Rückgabe Goalie Roman Bürki düpierte und überlobte, meinte Schweiger lediglich: «Für mich war das einfach nur ein geiles Tor.» Und zu Schiedsrichter Guido Winkmann, der sich nach dem Spiel den bohrenden Fragen der Journalisten stellte, meinte Schweiger: «Ich sage immer zu meinen Kindern, einen Fehler zuzugeben, ist überhaupt kein Problem. Schlimm ist, das auf andere abzuwälzen.»

«Das ist doch scheisse»

Als Thomas Helmer und Thomas Strunz etwas hölzern versuchten, das vermeintliche Foul von Ingolstadts Dario Lezcano an Mats Hummels nachzustellen, attestierte Schweiger den beiden schauspielerisches Talent: «Ihr habt das super nachgespielt, ich kann das beurteilen. Das war eine ganz tolle Darstellung.»

Und dann zog Schweiger auch noch sein Fazit rund um das Dortmunder Spiel gegen Ingolstadt: «Du kriegst einen Elfmeter nicht, du kriegst ein Eigentor abgepfiffen, und du kriegst noch ein Abseitstor aufgebrummt. Das ist doch scheisse.»

Schweiger will das Abseits abschaffen

Schweiger liess sich auch über den Videobeweis und die Abseitsregel aus. «Ich verstehe auch nicht, wieso der Videobeweis nicht eingeführt wird. Einfach aus Fairness. Aber es muss eine Regel aufgestellt werden, wie oft man den beantragen kann, damit man das Spiel nicht künstlich auf 160 Minuten verlängert.» Sport solle am Ende des Tages fair sein. Das Spiel würde kompakter mit Videobeweis.

Beim Thema Abseitsregel blendete Schweiger auf seine Zeit als Hobbykicker zurück: «Ich habe einen eigenen Lösungsvorschlag. Ich habe schon damals, als ich noch selber Fussball spielte, gesagt: Was ist denn das für eine Scheisse mit dem Abseits? Das müssen wir abschaffen. Dann wird das Spiel viel attraktiver. Ohne Abseits würde die Post abgehen.»

Schweiger redete lange wie ein Fachmann, gab dann aber bei der Frage, ob die Bayern wegen der Verletzungsmisere noch einen Verteidiger bräuchten, erfrischend ehrlich zu: «Da fehlt mir das Fachwissen.» Und als Moderator Helmer nachhakte, liess ihn der Schauspieler ins Leere laufen: «Was soll ich sagen? Soll ich mich jetzt hier hinstellen und sagen, die sollen sich noch jemanden kaufen? Das wär doch Quatsch.»

(baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.02.2016, 10:48 Uhr)

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