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«Wir werden aus dieser Situation herauskommen»

Die Bundesliga hat wieder einen Schweizer Trainer. Christian Gross (55) löst ab sofort beim VfB Stuttgart Markus Babbel (37) ab.

Zuversicht: Christian Gross zeigte sich an der Medienkonferenz in Stuttgart kämpferisch.

Zuversicht: Christian Gross zeigte sich an der Medienkonferenz in Stuttgart kämpferisch.
Bild: Keystone

Gross unterschrieb bei den Schwaben einen Vertrag bis Juni 2011 und leitete bereits gestern Abend mit Co-Trainer Jens Keller, einem früheren VfB-Profi, das erste Training. «Ich freue mich, hier zu sein und will mit der Mannschaft zurück auf die Siegesstrasse», sagte Gross nach seiner Ankunft in Stuttgart. Bereits am Mittwoch wartet auf den Zürcher ein wegweisendes Spiel. In der Champions League empfängt der VfB in der entscheidenden Partie im Kampf um die Qualifikation für die Achtelfinals den rumänischen Verein Urziceni.

«Ich kenne die meisten Spieler sehr gut. Meine Hauptaufgabe bis Weihnachten wird sein, alles aus ihnen herauszuholen», so Gross. Es sei überzeugt, dass sie wieder aus dieser Situation herauskommen werden. Besonders gut kennt Gross Zdravko Kuzmanovic. Der 22-jährige serbische Mittelfeldspieler, der in Bern aufgewachsen ist, schaffte 2006 beim FC Basel unter Gross den Durchbruch, ehe er in die Serie A zur AC Fiorentina wechselte.

Der sechste Trainer in der Bundesliga

Gross ist nach Rolf Fringer (Stuttgart), Martin Andermatt (Ulm), Marcel Koller (Köln, Bochum), Hanspeter Latour (Köln) und Lucien Favre (Hertha Berlin) der sechste Schweizer Trainer in der Bundesliga. Der Zürcher, der im Sommer nach zehnjähriger Tätigkeit beim FC Basel entlassen wurde, hatte bereits in früheren Jahren mehrmals mit Bundesligisten verhandelt (u.a. Schalke, Wolfsburg und Hamburg), zu einem Engagement kam es aber nie. Als Spieler bestritt Gross 29 Bundesligaspiele für den VfL Bochum (1980 bis 1982).

Der in Höngg aufgewachsene Gross, der als sehr autoritär gilt, ist der erfolgreichste Schweizer Trainer der vergangenen zwei Jahrezehnte. In 14 Saisons mit den Grasshoppers und Basel errang er sechs Meistertitel und fünf Cupsiege, zudem qualifizierte er sich mit den Zürchern (1995, 1996) und den Baslern (2002, 2008) insgesamt viermal für die Champions League. Gross' erste Trainerstation im Ausland endete allerdings mit einem Misserfolg. Bei Tottenham Hotspur wurde der frühere Stürmer 1998 frühzeitig entlassen, obwohl er die Londoner (u.a. mit Jürgen Klinsmann und David Ginola) vor dem Abstieg bewahrt hatte.

Babbels Abrechnung mit den Fans

Mit der Entlassung Babbels reagierte der VfB-Vorstand auf die schwachen Vorstellungen der Mannschaft in den letzten Wochen. Am Samstag blieben die Schwaben beim 1:1 gegen den VfL Bochum zum achten Mal in Folge in der Bundesliga ohne Sieg; mit 12 Punkten aus 15 Spielen liegen die Stuttgarter auf Platz 16. Vor und nach der Partie am Samstag war es um das Stadion zu tumultartigen Szenen gekommen. Aufgebrachte Fans hatten Mannschaft, Trainer und Vorstand beschimpft, sie skandierten: «Scheiss-Millionäre» und «Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot.»

«Solche Szenen wie am Samstag habe ich noch nie erlebt», sagte Babbel nach seiner Entlassung. Dies zeige ihm, dass die ganze Fussball-Branche aus der Tragödie um Robert Enke gar nichts gelernt habe. Noch zu Beginn der Woche hatten die VfB-Verantwortlichen betont, dass Babbel zumindest bis Weihnachten im Amt bleiben werde. Nach der neuerlichen Enttäuschung gegen Bochum und den Vorkommnissen rund um das Spiel blieb Sportchef Horst Heldt aber nichts anderes übrig, als zu handeln. Babbel hatte vor einem Jahr den Meistertrainer Armin Veh abgelöst und die Stuttgarter noch in die Champions League geführt. (fal/si/)

Erstellt: 06.12.2009, 22:25 Uhr

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