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«Wir sind wieder jemand»

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 26.04.2010 16 Kommentare

GC fegt die Spitzenteams YB und FCB vom Rasen und hat sich als dritte Kraft in der nationalen Fussball-Liga etabliert. Das ist primär eine grosse Genugtuung für den treuen Fan der Hoppers.

Höhenflüge im Asyl: Die GC-Fans freuen sich im Letzigrund-Stadion über die Erfolge ihrer Lieblinge.

Höhenflüge im Asyl: Die GC-Fans freuen sich im Letzigrund-Stadion über die Erfolge ihrer Lieblinge.
Bild: Keystone

Der Profi Vero Salatic findet im «Tages-Anzeiger» die richtigen Worte. «Wir sind stark, wir sind wieder jemand.» Exakter hätte der Mittelfeldspieler, der in den letzten Wochen endlich so gut Fussball spielt, wie man das von ihm schon vor Jahren erwartete, die Gefühlslage der Heugümper-Fraktion nicht ausdrücken können. Wir sind wieder wer, zumindest auf dem Fussballplatz: YB bezwungen, den FCB weggeputzt, nur die saublöde 2:3-Niederlage gegen den anderen Zürcher Klub stört ein wenig. Ausgerechnet gegen den FCZ, dessen lustlose Kicker stets so masslos von den Berufskritikern überschätzt werden, hat GC während seiner Erfolgssträhne der letzten Wochen den Kürzeren gezogen. Aufgrund dieser magistralen Rückrunde darf der Anhänger jedoch nobel und mit einem Ton der Überlegenheit bemerken: Hoppala, das war nur ein kleiner Umfaller. Der Rekordmeister ist wieder die Nummer 1 in der Stadt und vertritt in der nächsten Saison das Millionen-Zürich in Europa, während der Lokalrivale allenfalls zu einem Freundschaftsspiel in Vaduz eingeladen wird. Merke, lieber FCZ-Fan. Schadenfreude ist immer noch die schönste Freude.

Dennoch müssen wir schon aus historischen Gründen zurückblenden: Am 11. September 2009 schrieb der Autor von baz.ch/Newsnet einen schmerzvollen Seelen-Striptease nieder, zur Bewältigung des Frustes. GC besass einmal gar die rote Laterne, die Affäre um Hochstapler Volker Eckel gehörte immer noch zu den Lachnummern des Landes, und die Kasse war dermassen leer, dass grosszügige FCZler sich erbarmten und im Tram ein 5-Rappen-Stück für die «Insekten» offerierten – als grossartiger Gag natürlich. Während die Grasshoppers im Schweizer Cup gegen das unterklassige Lugano sang- und klanglos ausschieden, durfte der FCZ im Altweibersommer in der Champions League gegen Teams wie Real Madrid antreten; was allerdings der Torhüter des selbsternannten Stadtklubs offenbar nicht ganz mitbekam.

GC im Herbst 2009: Das war eine ausgelaugte Marke, ein Label für «Luuser», eine traditionelle Institution mit einer wackeligen Mannschaft, einem eigenartigen Trainer und eine Organisation ohne Geld und wenig Zukunft. Wer sich als Fan der Hoppers in dieser Wohnsiedlung an Limmat und Sihl outete, dem wurde Häme und Spott entgegengebracht. Schlimmer noch: Eine Welle des Mitleids schwappte über dem mutigen, oft einsamen Fan der Blau-Weissen hernieder.

Die Verneigung vor dem Trainer

Tempi passati, liebe Fussball-Schweiz! Zwar ist die Kasse im ländlichen Niederhasli im Frühling 2010 immer noch fast so leer wie die vom griechischen Staat in Athen, aber sportlich, also dort, wo es auch noch ein wenig drauf ankommt, befinden sich die Grasshoppers auf Kurs. Mehr noch: Der Fussball dieser jungen Mannschaft ist nicht nur erfolgreich, sondern macht auch Spass, je nach Wochenende finde das auch die Fussball-Fans in Bern oder Basel. Das ist auch ein Verdienst des Trainers, den man noch vor sechs Monaten am liebsten ins Aargauer Getto nach Wohlen zurückgeschickt hätte. Zweifellos: Selbst eingefleischte GC-Anhänger haben Ciricao Sforza unterschätzt. Der Sachverstand und die beharrliche Arbeit des Coaches im Alltag zahlen sich aus – Herr Sforza, wir verneigen uns und bitten um Verzeihung für die bissigen Kommentare im Herbst, für die falsche Einschätzung Ihres Know-hows.

GC ist also wieder eine Marke, die der Heugümper an der Bar und beim Small Talk mit Stolz und Würde vertreten darf. Und das wunderbare ist: Es rennen tatsächlich eine ganze Menge junge und talentierte Fussballer dem runden Leder nach – endlich einmal. Der GC-Fan fühlt sich zu dieser dynamischen Sporttruppe hingezogen. Diese verkörpert die jugendliche Lebensfreude und lässt die Gang der No-Future-Generation dieser Stadt vergessen. Es bleibt zu hoffen, dass nicht alle Fussball-Talente ins Ausland frühzeitig verscherbelt werden müssen.

Heimeliges aus dem «Minarett»

Die Hoppers brauchen nicht einmal eine (eigene) Heimat, wo sie ihre Heimspiele austragen können. Paradoxerweise fühlen sich Sforzas Himmelsstürmer im «Minarett-Stadion» namens Letzigrund sauwohl.

Deshalb die Bitte eines GC-Fans an den zukünftigen Stadtrat André Odermatt: Lassen Sie um Himmels Willen diese Säulen in unserem Asyl stehen. Die Stützpfeiler machen den Durchzug-Tempel nicht nur heimeliger, sie beflügeln auch die Fussballer von Messias Sforza. Und Herr Odermatt: Das Mausoleum Ihrer Vorgängerin Kathrin Martelli gilt bereits als touristische Attraktion, ist ein bedeutender Eckpfeiler jeder Sightseeing-Tour durch die Stadt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2010, 13:37 Uhr

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16 Kommentare

Frank Schoch

26.04.2010, 14:09 Uhr
Melden

Genial, witzig, wahr. Ausser in Sachen Minarett-Stadion: Ach wie vermisse ich den Hardturm!Gruss aus dem Thurgau. Immer-Hopper Antworten


Chris Castelmur

26.04.2010, 14:13 Uhr
Melden

Wie im Artikel erwähnt, "Es bleibt zu hoffen, dass nicht alle Fussball-Talente ... frühzeitig verscherbelt werden müssen." Antworten



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Stand: 27.05.2012 14:53
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