Sport

Wüste Hardturm

Von Ueli Kägi, Benjamin Muschg. Aktualisiert am 31.03.2011 25 Kommentare

Mit der Rückstellung des Projektierungskredits verzögert der Gemeinderat die Planung der neuen Arena. Die Eröffnung ist kaum vor 2017 möglich. Alternative Projekte haben trotzdem keine Chance.

1/4 Ein modernes, kompaktes und ökologisches Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal soll 16'000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Es sollte bis zum Sommer 2016 gebaut werden, wird nach der Rückstellung des Kredits aber frühstens 2017 eröffnet.
Bild: Stadt Zürich/Keystone

   

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Im Prinzip sind sich alle einig. Es gibt keine bedeutende politische Partei, die den Bau eines neuen Fussballstadions durch die Stadt Zürich nicht stützen würde. Die Uneinigkeit fängt erst nachher an. Bei der Prioritätenfrage beispielsweise. In der vergangenen Woche schob die bürgerliche Sparallianz im Gemeinderat den Projektierungskredit über 7,5 Millionen Franken für den Hardturm um ein Jahr hinaus.
Der alte Hardturm wurde 2008 abgerissen. Und der neue Hardturm ist eine planerische Baustelle. Es gab ihn schon mehrmals in immer wieder neuen Modellen. Das jüngste Projekt hätte 2016 bezugsbereit sein sollen. Das scheint schon wieder unmöglich nach diesem jüngsten Rückschlag. Die Stadt geht davon aus, dass auch ein allfälliger Nachtragskredit nichts an der Verzögerung verändern würde, und geht deshalb von einer Stadioneröffnung 2017 aus – wenn kein nächster Umweg folgt. Eine weitere Verschiebung des Projektierungskredits über 2012 hinaus ist auch nach aktuellem Stand politisch zwar fast undenkbar. Möglich aber sind Einsprachen nach der Baueingabe. Oder ein Nein bei der für 2013 geplanten Volksabstimmung.

Kandidaten Duplex und Nüssli

«Das ständige Hin und Her um das Stadion ist ein Trauerspiel», sagt François Bolay, Präsident der IG Pro Duplex Arena. Im Sog der jüngsten Unsicherheiten sind die Vertreter der Duplex Arena wieder aktiv geworden. Sie wollen die Stadionprobleme für Fussball und Eishockey an einem Ort mit zwei Arenen lösen. Sie bewerben ihre Idee wie Fritz Peter seine. Der ehemalige GC-Präsident versucht, Unterstützung für den Bau eines sogenannten Nüssli-Stadions zu finden. Die Thurgauer Firma, bekannt geworden vor allem durch ihre temporären Tribünen wie am Eidgenössischen, verspricht mit ihrer Modulbauweise aus vorgefertigten Elementen kurze Planungs- und Bauzeiten sowie tiefe Kosten.
Entscheidend ist die Frage, ob die Projekte auch politisch umsetzbar sind. Die Antwort ist klar, was die Duplex-Idee angeht. Sie fand im Quartier und bei einigen Politikern Zustimmung, als die Alternative noch das fünfeckige Monumentalstadion für 30'000 Zuschauer war, das auf einem Einkaufszentrum hätte stehen sollen. Nachdem die Stadt nun eine wesentlich bescheidenere Variante plant, ist Duplex bei den Anwohnern aber nicht mehr die erste Wahl und bei den Politikern kaum mehr Thema. Die ZSC Lions konzentrieren sich auf den Standort Altstetten, wo sie mithilfe der Stadt 2015 mit dem Bau einer Eishockey-Arena beginnen wollen. Boley sagt: «Wenn die Hauptbeteiligten nicht hinter unserer Idee stehen, hat das wohl keinen Sinn.»
Fritz Peter will sich in der kommenden Wochen bei Finanzvorstand Martin Vollenwyder stark machen für seinen Vorschlag eines Leichtbau-Stadions, wie es etwa Katar für die WM 2022 errichten will, obwohl er vom Sportamt der Stadt bereits abschlägigen Bescheid erhalten hat. Peter sagt: «Ich denke und hoffe, dass Vollenwyder die Chance ergreift. Er könnte mehrere Millionen Franken sparen.» Ein Nüssli-Stadion in der vom Stadtrat festgelegten Grösse von 16'000 bis 18'000 Zuschauern kostet in der Grundausstattung inklusive Logen und Restaurationsbetrieben rund 30 Millionen Franken, mit Sonderwünschen und Anpassungen aber wohl schnell 40. Das wäre noch immer wesentlich weniger als die von der Stadt für das Stadion veranschlagten 88 Millionen Franken (auch wenn in dieser Rechnung das Untergeschoss mit Parkplätzen und Zusatzräumen über rund 16 Millionen integriert ist). Ein Nüssli-Stadion kann in sechs Monaten geplant und in weiteren 12 Monaten gebaut sein, wenn Bewilligungen vorliegen.

Linsi: «Andere Pläne stören»

Die Stadt hat in ihrem Zeitplan 24 Monate reine Bauzeit vorgesehen. Und sie hatte mit der Einsetzung einer Taskforce, Gespräche mit der betroffenen Bevölkerung sowie den Klubs längst den Prozess zur Umsetzung ihres Vorhabens eingeleitet, als Fritz Peter von ein paar Wochen mit seiner Idee vorstellig wurde.
Im Februar 2010 kaufte der Stadtrat der Credit Suisse das Land für den Hardturm-Neubau für 50 Millionen Franken ab. In seiner Weisung an den Gemeinderat schlägt er auf dem Areal ausserdem den Bau einer Wohnsiedlung vor. Für das Stadion inklusive aller Zusatzarbeiten hat er einen Rahmen von 128 Millionen vorgegeben. Es gelten dabei unveränderliche Bedingungen: Mehr Zuschauerplätze als 18 000 sind nicht erwünscht. Eine Mantelnutzung ist ausgeschlossen. Das Projekt wird nach einem Wettbewerb ausgesucht und soll einen hohen architektonischen Wert haben.
Die Stadt will die Fehler vom mächtigen Pentagon-Projekt nicht wiederholen. Ihre Vorgaben werden jetzt von allen wesentlichen Gruppierungen mitgetragen. GC und FCZ verfolgen den schnellsten Weg zum Stadion. «Die Stadt hat die Führung übernommen, sie hat ein Projekt entwickelt und dabei die Vereine mit einbezogen», sagt GC-Präsident Urs Linsi, «wir tun gut daran, dieses Projekt mit ihr weiterzuverfolgen. Alle anderen Stadionpläne sind unter diesen Umständen störend.» FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagt, «im Grundtenor» arbeite der FCZ mit der Stadt zusammen. Er würde allerdings «jedes Projekt unterstützen, das schnell realisiert werden kann». Das ist bei allen Bedenken und Zweifeln, die Canepa aufgrund der jüngsten Rückschläge hat, das Projekt der Regierung.
Markus Knauss sitzt für die Grünen im Gemeinderat. Er sagt: «Kein Quartier würde eine Kongresszentrum wollen. Oder ein Fussballstadion. Aber das Hardturm-Quartier sagt: Ja, wir wollen das. Und es freut sich auch auf die Wohnsiedlung.» Knauss warnt deshalb davor, die Planung wieder zu ändern. «Niemand sollte unterschätzen, wie weit wir im Entscheidungsprozess bereits sind. Und niemand sollte unterschätzen, wie lange es ginge, bis wir wieder so weit wären. Wir sollten die Chance jetzt packen.»

Die Angst vor dem Rücktritt

Bei Mauro Tuena (SVP), auch er wie Knauss Fraktionspräsident und Vertreter der Kreise 4 und 5, hält sich zwar die Begeisterung über die Wohnungen in Grenzen. Ideal wäre für ihn auch ein privater Investor gewesen. Er sagt trotzdem: «Wenn Zürich jetzt ein Stadion will, müssen wir am Projekt das Stadtrats weiterarbeiten, sonst dauert es nochmals 20 Jahre.»Das sieht auch Urs Egger nicht anders, der FDP-Gemeinderat und Präsident des Stadtzürcher Fussballverbandes. Er wünscht sich gleichwohl, dass das Nüssli-Stadion eine mögliche Alternative wird und sich die Firma zur Teilnahme am Architekturwettbewerb entschliesst.
Egger verfolgt einen zentralen Gedanken, der sich durch alle Lager zieht. Es gibt keine politischen Mitglieder, die sich wehren würden gegen ein billigeres Stadion.
Es gibt aber vor allem keine politischen Mitspieler, die eine Veränderung der Rahmenbedingungen fordern. Und damit den Schritt zurück an den Start riskieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2011, 10:39 Uhr

25

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

25 Kommentare

Thomas Wüthrich

31.03.2011, 11:42 Uhr
Melden 7 Empfehlung

So was nennt sich Gross-Stadt!?! Denke es wird noch später als 2017. Mir tun die Fussball-Sportfans Leid! Leider wird in Zürich nur Geld für Theater etc., die vielen Reichen und Eisenbahn ausgegeben. Antworten


Nick Schmid

31.03.2011, 12:28 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Typisch Zürich: Vorgabe u.a.: "Das Projekt ... soll einen hohen architektonischen Wert haben." Als nächstes ein Siebeneck? Wieso nicht einfach ein stinknormales, funktionales Stadion bauen? Antworten



FC Basel

Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 14:56
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4
Stand: 27.05.2012 14:53
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Federer - Kamke
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden

Sport

Populär auf Facebook Privatsphäre