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Die defensive Versicherung des HC Davos
Von Werner Schweizer. Aktualisiert am 11.03.2010 2 Kommentare
NLA
50. Runde
| 25.02. | Bern - Ambri | 1 : 4 |
| 25.02. | Biel - Davos | 1 : 4 |
| 25.02. | Kloten Flyers - Fr. Gotteron | 3 : 2 |
| 25.02. | SCL Tigers - Rapperswil-Jona Lakers | 1 : 3 |
| 25.02. | ZSC Lions - Servette | 3 : 0 |
| 25.02. | Zug - Lugano | 0 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U+ | U- | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Zug | 50 | 24 | 8 | 10 | 8 | 173:131 | 98 |
| 2. | Davos | 50 | 27 | 7 | 3 | 13 | 155:117 | 98 |
| 3. | Fr. Gotteron | 50 | 26 | 6 | 4 | 14 | 156:120 | 94 |
| 4. | Kloten Flyers | 50 | 27 | 2 | 6 | 15 | 158:117 | 91 |
| 5. | Bern | 50 | 23 | 6 | 6 | 15 | 153:130 | 87 |
| 6. | Lugano | 50 | 21 | 5 | 6 | 18 | 152:150 | 79 |
| 7. | ZSC Lions | 50 | 19 | 8 | 4 | 19 | 136:129 | 77 |
| 8. | Biel | 50 | 19 | 4 | 3 | 24 | 114:128 | 68 |
| 9. | Servette | 50 | 16 | 5 | 9 | 20 | 117:126 | 67 |
| 10. | SCL Tigers | 50 | 13 | 5 | 3 | 29 | 124:166 | 52 |
| 11. | Ambri | 50 | 10 | 6 | 7 | 27 | 102:153 | 49 |
| 12. | Rapperswil-Jona Lakers | 50 | 12 | 1 | 2 | 35 | 99:172 | 40 |
Josef Marha bleibt seiner Linie treu, auch wenn der Zeitpunkt des Abschieds vom HC Davos immer näher rückt. Er steht nach den Spielen nicht gerne im Fokus der Öffentlichkeit. Seine Rückblende auf den ersten Viertelfinalsieg gegen die Flyers ist knapp: «Beide Mannschaften hatten ihre Chancen. Im Penaltyschiessen gewinnt immer die glücklichere.» Ende der Durchsage.
Man hat ihn deshalb schon als den stillen Helden des HCD bezeichnet. Denn der bald 34-jährige Center spricht nicht oft und nicht viel, aber er ist ein Teil des meisterlichen Kerns des HCD. Eine ähnliche Erfolgsbilanz hat kaum ein Spieler in irgendeiner Liga auf der Eishockeywelt zu bieten. Marha gehört zu den dauerhaften Ausländern in einer schnelllebigen Liga. In den bisher acht Davoser Saisons hat er vier Meisterteams geprägt und nach den Triumphen still mitgefeiert, dazu erreichte er zweimal den Final. In der laufenden Spielzeit stand der Tscheche in der Qualifikation nur bei 12 Gegentoren auf dem Eis, und er wies die mit Abstand beste Plusminus-Bilanz (+33) des Teams auf.
Einer, der die Löcher stopft
Über diese Werte charakterisiert sich der Spieler Marha, nicht über die Skorerliste. Mit 33 Punkten blieb er in seinem üblichen Rahmen. In andern Klubs als dem HCD würden solche Zahlen nicht für eine Vertragsverlängerung ausreichen. Doch die Davoser sind auch nicht ein anderer Klub, sondern der erfolgreichste in der Schweiz. Wie die andern Mittelstürmer Reto von Arx oder Sandro Rizzi verkörpert Marha das defensive Gewissen in seinem Block. Klaglos stopft er die Löcher, wenn sich seine Flügel Daniel Widing und Oliver Setzinger in der offensiven Zone verlaufen haben. In der vergangenen Spielzeit führte er die Linie mit seinen Landsleuten Petr Taticek und Petr Sykora an. Mehrfach gab ihm Trainer Del Curto taktisch unsouveräne oder unsichere Flügel gewissermassen in die Lehre.
«Schöner als in Davos kann es nicht sein.»
Vor fünf Jahren hatte er mit Joe Thornton und Niklas Hagman aus der NHL im Playoff die wohl prominentesten Nebenspieler. Das entscheidende Tor gegen die ZSC Lions schoss dann nicht einer der Tenöre, sondern der Arbeiter im Zentrum. Marha zog deswegen keine Show ab. Sein Credo ist: «Es geht immer nur um die Mannschaft. Es geht immer nur um den Sieg. Es geht immer nur um das Playoff.» Die Leistungen beeindruckten Thornton und offenbar auch Beobachter aus der NHL. Marha blockte aber ab, als er für eine Rückkehr in die beste Liga kontaktiert wurde. «Schöner als in Davos kann es nicht sein.»
Für Del Curto ist Marha längst ein echter Einheimischer geworden. «Er ist ein Supertyp, ein Superspieler, ein Freund. Er kämpft hart, macht alle Nebenleute besser und ist auch sehr beliebt in der Mannschaft.» Der tiefgläubige Protestant unterscheidet sich in seinen Präferenzen ausserhalb des Sports (Literatur, Schach) von den meisten Mitspielern. Er hat in der Kabine manch derben Spruch mit einem spöttischen Lächeln und einem Bibelzitat gekontert: «Denn sie wissen nicht, was sie tun.» Er bete täglich, «aber nie für den HCD», sagte er vor Jahren.
Lob für die Davoser Tradition
Marha glaubt, dass der Erfolg des Klubs eng mit der Tradition und der Kultur des Eishockeys im Kurort zusammenhängt. «Es gibt einen Druck auf die heutigen Spieler, noch härter zu arbeiten. Man ist stolz, ein Teil dieser Tradition zu sein. Es ist meiner Meinung nach der Winning Spirit des Ortes, der den HCD so stark macht.» Er vergleicht Davos mit Detroit und Montreal in der NHL, die ebenfalls die Gegenwart mit der glorreichen Vergangenheit erfolgreich verknüpfen.
Trotzdem hat sich Marha entschlossen, den auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern und nach dem Playoff nach Jihlava heimzukehren. Hauptgrund ist die Familie: Sohn Simon wird eingeschult. Die nächsten beruflichen Pläne möchte er nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten. Immerhin könnte er sich vorstellen, am nächsten Spengler-Cup und vielleicht im Playoff als fünfter Ausländer seine Qualitäten als Zweiweg-Spezialist nochmals zur Verfügung zu stellen.
Der Job muss erledigt werden
Beim ostböhmischen Klub Jihlava, der einst auch den Spengler-Cup dominierte, begann er seine Karriere, die ihn schon im Juniorenalter nach Nordamerika führte. «Sie werden es nicht glauben, aber ich war früher ein grosser Torschütze vor dem Herrn», sagt er und lacht. Dies hat ihm Bob Hartley, ein Trainer in der AHL, dann schnell ausgetrieben. Die sechs Jahre in Nordamerika, unter anderem mit Reto von Arx bei Chicago in der NHL, haben ihn vor allem gelehrt, dass nur etwas wichtig ist: Der Job muss erledigt werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.03.2010, 17:55 Uhr

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