Vom Helden zum Buhmann – und wieder zurück?

Wie ein Teenager-Goalie seinen Jahresverdienst von 5 auf 6 Millionen Euro steigerte und zudem seinen Bruder vom Durchschnitts-Keeper zum Millionär machte.

Reumütiger Grossverdiener: Gianluigi Donnarumma entschuldigte sich nach der Vertragsunterschrift bei den Milan-Fans.

Reumütiger Grossverdiener: Gianluigi Donnarumma entschuldigte sich nach der Vertragsunterschrift bei den Milan-Fans. Bild: Keystone

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Gianluigi Donnarumma verlängert seinen Vertrag bei der AC Milan. «Na und?», denkt der durchschnittliche Fussballinteressierte jetzt vielleicht. Zu Recht. Denn in einer Sommerpause, in der in allen Sportteilen von Zeitungen die Worte Vertrag und Transfer fast schon inflationär zu finden sind, ist das wirklich nichts Besonderes mehr. Interessant ist im Fall Donnarumma aber nicht, dass der Vertrag verlängert wurde, sondern wie die zugehörige Lohnerhöhung zustande kam.

Dazu spulen wir zuerst einige Wochen zurück: Zu jener Phase der Serie-A-Rückrunde 2017, in der der italienische Goalie Woche für Woche aus einem nicht immer überzeugenden Team herausstach. Irgendwann in dieser Phase gingen den italienischen Medien die Superlativen aus, um die Leistungen des 18-Jährigen zu umschreiben. Er schwang sich hoch zum Publikumsliebling, sein Name wurde im San Siro jeweils am lautesten geschrien. Mehrmals betonte Donnarumma, seine Zukunft bei Milan zu sehen, und küsste das Vereinslogo auf dem Trikot. Die Verlängerung des bis 2018 gültigen Vertrags schien nur noch Formsache.

Die Kehrtwende

Und sie war den Lombarden auch einiges wert. 5 Millionen Euro Jahresgehalt bot Milan dem jungen Goalie, der erst knapp über 70 Serie-A-Spiele bestritt. Die Absicht war klar: Donnarumma sollte das Gesicht des Umbruchs werden, in dem sich Milan befindet und von dem auch der Schweizer Nationalspieler Ricardo Rodriguez ein Teil ist.

Doch dann die Kehrtwende. In einer auf Facebook live übertragenen Pressekonferenz informierte der CEO des Vereins, Marco Fassone, dass Donnarumma nicht verlängern werde. Dies sei Fassone vom Agenten des Spielers mitgeteilt worden: Mino Raiola. Jenem Mino Raiola, der beim Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United 50 Millionen Euro verdient haben soll.

Morddrohungen und Zweifel

So nahm das Theater seinen Lauf. Die Ablehnung eines neuen Vertrags und somit der Wunsch, den Verein in diesem oder im nächsten Sommer zu verlassen, liessen Gerüchte aufkommen. Real Madrid und Juventus Turin sollen am Talent interessiert gewesen sein, Paris St.-Germain habe gar ein Jahresgehalt von 13 Millionen Euro geboten. Das alles kam bei den Fans von Milan nicht gut an. Sie bombardierten den jungen Spieler und seinen Agenten mit Kommentaren weit unter der Gürtellinie und vereinzelt sogar mit Morddrohungen. Milans Trainerlegende Arrigo Sacchi meldete sich ebenfalls zu Wort. Er zeigte sich enttäuscht und zweifelte öffentlich an Donnarummas Integrität und dem zukünftigen Verlauf seiner Karriere.

In einem Interview mit der «Gazzetta dello Sport» gab Raiola dem Verein die Schuld und bezichtigte die Clubführung des Mobbings. Ausserdem mimte er den Beleidigten. Es könne ja nicht sein, dass Milan seinem besten Spieler nur fünf Millionen Euro biete und Pierre-Emerick Aubameyang und Alvaro Morata das Doppelte. Die «Rossoneri» wurden und werden mit den beiden Stürmern in Verbindung gebracht. Allerdings betonte der gleiche Raiola gegenüber italienischen Journalisten zwei Tage davor noch, dass die «Entscheidung nichts mit Geld zu tun» habe.

Und Donnarumma? Der weilte zu diesem Zeitpunkt mit Italien an der U-21-Europameisterschaft in Polen. Fernab von all dem Wirbel um seine Person. Könnte man meinen. Doch der Ärger der Fans erreichte sogar das fast 1000 km von Mailand entfernte Krakau. Im Spiel gegen Dänemark wurde der Goalie von Milan-Fans mit Falschgeld beworfen und aufgefordert, seinen Berater zu wechseln. Donnarumma selbst äusserte sich weder zu den Geldscheinen noch zu seiner Situation.

Das Twitter-Wirrwarr

Bis er sich dann zehn Tage nach Fassones Pressekonferenz auf Twitter zu Wort meldete. Eine Aktion, die im Nachhinein vor allem für eines sorgte: Verwirrung. Viel Inhalt bot der Tweet nämlich nicht: «#Donnarumma #Raiola – Gestern, heute und morgen», stand da. Ein Bekenntnis zu seinem Berater? Offenbar schon, denn nur kurze Zeit darauf verfasste Donnarumma über Instagram ein weiteres Statement. In diesem beteuerte er seine Liebe zum Verein und versprach, sich nach der U-21-EM mit den Verantwortlichen zusammenzusetzen, um die Situation zu analysieren. Ein kleiner Funke Hoffnung für die Rossoneri – der bald schon wieder erlosch. Es dauerte keine Stunde, bis der Beitrag und das gesamte Instagram-Profil von Donnarumma gelöscht waren. Donnarummas Kommentar dazu war simpel. Sein Instagram-Profil sei gehackt worden.

Was wirklich passiert ist, wissen wohl nur Donnarumma und Raiola. Nicht wenige behaupten, dass der Account des Goalies nie gehackt worden war und dass seine Tweets von Raiola abgesetzt wurden.

Der Bruder und die Entschuldigung

Wie in seinem gelöschten Instagram-Beitrag angekündigt, hat sich Donnarumma nach seiner Rückkehr von der U-21-EM mit Milan-CEO Fassone zusammengesetzt und dabei einen neuen Vertrag ausgehandelt. Dieser bringt Donnarumma jährlich sechs Millionen Euro ein, nur der eben erst verpflichtete Leonardo Bonucci hat bei Milan ein höheres Salär. Zum Vergleich: Weltweit verdienen mit Manuel Neuer und David de Gea nur zwei Torhüter mehr als der 18-jährige Donnarumma.

Doch Milan hat noch mehr unternommen, um Donnarumma zu behalten. Neben dem fürstlichen Gehalt haben die Lombarden auch noch seinen Bruder Antonio unter Vertrag genommen. Dieser ist 27 und wird jährlich eine Million Euro verdienen. Noch nie von Antonio Donnarumma gehört? Kein Wunder: Die letzte Saison verbrachte er bei Asteras Tripolis, dem Vierten der griechischen Liga. Davor stand er unter anderem bei Bari und Genua unter Vertrag und absolvierte dabei ein Spiel in der Serie A.

Gianluigi Donnarumma entschuldigte sich nach der Unterzeichnung des Vertrags bei den Anhängern von Milan. Es sei nie seine Absicht gewesen, den Verein zu verlassen. Aber trotz dieser Entschuldigung und des neuen Vertrags: Den Status als Publikumsliebling muss sich Donnarumma im San Siro wieder erarbeiten. Wie die vergangenen Wochen gezeigt haben, dürfte dies alles andere als einfach werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.07.2017, 09:07 Uhr

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