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Die schonungslose Kritik eines NHL-Experten

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 09.05.2011 20 Kommentare

Thomas Roost ist als Talentspäher für die National Hockey League tätig. Der Zürcher kennt die Schweizer Spieler in- und auswendig – und er erklärt, warum die Nationalmannschaft so wenig Tore schiesst.

1/8 Und wieder kein Tor: Weder Ivo Rüthemann (Nummer 32) noch Ryan Gardner können diese gute Möglichkeit in der so wichtigen Zwischenrundenpartie gegen Schweden ausnutzen. Die Schweiz unterliegt am Ende mit 0:2.
Bild: Keystone

   

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Scharfer Beobachter der Szene: Der Zürcher Thomas Roost ist beim Central Scouting Bureau Europe für die NHL tätig.

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Die Schweizer Nationalmannschaft steht in Kosice vor der Abreise. Nicht zu den Viertelfinals, die ab Mittwoch in Bratislava stattfinden, sondern vor dem Trip nach Hause. Sollte die Viertelfinal-Qualifikation dennoch geschafft werden, so müssten die ausgeschiedenen Franzosen in 60 Minuten die voll motivierten Norweger schlagen und anschliessend die Schweiz die Amerikaner in der regulären Spielzeit bezwingen – ein bisschen viele Wenn und Aber. Einen Kasten Bier könne er den Franzosen für einen Erfolg vielleicht in Aussicht stellen, meinte Simpson nach dem 0:2 gegen die Schweden. Der Rest liege nicht in seinen Händen und jenen des Schweizer Teams. «Wir sind selber schuld, wir haben uns in diese schwierige Lage manövriert», gab der Headcoach unumwunden zu.

Thomas Roost hat die WM-Spiele der Schweizer in Kosice akribisch verfolgt. Nicht nur ihm ist aufgefallen, dass diese Nati, die als nominell stärker als jene vom letzten Jahr eingestuft wird, in fünf Partien nur gerade zehn Tore erzielt hat, davon fünf von Verteidigern. «Es fehlt an der individuellen Klasse in den offensiven Aktionen. Das ist der Hauptunterschied zu den Profis von grossen Eishockey-Nationen», stellt der 51-Jährige kritisch, aber zu Recht fest. Die Defizite der Schweizer Sturmabteilung hält er in drei Punkten fest. Erstens könne sich kaum einmal ein Schweizer Spieler in einem offensiven Duell Mann gegen Mann gegen hochkarätige Gegner durchsetzen. «Zweitens genügt die Scheibenkontrolle nicht, um einen kontrollierten Schuss aufs gegnerische Tor abzugeben. Und drittens fehlt es generell an der Schussqualität, die spürbar schlechter ist als bei Spielern aus Top-Nationen.»

Kein Schweizer Stürmer in der NHL

Voilà, das sind harte Worte eines Mannes, der seit Jahren Hunderte von Partien auf verschiedensten Stufen beobachtete. Es sind Punkte, denen auch Simpson beipflichten würde. Die Tatsache, dass es noch kein gebürtiger Schweizer Stürmer schaffte, sich in der NHL, der härtesten Liga der Welt, zu etablieren, ist ein Zeichen für die Harmlosigkeit helvetischer Offensivklasse.

Abhilfe sollen die noch in der Juniorenliga WHL spielenden Nino Niederreiter und Sven Bärtschi schaffen. Roost traut es dem Churer Niederreiter und dem Langenthaler Bärtschi durchaus zu, in einem NHL-Team Unterschlupf zu finden und zu regelmässigen Einsätzen zu kommen. Die Frage sei allerdings: Kommen die beiden in einem der beiden Offensiv-Blöcke oder in einer Checker-Linie unter? Mit anderen Worten: Werden Niederreiter oder Bärtschi in der dritten oder vierten Reihe eines NHL-Teams eingesetzt, bedeutet das noch lange nicht, dass sie das Niveau eines Skorers von Weltklasseniveau erreichen.

Ausbildung muss noch besser werden

Der Scout kann derzeit keine Nachwuchsspieler erkennen, die das Offensivproblem auf höchster Stufe lösen und damit indirekt eine Verbesserung der Schweiz in der Weltrangliste anstreben könnten. Roost hält aber fest: «Wir haben gute Junioren. Aber wenn wir weiterkommen wollen, dann müssen wir in der Grundausbildung noch härter arbeiten, so wie es die Nordamerikaner, die Russen oder die Schweden tun.» Der Zürcher fügt sofort an, dass «ich grossen Respekt vor der Arbeit von Nachwuchstrainern habe, die zum Teil unentgeltlich Stunden ihrer Freizeit für die Ausbildung der Junioren hergeben. Aber wir müssen einen Schritt weitergehen.» Roost denkt an hochkarätige Ausbildungskräfte, die in grossen Hockey-Nationen den Nachwuchs schulen und ausbilden. Der Zürcher hat aber auch Hoffnungen in das neue Verbandsprojekt namens «Hockey Academy», das bald in Winterthur starten soll – es tut sich also was im Schweizer Eishockey.

Roost ist über die Leistung der Schweizer in der Slowakei nicht masslos enttäuscht, obwohl man eine gute Gelegenheit verpasst habe, wenigstens in die Viertelfinals zu kommen. Einzig gegen die Franzosen hätte die Schweiz ihr Rendement deutlich nicht erreicht. «Man muss als Schweizer Eishockey-Fan auch realistisch bleiben: Wenn es gut läuft, dann qualifiziert sich die Nationalmannschaft für die Viertelfinals oder vielleicht mal mehr. Wenn es schlecht läuft, steht sie plötzlich in der Abstiegsrunde. Jetzt hat sie die Zwischenrunde erreicht – eine durchschnittliche Performance.» Was Roost ebenfalls noch festgestellt hat: Top-Verbände benützen die A-WM immer mehr als ein Turnier für Spieler unter 25 Jahren. «Dagegen ist das Schweizer Team recht routiniert.»

Allez les bleus...

Umso mehr muss man von einer verpassten Chance der Delegation von Swiss Ice Hockey in der Slowakei sprechen. Es sei denn: Franzosen und Schweizer werfen heute noch alle Prognosen über den Haufen. «Wir hoffen natürlich auf Frankreich», sagte Simpson. Noch nie lag dem Schweizer Fan das Wohl des französischen Eishockeys so nahe am Herzen wie heute. Deshalb rufen wir: «Allez les bleus!»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.05.2011, 11:17 Uhr

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20 Kommentare

Dave Minder

09.05.2011, 18:12 Uhr
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John van Boxmeer hat es einmal treffend beschrieben: Schweizer (Stürmer) schiessen auf das Tor, in der HOFFNUNG, dass der Puck reingeht; Stürmer von Weltklasseformat schiessen auf das Tor, ÜBERZEUGT davon, dass er reingeht. Antworten


marc bühl

09.05.2011, 12:09 Uhr
Melden 4 Empfehlung

ich bin ja sehr einverstanden mit dieser einschätzung. nur bei einem punkt muss man fair(er) sein. die schweiz ist jetzt seit über 10 jahren nie mehr echte gefahr gelaufen, in die abstiegsrunde zu müssen. auch diese wm nicht. und eines muss man auch festhalten: die schweiz hat sich entwickelt. sogar stark! in der defensive ist das kein vergleich mehr mit vor 10 jahren. Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 14:08
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Roland Garros
27.05Live Cipolla - Wawrinka3:6 3:6
Stand: 27.05.2012 14:03
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Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Bolelli - Nadal
28.0511:00Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
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