Hass auf schöne Sportlerinnen

Athletinnen, die soziale Medien nutzen, um ihre Fanbasis zu erweitern, werden mit Drohungen und Beleidigungen eingedeckt. Jetzt brechen einige das Schweigen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gleichung ist nicht eben neu: Junge, talentierte Sportlerin nutzt ihr gutes Aussehen, um ihre Fanbasis zu vergrössern und Sponsoren anzulocken. Ein legitimes Mittel – die russische Tennisspielerin Anna Kurnikowa wurde auch ohne einen einzigen Turniersieg weltberühmt. Was allerdings in den Zeiten der sozialen Medien neu ist: Die Sportlerinnen bekommen die dunkle Seite der Medaille sofort und ohne Filter zu spüren. In der Anonymität des Netzes werden sie vom Hass überflutet.

Hinter vorgehaltener Hand erzählen Sportlerinnen schon länger davon, was sie auszuhalten haben. Jetzt scheint allerdings der Moment gekommen, in dem einige auch öffentlich das Problem anprangern. Aktuell ist der Fall von Eugenie Bouchard, die sich vor dem Australian Open im «Sydney Morning Herald» über ihre Hasser geäussert hat.

Die 22-jährige Kanadierin ist bekannt dafür, dass sie ihre Anhänger via soziale Medien an ihrem Leben teilhaben lässt. Und auch dafür, dass sie sich immer wieder in sexy Posen selbst ablichtet. Der Erfolg gibt ihr recht. Obwohl sie von der Weltnummer 5, die sie 2014 belegte, inzwischen auf Platz 49 abgerutscht ist, folgen ihr auf Instagram 1,1 Millionen Menschen.

In Zeiten, in denen bei der Sponsorensuche die Anzahl Follower auf Instagram, Facebook und Twitter ein gewichtiges Argument ist, kann sich das auszahlen. Allerdings zieht die erhöhte Publizität auch Leute an, die sich ein Ziel für ihren Hass suchen. «Ich habe Morddrohungen und solche Dinge erhalten», erzählt Bouchard, «ich habe einige sehr aggressive Fans.»

Am meisten zu schaffen mache ihr, wenn sie nur noch aufgrund ihrer Instagram-Fotos beurteilt werde: «Ich trainiere sechs Stunden am Tag und gehe danach ins Kino. Logisch, dass ich ein Foto aus dem Kino poste – das war der spassigste Teil des Tages. Aber dann kommen gleich die Kommentare, warum ich nicht trainiere. Es ist der dumme, ungerechtfertigte Hass, der mich enttäuscht.»

«Einige überschreiten Grenzen»

Bouchard scheint allerdings eine robuste Natur zu sein und sich nicht zu sehr mit den negativen Kommentaren auseinanderzusetzen. «Einige überschreiten Grenzen, aber ich habe Leute um mich, die auf mich aufpassen», sagt sie.

Weit tiefer getroffen zeigte sich die Golfspielerin Paige Spiranac. Die 23-jährige US-Amerikanerin ist eine talentierte Golferin, die noch keine grossen sportlichen Erfolge aufzuweisen hat. Trotzdem folgen ihr auf Instagram bereits 900'000 Menschen, was auch mit der Art zu tun hat, wie sie sich auf ihren Fotos präsentiert.

Entsprechend wird sie auf ihrer Website angepriesen: als «aufstrebendes Golftalent, Medienpersönlichkeit und Onlinebeeinflusserin».

Den Preis, den sie für ihre offensive Selbstvermarktung bezahlt, ist allerdings kein geringer. Das erzählte sie im Dezember vor einem Turnier in Dubai. Als sie darauf angesprochen wurde, dass sie nach einem schlechten Resultat hart angegangen worden sei, brach sie in Tränen aus.

«Ich habe mit Depressionen gekämpft»

Allerdings wollte sie auch erzählen, wie es ihr dabei ergangen ist: «Es ist wirklich wichtig, dass die Leute sehen, wie stark das Leute trifft, wie hart es mich getroffen hat.» Spiranac hatte nicht nur lesen müssen, sie sei eine schlechte Person, ihr wurden auch sexuelle Aktivitäten unterstellt – und auch sie erhielt Morddrohungen.

Sie selbst wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte: «Wissen Sie, ich habe mit Depressionen gekämpft. Als 22-Jährige fühlst du dich, als ob du nichts wert seist.» Um so wichtiger war ihr, öffentlich darüber zu reden: «Die Selbstmordrate unter Teenagern steigt, und es gibt Leute, die denken, dass das an Cybermobbing liegen könnte. Auch darum teile ich meine Geschichte.»

Es war ein starker Auftritt einer jungen Frau. Die Internettrolle wird sie damit nicht besiegt haben. Aber jede öffentliche Diskussion über das Thema kann die Sensibilisierung für das Thema erhöhen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2017, 16:48 Uhr

Artikel zum Thema

«Sport ist undankbar. Das war mir von Anfang an bewusst»

Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann, seit acht Monaten Besitzer des EHC Kloten, bekämpft falsche Erwartungen und will weiter radikal sparen. Mehr...

«Sport ist Teil eines Phänomens, das Leute wie Trump hochspült»

Interview Der Philosoph Wolfram Eilenberger erklärt, warum Kommerz im Fussball nicht schlecht ist. Und wie demokratische Länder noch Olympische Spiele durchführen können. Mehr...

Werbung

60anni Primitivo Di Manduria

Qualitätswein und ein attraktiver Preis müssen sich nicht widersprechen. Jetzt im OTTO’S Webshop!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nationalstolz: Eine Büste des Real-Madrid-Spielers Cristiano Ronaldo schmückt den Flughafen in Funchal auf der Insel Madeira, Portugal. Es gibt aber auch Stimmen, die das Kunstwerk recht missraten finden. Nach dem Gewinn der Europameisterschaften 2016 wird der Flughafen neu nach dem Weltfussballer benannt (29. März 2017).
(Bild: Rafaele Marchante) Mehr...