Interlaken

«Der Schweizer Fussball besteht ja nur aus Basel»

Uli Hoeness lobt den FC Basel. Den Vorsprung auf die Konkurrenz habe sich der Klub redlich verdient.

Uli Hoeness stand Medienschaffenden am Alpensymposium Interlaken Red und Antwort.

Uli Hoeness stand Medienschaffenden am Alpensymposium Interlaken Red und Antwort. Bild: Keystone

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Präsident des erfolgreichsten deutschen Fussballklubs, ex-Chef einer Wurstfabrik, verurteilter Steuersünder: Uli Hoeness hat als Podiumsgast viel zu bieten. Entsprechend hoch waren die Erwartungen am Alpensymposium in Interlaken.

Hoeness erfüllte sie am Mittwoch schon in der Aufwärmrunde mit Medienschaffenden locker. Kein Thema, zu dem sich der Chef des FC Bayern nicht freimütig äusserte - keine Frage, die er nicht druckreif beantwortete.

Hoeness hatte Steuern in Höhe von 28,5 Millionen Euro hinterzogen und war deswegen zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Acht Monate verbrachte er hinter Gitter, in der übrigen Zeit war er Freigänger. Die Zeit im Gefängnis sei hart gewesen, sagte er am Mediengespräch in Interlaken. Sie habe ihn grosszügiger und demütiger gemacht.

Er habe viel über sich nachgedacht und vieles erlebt, das er aber höchstens seiner Familie erzähle. Die vielen Anfragen, seine Gefängniszeit in einem Buch zu verarbeiten, habe er allesamt abgelehnt. Es gebe über ihn kein einziges autorisiertes Buch, betonte er - und er habe auch keines gelesen.

Dass er neulich mit 98,5 Prozent der Stimmen wieder zum Bayern-Präsident gewählt wurde, habe er so nicht erwartet. Er hätte es akzeptiert, wenn ihm mehr Vereinsmitglieder wegen seiner Vergangenheit die Stimme verweigert hätten.

Kein Freund der 48er-WM

Nun ist Hoeness also zurück in der Fussballwelt, wo er nach eigener Einschätzung «einen relativ guten Ruf» geniesst. Und sein Wort gilt noch immer etwas: So wird eifrig mitgeschrieben, was er zur Aufstockung der WM hält («Für die Qualität der Spiele ist das keine gute Entwicklung, es gibt auf der Welt doch nicht 48 sehr gute Mannschaften»).

Dass es irgendwann einfach zu viel Fussball am Fernsehen geben und die Blase platzen könnte, glaubt Hoeness trotzdem nicht. Sorgen bereiten ihm wenn schon die Chinesen.

Ihr Ziel, zur Fussballmacht aufzusteigen, sei legitim, doch der eingeschlagene Weg sei verkehrt: Statt sich erst einmal um die Infrastruktur und die eigene Nachwuchsarbeit zu kümmern, würden Fussballstars aus Europa mit irren Summen geködert. Das könne nicht gut gehen.

Ein Wort zu den Wahlen

Selbst zur Bundestagswahl 2017 äussert er sich auf Anfrage. Politisch wolle er sich eigentlich nicht mehr exponieren, aber es sei klar, dass er die Erfolge der Parteien im rechten Spektrum bedaure. Diese Parteien hätten davon profitiert, dass die Flüchtlingsfrage vorübergehend ausser Kontrolle geraten sei.

Was das für die kommenden Wahlen bedeute, sei offen. «Es gibt noch Zeit genug bis September - wenn sich die etablierten Parteien zusammenraufen und die Flüchtlingsfrage gemeinsam lösen können. Denn eigentlich geht es uns ins Deutschland doch so gut wie noch nie.»

Lob für FC Basel

Eine Dreiviertelstunde dauert das Gespräch, dann verabschiedet sich der Mann - nicht ohne klarzustellen, dass er trotz bester Wurstkenntnisse nur eine Schweizer Stadionwurst kennt (die St. Galler Kalbsbratwurst) und dass der Schweizer Fussball zurzeit eigentlich nur aus dem FC Basel bestehe.

Den Vorsprung auf die Konkurrenz habe sich der Klub aber verdient, «die Leute dort haben einfach einen guten Job gemacht». In Zürich und Bern gäbe es ebenso gute Voraussetzungen für sportlichen Erfolg. Dass die Meisterschaft nun langweilig sei, könne man den Baslern nicht zum Vorwurf machen.

Dann sind wirklich alle Fragen beantwortet, Hoeness wünscht allen Anwesenden einen guten Tag und verlässt die Runde. (amu/sda)

Erstellt: 11.01.2017, 16:03 Uhr

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