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«Die Hockey-Nati macht einen Entwicklungsprozess durch»

Interview: Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 02.05.2011 1 Kommentar

Eishockey-Experte Lars Weibel (36) äussert sich gegenüber baz.ch/Newsnet zu den Auftritten und Aussichten der Schweiz an der A-WM.

1/10 Das grösste Schweizer Plus: Die mannschaftliche Geschlossenheit und die Solidarität, demonstriert von Center Morris Trachsler (Nummer 43), Verteidiger Julien Vauclair (3) sowie Goalie Tobias Stephan. Der weissrussische NHL-Star Michail Grabowsky hat keine Chance gegen das Schweizer Trio.
Bild: Keystone

   

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Experte: Der ehemalige Top-Goalie Lars Weibel beurteilt die Leistungen der Schweizer Nati an der WM in der Slowakei. (Bild: Keystone )

Zur Person

Der am 20. Mai 1974 in Lachen SZ geborene Lars Weibel lernte das ABC des Eishockey-Goalies beim SC Rapperswil-Jona. In der NLA spielte er für den EHC Biel (1992/93), HC Lugano (1993 bis 2000), HC Davos (2000 – 2004), EV Zug (2004 – 2009) und die Kölner Haie (2009/10). Mit Lugano (1999) und dem HCD (2002) wurde Weibel Schweizer Meister, überdies gewann er mit den Bündnern 2000 und 2001 den Spengler Cup.

Der Ausserschwyzer spielte 44-mal für die Schweizer Nationalmannschaft. 1994 wurde er von den Chicago Blackhawks gedraftet, spielte aber nie in der NHL. Heute arbeitet Weibel als Projektleiter bei einer Langenthaler Firma und ist Experte für den Teleclub und das Schweizer Fernsehen.

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Lars Weibel: Die Schweiz hat mit viel «Chrampf» Frankreich 1:0 geschlagen und äusserst souverän die Weissrussen 4:1 besiegt – haben wir wirklich die gleiche Mannschaft am Werk gesehen?
Der Auftritt der Schweizer im zweiten Spiel gegen die Weissrussen ist völlig anders gewesen. Die Franzosen haben noch das zerstörerische Eishockey gespielt. Aus Erfahrung weiss ich, dass es nicht einfach ist, gegen einen solchen Gegner anzutreten, vor allem in offensiver Hinsicht. Frankreich hat das sehr clever gemacht, was allerdings die magere Leistung der Schweizer nicht entschuldigen soll. Ich kenne solche Eröffnungsspiele an Turnieren: Da ist noch vieles ungewiss, weil es der erste Auftritt an einer WM ist. Diese Situation ist vergleichbar mit der ersten Partie im Playoff, wo man nicht genau weiss, wo man steht. Wichtig war aber, dass die Schweiz dieses erste WM-Spiel doch noch gewinnen konnte.

Die Schweizer haben dann die Lehren gezogen und gegen die Weissrussen konsequent gespielt und eine grosse Überzeugung demonstriert. Ich muss trotzdem sagen, dass mich die Osteuropäer diesmal enttäuscht haben. Sie können besser Eishockey spielen als das, was sie gestern Abend gezeigt haben. Die Weissrussen sind kein Kollektiv gewesen, haben viele individuelle Fehler begangen. Doch ein Kompliment an die Schweizer Mannschaft: Sie hat die Fehler ausgenutzt und die Gelegenheit beim Schopf gepackt, die Tore auch zu schiessen.

Sind Sie überrascht, dass Tobias Stephan die Nummer 1 im Tor der Schweiz ist?
Ich bin sehr überrascht gewesen, dass die Wahl als erster Goalie auf Stephan fiel. Er hat seine Sache bisher sehr gut gemacht. Doch für mich ist Leonardo Genoni in der vergangenen Saison eine Klasse besser gewesen als alle anderen Torhüter. Aber ich muss zugleich sagen: Stephan ist der Grundstein dafür gewesen, dass die Schweiz jetzt fünf Punkte auf dem Konto hat. Er hat eine unglaubliche Ruhe ausgestrahlt und sehr sicher reagiert. Im Moment muss man sagen, dass der Entscheid des Nationaltrainers richtig gewesen ist.

Die Schweiz tritt morgen gegen Kanada an. Das Tor wird nicht von Stephan, sondern von Genoni gehütet...
Es gäbe ja keinen Grund, einen Goaliewechsel vorzunehmen. Dieser Wechsel kam aber in den vergangenen Jahren immer wieder vor, wenn die Schweizer gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner anzutreten hatten. Damit hat man das Risiko vermindert, dass der zuvor gut spielende und eingesetzte Goalie das Selbstvertrauen einbüsst. Genoni wird jetzt die Chance gegeben, sich an der WM zu bewähren. Die Tendenz läuft ohnehin darauf hinaus, dass in der Meisterschaft vermehrt auch der zweite Torhüter eingesetzt wird.

Wie müssen die Schweizer gegen die Kanadier spielen, damit es wie vor einem Jahr beim 4:1 zu einem WM-Sieg gegen das Mutterland des Eishockeys reicht?
Die Schweizer müssen wieder diese Entschlossenheit und Konsequenz zeigen. Gleich von Beginn weg muss man Präsenz markieren, mit der Körpersprache sowie abgeschlossenen Checks, mit einfachen Pässen, mit einem konsequenten Fore- und Backchecking. Die kleinen, aber keineswegs unbedeutenden Dinge im Eishockey müssen gegen die Kanadier zu hundert Prozent erfüllt werden. Die Qualität ist extrem wichtig. Am besten ist, wenn das Schweizer Team das letztjährige Spiel von Mannheim nochmals anschaut – und wieder so spielt.

Diese Schweizer Mannschaft ist stark, aber auch noch sehr jung. Ob Sieg oder Niederlage an dieser WM – die Angelegenheit kann sehr eng werden. Gegen Frankreich kann man fast stolpern, am nächsten Tag kann man Kanada schlagen. Ich habe das Gefühl, dass jedes WM-Spiel ein eigenes Drehbuch hat.

Ist diese Unkonstanz und mangelnde Stabilität in diesem WM-Kader nicht ein Handicap?
Das kann durchaus sein. Es gibt aber auch Gründe, warum diese Stabilität noch nicht vorhanden ist. Der eine Grund liegt darin, dass wir alle viel zu fest die Gegner miteinander vergleichen, was eigentlich im Eishockey gar nicht geht. Man kann ja auch nicht Äpfel mit Bananen vergleichen. Die Mannschaft macht das Manko an Stabilität mit ihrem Kampfgeist und Charakter wett. Auch in Vancouver konnte man das feststellen. Es ist zudem normal, dass es punkto Konstanz noch hapert, wenn viele neue und junge Spieler an der WM zum Einsatz kommen. Die Schweizer Nati macht einen normalen Entwicklungsprozess durch. Das Team muss wachsen. Nehmen wir das Beispiel Kevin Lötscher: Diesen Stürmer hat man vor zwei Jahren kaum gekannt. Heute spielen er und andere Debütanten auf einem internationalen Top-Niveau. Diese Spieler müssen ja auch zuerst Erfahrungen sammeln, um dem Ruf nach Konstanz gerecht werden zu können.

Was kann man von diesem Schweizer Team im weiteren Turnierverlauf noch erwarten?
Von den Schweizern kann der Zuschauer ein freches, frisches Eishockey erwarten, mit viel Tempo und Körpereinsatz. Rangmässig ist es noch zu früh, eine solide und vertretbare Prognose abzugeben. In der Zwischenrunde müssen sich die Schweizer auf das Wesentliche und Wichtige konzentrieren. Es spielt natürlich zum jetzigen Zeitpunkt auch eine Rolle, mit wie vielen Punkten unsere Nationalmannschaft die nächste Turnierphase in Angriff nehmen wird.

In der Ära von Ralph Krueger spielte die Schweiz meistens sehr defensiv. Mit Sean Simpson als Trainer hat sich die Taktik geändert, die Spieler haben mehr Freiheiten in offensiver Hinsicht. Ist das der richtige Weg, um einen Schritt nach vorne zu kommen?
Das ist eine heikle Frage. Ich bin eigentlich ein Freund des defensiv ausgerichteten Stils. Das hat nicht nur mit meiner Vergangenheit als Goalie zu tun. Das sieht man auch in der National Hockey League: Wenn in der Defensive alles stimmt, muss die Offensive weniger Tore erzielen, um einen Match zu gewinnen. Es gibt allerdings auch ein Sprichwort, das heisst: Angriff ist die beste Verteidigung. Das heisst: Man spielt vorne frech, ohne die Abwehrarbeit zu vernachlässigen. Man muss die Entwicklung der Schweizer Nati noch abwarten. Das Schweizer System wird auch von einem guten Goalie geprägt: Das hat man auch bei dieser WM in der Slowakei mit Stephan gesehen. Die Entwicklung ist ja so, dass wir in unserem Land weiterhin über sehr gute Torhüter verfügen.

Die Schweizer haben gegen die Weissrussen einen äusserst kompakten und geschlossenen Eindruck hinterlassen…
Das ist ein weiteres Plus dieser Mannschaft. Die Schweizer verfügen über ausgeglichene Blocks und Linien. Es ist nicht so, dass ein ausgesprochener Paradeblock das ganze Spiel reisst. Wenn dies doch noch der Fall wäre, dann vielleicht, weil eine Formation im Powerplay zuschlägt und für einige Skorerpunkte sorgt. Oder ein Spieler einen ausgezeichneten Lauf hat. Wenn man noch bedenkt, dass ein Klassetorhüter wie Genoni noch gar nicht eingesetzt worden ist, dann verfügt die Schweiz personell über eine überaus erfreuliche Basis.

Die Nationalmannschaft ist drauf und dran, zum Spiegelbild unseres Eishockeys zu werden: Junge, hungrige Spieler versuchen, ohne Komplexe gegen die internationale Konkurrenz anzutreten, mit viel Lust und Freude am Eishockey.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.05.2011, 16:33 Uhr

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1 Kommentar

Martin Löffel

02.05.2011, 19:57 Uhr
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Leider lassen die Hockey- und Fussball-Cracks die Nationalehre immer mehr vermissen. Hauptsache der Kontostand stimmt. LEISTUNGSLOHN für Nati-Spieler! Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 14:06
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6
Stand: 27.05.2012 14:03
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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