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«Xamax stirbt in Raten»
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 06.01.2012 19 Kommentare
Ein Start mit Hürden: Heinrich Schifferle ist seit Ende November 2011 Präsident der Swiss Football League. (Bild: Keystone )
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Zur Person
Heinrich Schifferle wirkt seit rund 20 Jahren in verschiedenen Funktionen beim FC Winterthur. Derzeit amtet er beim Challenge-League-Klub als Finanzchef und Vizepräsident. Im Ligakomitee sitzt der 58-Jährige seit 1999 und ist auch Finanzchef der Swiss Football League (SFL). Ab 2003 ist er der Geschäftsführer der Immobilienfirma Siska. Schifferle ist seit dem 25. November 2011 Präsident der SFL.
Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
Stichworte
Korrektur-Hinweis
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Schlafen Sie im Moment gut?
Ich bin zwar erkältet, schlafe aber trotzdem gut. Ich habe wegen der Aktualität in der Liga keine schlaflosen Nächte.
Sie sind seit Ende November 2011 Präsident der Swiss Football League (SFL) und müssen sich mit mehreren Baustellen befassen. Da wäre der Fall Xamax. Wie würden Sie die Entwicklung bei den Neuenburgern bezeichnen?
Ich habe das schon einmal so gesagt: Es ist ein Sterben auf Raten. Der Klub ist intransparent, man weiss nicht, was geht respektive was nicht geht. Xamax hält sich nicht an die Auflagen im Rahmen der Lizenzierung. Das macht die Angelegenheit schon sehr schwierig.
Der Fussballfan hat Mühe, die Übersicht zu behalten. Was passiert als Nächstes? Ist die SFL am Ball oder der Super-League-Verein aus Neuenburg?
Der Klub ist immer am Ball. Die Verantwortlichen von Xamax könnten einfach das Portemonnaie hervornehmen, die Rechnungen und Löhne bezahlen und der Liga die Bestätigungen schicken. Wir wären alle froh, wenn dies passieren würde. Ich persönlich glaube aber im Moment nicht daran. Die Disziplinarkommission hat mehrere Verfahren pendent. Gleichzeitig hat Xamax gegen die Punkteabzüge rekurriert. Dafür ist die Rekurskommission zuständig. Die Liga ist also am Ball mit den Verfahren, Xamax ist am Ball, um sich korrekt zu verhalten.
Was glauben Sie: Wird Xamax die Lizenz entzogen? Oder kommt es vorher zu einem Konkurs?
Wenn es mit den Anzeigen gegen die Neuenburger so weitergeht – im Moment sind es sechs oder gar sieben – sowie allenfalls weiteren möglichen Punkteabzügen kann, ich mir schon vorstellen, dass die Lizenz entzogen wird.
Xamax hat offenbar genügend Geld gehabt, das Trainingslager zu bestreiten. Es muss also doch eine flüssige Quelle existieren…
Keine Ahnung. Ich hoffe einfach, dass die Neuenburger die Rechnungen und die Löhne bezahlen, die in der Schweiz angefallen sind.
Muss der Fussballfan davon ausgehen, dass die Rückrunde der Super League mit neun Teams bestritten wird?
Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, ist gross.
Wie kann man einen Fall Xamax – mit einem dubiosen Investor wie Bulat Tschagajew als Besitzer – in Zukunft verhindern?
Die Liga hat an der Generalversammlung im vergangenen November eine Änderung des Reglements beschlossen. Sollten sich Handänderungen bei Klubs ergeben, so muss ein spezielles Lizenzierungsverfahren angewendet werden. Die Lizenzkommission wird in einem solchen Fall überprüfen, ob die Voraussetzungen für eine Lizenz gegeben sind oder nicht.
Es gibt noch ein anderes Problem, das den Schweizer Fussball mehr als nur beschäftigt – die Causa FC Sion. Wie beurteilen Sie als SFL-Präsident die momentane Lage?
Die Situation ist momentan klar. Die Fifa hat beschlossen, dass man einen Punkteabzug gegen die Walliser verfügen muss. Diese Vorgabe wurde vom Zentralvorstand des Schweizer Fussballverbandes umgesetzt. Dem FC Sion wurden 36 Punkte abgezogen. Die Walliser werden vermutlich das Urteil vor dem Sportsgerichtshof in Lausanne anfechten. Das wird wahrscheinlich ein laufendes Verfahren nach sich ziehen. Ich gehe davon aus, dass Sion weiterhin auf dem Platz antreten wird.
Die Fifa hat heute bekannt gegeben, dass sie das Ultimatum gegen die Schweiz aufhebt. Sind Sie froh über diesen Entscheid des Weltfussball-Verbandes?
Ich bin sicher froh darüber. Ich habe aber auch damit gerechnet.
Der Konsument muss jedoch davon ausgehen, dass diese Sache noch lange nicht ausgestanden ist, oder?
Noch lange? Es muss einfach so sein, dass bis zum letzten Meisterschaftsspiel alles klar sein wird. Sonst wäre die Situation schon sehr blöde. Schauen Sie, ich bin ein optimistischer Mensch. Ich gehe davon aus, dass irgendwann die Vernunft siegt. Irgendwann wird diese Angelegenheit ein Ende haben. Und das muss spätestens am Schluss der Meisterschaft sein.
Und irgendwann einmal hat der Fan eine Super-League-Tabelle, an der er sich orientieren kann und die verlässlich ist?
Der Fan kann sich jetzt schon auf die Tabelle verlassen. Man sieht ja genau: Xamax hat nach den Punkteabzügen so viele Punkte, der FC Sion so viele. Dass laufende Verfahren hängig sind, ist nun mal einfach so. Aber arithmetisch stimmt die Tabelle.
Christian Constantin, der Präsident des FC Sion, hat in Westschweizer Medien Klagen gegen den SFV und weitere Exponenten im Schweizer Fussball angekündigt. Beunruhigt Sie das?
Ich gehe davon aus, dass ich auch zu diesen Exponenten gehöre. Aber ich weiss das nicht. Es beunruhigt mich nicht wirklich. Ich kann nicht verstehen, warum man in einer Sachfrage, und das ist die Angelegenheit mit dem FC Sion, juristisch auf Personen losgeht. Dass Constantin nun mit Klagen gegen Zivilpersonen droht, ist unverständlich. Da hört für mich das Verständnis auf. Das ist ungefähr so, wie wenn ich einen Antrag für ein Bauvorhaben stelle, dieses mir nicht bewilligt wird und ich den zuständigen Stadtrat einklagen würde. Was soll das?
Besteht die Aussicht, dass Sie mit Herrn Constantin wieder einmal mit einem Glas Fendant anstossen werden?
(schmunzelt) Das kann ich Ihnen im Moment nicht sagen. Ich habe persönlich nichts gegen ihn, und ich glaube, dass er persönlich nichts gegen mich hat. Aber das Anstossen mit ihm ist jetzt auch nicht etwas, was im Moment zuoberst auf meiner Prioritätenliste steht.
Der Schweizer Fussball hat Probleme, die in dieser Komplexität wohl noch nie vorgekommen sind. Macht Ihnen der Job bei der SFL überhaupt noch Spass?
Es hat ein wenig mit Masochismus zu tun, dass ich dieses Amt ausführe. Die Aufgabe ist an und für sich sehr interessant. Ich erfülle diese Aufgabe auch gerne. Die negativen Begleiterscheinungen sind nun mal ein Teil des Jobs. Damit musste ich rechnen, auch wenn es sich ein wenig extrem entwickelt hat. Ich hatte gehofft, dass das eine oder andere Problem sich schneller lösen lassen würde. Doch ich bereue es nicht, dass ich dieses Amt übernommen habe.
Befürchten Sie nicht, dass die schwierigen Fälle Xamax und Sion dem Schweizer Spitzenfussball imagemässig schaden? Oder dass sich Sponsoren und Geldgeber von der Liga oder von den Klubs zurückziehen oder abwenden werden?
Nein, das glaube ich nicht. Solange sich die grosse Mehrheit der Klubs, die Liga und der Verband korrekt verhalten und wir nur Opfer sind von Exponenten, die gewisse Dinge anders sehen, besteht diese Gefahr nicht. In einem Jahr spricht man kaum mehr davon.
Es gibt noch eine dritte Baustelle – das Abbrennen von Pyros in den Stadien. Wie muss sich die Liga zukünftig verhalten, um das Problem besser in den Griff zu bekommen?
Der Ausdruck «besser in den Griff bekommen» ist richtig formuliert. Denn ganz in den Griff bekommt man das Problem wohl nie. Es braucht einen Schulterschluss zwischen den vielen Zuständigkeitsbereichen, also zwischen der Gerichtsbarkeit, der Polizei, den Stadionbetreibern und den Klubs. Letztere sind oft das schwächste Glied. Das Spiel mit dem Schwarzen Peter, also die gegenseitige Schuldzuweisung bei diesen Vorfällen, muss aufhören. Die Klubs, die sehr viel machen, haben meistens nur die Rolle als Mieter im Stadion inne. Sie sind nicht zuständig für diese Problematik, sollen aber dennoch verantwortlich sein. Dieser Zustand ist nicht vorteilhaft.
Man muss auf jeden Fall bessere Überwachungen in den Stadien installieren, allfällige Krawallmacher von den übrigen Zuschauern aussortieren und rasch bestrafen. Die Zuständigkeiten müssen jedoch lokal gelöst werden. Das kann nicht übergeordnet geschehen. Die Schweiz ist ein föderalistischer Staat, das darf man nicht vergessen.
Was ist Ihr Wunsch für das Jahr 2012?
Dass mit der letzten Meisterschaftsrunde klar ist, wer Meister ist. Und dass die Tabelle definitiv ist.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.01.2012, 13:22 Uhr
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19 Kommentare
Die Sklavenhaltung,wie sie Tschagajew in Neuenburg betreibt, ist eines zivilisierten Landes unwürdig.Würde ein Unternehmer in der freien Wirtschaft sein Personal so menschenunwürdig behandeln stünde er schon längst vor Gericht.Und was meint eigentlich die hochgejubelte Menschenrechtskommission zu diesem Sklavenhandel?Wie steht es überhaupt mit dem Aufenthaltsstatus dieses Menschenverachters? Antworten


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