Die Super League muss sich neu erfinden

Vieles deutet darauf hin, dass im Schweizer Fussball schon bald ein neuer Modus kommt.

Nebel über der Schweizer Liga. Bis im September soll die Modusfrage geklärt sein – ab 2019 dürfte wohl im neuen Format gespielt werden.

Nebel über der Schweizer Liga. Bis im September soll die Modusfrage geklärt sein – ab 2019 dürfte wohl im neuen Format gespielt werden. Bild: Keystone

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Der Prozess ist transparent und spannend. Seit ein paar Monaten prüft die Swiss Football League die Struk­turen der Super- sowie der Chal­lenge-­League, den beiden höchsten Spielklassen im Schweizer Fussball – und denkt dabei intensiv über eine Modus­änderung nach. Dabei hat sie sich Unterstützung von aussen ins Haus geholt: Die Consultingfirma Hypercube aus Holland arbeitete schon in Belgien, Dänemark oder Österreich tiefgreifende Liga-Reformen aus. Hypercube durchleuchtet sämtliche Aspekte, die eine Modusänderung mit sich bringen würde: Anspielzeiten, Zuschauerzahlen, sportliche Qualität, TV-Präsenz. Ein eigens entwickelter Euro Club Index (ECI), der die Stärken der europäischen Clubs hochrechnet, liefert wertvolle Kennzahlen.

Auch die Meinungen von Clubmitgliedern, Spielern, Fans, Sponsoren, TV-Partnern und ausgewählten Journalisten fliessen in die Debatten ein. Da sitzt man dann in einer Lounge im Berner Stade de Suisse und denkt als Erstes: Würden wir eigentlich auch hier sitzen, wenn der FC Basel die Tabelle mit zwei Punkten vor YB und drei vor dem FC Sion anführen würde?

Die rotblaue Dominanz, die in dieser Saison eine ganze Liga zu erschlagen scheint, beschleunigt das Werweis­sen, ob in einem neuen Format mehr Spannung erzeugt werden könnte als momentan, wo der FCB sechs Runden vor Schluss und mit 21 Punkten Vorsprung schon am Ziel aller Meisterträume ist. Die Zweifel sind berechtigt.

Das Format hat ausgedient

Trotzdem sind die Signale aus der Liga, aus den Clubs sowie den meisten wichtigen Exponenten eindeutig, und sie sind absolut richtig: Nach 14 Jahren braucht die Super League einen neuen Modus. Das klassische Round-­Robin-Modell mit 36 Runden – zehn Teams, jeder gegen jeden viermal – hat ausgedient. Und zwar in beiden Ligen.

Die Tonspur, die 2003 bei der Einführung des aktuellen Spielkalenders lief, war eindeutig. Die wirtschaftliche Situation in der Schweiz lasse höchstens zehn Teams im Oberhaus zu. Ausserdem führe der Kampf am Trennstrich – vier Mannschaften mussten in eine Auf-/Abstiegsrunde – zu einer Qualitäts­einbusse auf dem Rasen. 14 Jahre später greifen diese Argumente nicht mehr. In Bern, Neuenburg, Genf, St. Gallen, Luzern, Thun oder Schaffhausen sind neue Stadien entstanden, in Aarau oder Zürich soll bald gebaut werden. Sie sorgen nicht dafür, dass es in den Clubkassen Tausendernoten vom Himmel regnet. Aber sie haben zumindest neuen Enthusiasmus in die Region und Perspektiven im Marketing gebracht. Entkräften lässt sich auch die These, die abstiegsbedrohten Mannschaften am Strich hätten um die Jahrtausendwende weniger jüngere Spieler eingesetzt als heute: Der Modus hat den Altersschnitt nicht verändert. Qualität setzt sich auf dem Rasen immer durch. Ob am Trennstrich oder in der Champions League.

Eine Tatsache ist auch, dass die aktuellen Zuschauerzahlen stagnieren. Das kann mit dem übervollen Kalender zu tun haben – muss aber nicht. Das kann mit den teils überhöhten Eintrittspreisen in den Stadien zu tun haben – muss aber nicht. Das kann an der Langeweile liegen, für die der FC Basel seit zwei Jahren an der Tabellenspitze sorgt – muss aber nicht. Und da ist ja noch die enorm hohe TV-Präsenz des Fussballs am Bildschirm: Sorgt sie dafür, dass die Leute lieber zu Hause bleiben? Oder fürchten sie sich eher vor möglichen Krawallen, die es da und dort immer wieder gibt?

Keine Playoffs, keine Revolution

Wer die Lösung hat, darf nun die Hand heben. Eine Revolution wird es mit Sicherheit nicht geben: Playoff- Spiele haben zwar im Eishockey Tradition, im Fussball wollen davon alle Beteiligten nichts wissen, was nachvollziehbar ist. Zu gross wäre die Entwertung der ersten Qualifikationsphase, zu unsicher die finanzielle Planung jener Clubs, die jetzt schon um jeden Franken kämpfen müssen.

Realistischer scheint dagegen eine Rückkehr zum alten Modus. 12 Teams in der Super League, einfache Round-Robin-Runde, 22 Spiele für jeden. Danach werden die Punkte halbiert. Die acht besten qualifizieren sich für eine Finalrunde (14 Spiele), die vier Letzten stechen mit den vier Besten der Challenge League um vier Plätze im Oberhaus (14 Spiele). Allen Vereinen wären weiterhin 36 Liga-Spiele pro Saison garantiert, was die Einnahmen zumindest nicht schmälert. Punkte­halbierung? Natürlich ist das ein Kniff, um Spannung zu erzeugen. Aber es spricht nichts dagegen. Eine Finalrunde, in welcher der FC Basel mit fünf statt mit zehn Zählern Vorsprung steigt, erhöht zumindest für ein paar Wochen den Spektakelfaktor jener Liga, die gezwungen ist, sich neu zu erfinden.

Bis im September will die Liga ihre Modusfrage gelöst haben und der Öffentlichkeit vorstellen. 2018/2019 könnte eine Übergangssaison werden, ab 2019 dürfte wohl in neuem Format gespielt werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.05.2017, 08:07 Uhr

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