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«Es war für alle ein schwarzer Tag»

Von Silvan Schweizer. Aktualisiert am 20.09.2012 12 Kommentare

SCB-Verstärkung Mark Streit verteidigt das Beharren der NHL-Spieler auf ihren Gehältern und glaubt an eine verkürzte Saison.

Freut sich, Zeit mit Familie und Freunden in der Schweiz zu verbringen: Mark Streit. (Bild vom 19. September 2012)

Freut sich, Zeit mit Familie und Freunden in der Schweiz zu verbringen: Mark Streit. (Bild vom 19. September 2012)
Bild: Keystone

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Mark Streit, welches Gefühl überwiegt? Die Vorfreude, endlich in Ihrer Heimat Bern zu spielen? Oder die Sorge um die NHL-Saison?
Im Moment überwiegt die Freude, wieder in der Schweiz spielen zu können. Es ist schön, erstmals seit acht Jahren wieder im September hier zu sein. Und doch ist da im Hinterkopf die Ungewissheit, wie lange der Lockout gehen wird. Es ist schlicht nicht absehbar.

Weshalb sind die Fronten zwischen Liga und Spielergewerkschaft so festgefahren? Es geht ja «nur» um Prozente der Gesamteinnahmen, nicht um einen Systemwechsel wie 2004/05.
Es sind schon nur Prozente. Aber die Liga floriert, sie machte zuletzt 3,3 Milliarden Dollar Umsatz. Es war verwunderlich, zu beobachten, wie die Clubs im Sommer neue Millionenverträge abschlossen. Und nun verlangen sie, dass die Anteile der Spieler von 57 auf 47 Prozent gekürzt werden. Das sind gewaltige Einschnitte. Wir haben schon vor acht Jahren so viele Zugeständnisse gemacht.

Trotzdem sei die Frage erlaubt: Sind die Spieler nicht zu gierig?
Wenn ein Cristiano Ronaldo über 9 Millionen Dollar verdient, ist es absolut gerechtfertigt, dass ein Sidney Crosby 8 Millionen verdient. Und der soll jetzt 20 Prozent davon abgeben? Wir sind die Attraktion, wir tragen das Risiko, verletzt zu werden – und sollten entsprechend entlöhnt werden.

Aber das Problem ist, dass die meisten Vereine defizitär sind.
Fünf bis sechs Teams geht es nicht so gut, aber das gibt es in jeder Liga. Das wird sich auch kaum ändern. Es muss eine Änderung bei der Verteilung der Einnahmen geben, damit diese Clubs unterstützt werden. Da stimmt es nicht. Aber die bestehenden Spielerverträge müssen zu 100 Prozent eingehalten werden. Warum sollten wir die Konsequenzen tragen?

Inwiefern waren Sie in den hitzigen Verhandlungen involviert?
Passiv. Ich hätte aktiv sein können, hätte hierzu aber den ganzen Sommer in New York bleiben müssen. Trotzdem habe ich viele Gespräche und Telefonkonferenzen geführt, auch am Gewerkschaftstreffen in Barcelona nahm ich teil. Am Anfang meiner NHL-Karriere war das Vertragswerk noch ein Fremdwort für mich, mittlerweile kenne ich mich gut aus.

Wie machte sich die Aussperrung unmittelbar bemerkbar?
Nach dem Lockout packte ich nur kurz meine Sachen im Stadion. Nun darf ich dort nicht einmal meine Post abholen. Mir ist es verboten, mit den Coaches, Physiotherapeuten oder dem Sekretariat zu sprechen. Das Eisfeld fürs Training mussten wir zuletzt selbst organisieren.

In Ottawa sind wegen des Lockouts bereits Leute entlassen worden.
Bei den Islanders herrscht auch nur noch Kurzarbeit. Alle sind am Kämpfen, vor allem im Büro, es ist tragisch. Der Samstag war für alle ein schwarzer Tag.

Sorgen Sie sich, Ihr Jahressalär von 4,1 Millionen Dollar zu verlieren?
Das wäre das Worst-Case-Szenario. Aber ich glaube, dass wir uns einigen werden.

Wann? Wie lautet Ihre Prognose?
Vielleicht dauert es ein, zwei oder drei Monate. Ich habe das Gefühl, dass um Weihnachten gespielt wird. Aber ich will nicht zu viel spekulieren. Es gibt genug Experten, die ihren Senf dazugeben.

Würden Sie irgendwann die Gewerkschaft drängen, nachzugeben?
Nein, wir sind eine Gemeinschaft. Es wird bald wieder Gespräche in der Gewerkschaft geben, vielleicht auch Abstimmungen. Wir alle denken: Wir sind bei Verhandlungsführer Don Fehr in guten Händen.

Sie sind bald 35 und könnten ein Jahr verlieren. Welchen Einfluss hat der Lockout auf Ihre NHL-Zukunft?
Keinen grossen. Ich bin im letzten Vertragsjahr, aber ich habe mir einen Namen in der NHL gemacht. Da mache ich mir keine Sorgen.

Was bleibt Ihnen vom letzten Lockout 2004/05 in Erinnerung, als Sie mit dem ZSC bis in den Final kamen?
Die Liga war spektakulär, enorm stark. Jene Saison war auch ein wichtiger Grund, dass ich nach Montreal gehen durfte. Die Canadiens sahen, dass ich mit den NHL-Spielern mithalten konnte. Es kamen Scouts, und die nordamerikanischen Medien interessierten sich für unser Land. Ich werte das sehr positiv.

Haben Sie Ihren Teamkollegen von der NLA vorgeschwärmt?
Die sind selbst gut informiert, sie haben Respekt vor unserem Eishockey. Und sie wissen, dass die Schweiz mit ihrer Lebensqualität für einen Profi der attraktivste Standort ausserhalb der NHL ist.

Was macht zum Beispiel John Tavares, der Starcenter der Islanders?
Ich habe ihn in den letzten Wochen nicht gesehen. Viele Spieler warten noch ab. Ich kann mir vorstellen, dass es noch ein, zwei Transfers in die Schweiz gibt. Aber die Plätze sind nun mal begrenzt.

Was erwarten Sie von Ihrem eigenen Gastspiel in der Schweiz?
Ich habe im August gut trainiert, zuletzt wegen des Stresses aber weniger gut. Nun möchte ich meine Form finden. Und klar, ich möchte Verantwortung übernehmen, ein Leader sein und die Jungen weiterbringen. Ich freue mich, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Ich werde meine Zeit in Bern voll auskosten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2012, 07:32 Uhr

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12 Kommentare

Peter Meier

20.09.2012, 07:58 Uhr
Melden 13 Empfehlung 0

Wäre das ganz schlimm für ihn gewesen, wenn der sympathische Mark Streit von seinen 4.1 Mio Dollar Gehalt 20 % hätte abgeben müssen, um der NHL, der eigentlich alles zu verdanken hat, was er im Leben erreicht hat?
Der gute Mann hat wohl ein wenig die Relationen verloren und das grosse Geld hat ihn vielleicht auch ein wenig verwirrt. Er hat nun Zeit zum Nachdenken im beschaulichen Bärn.
Antworten


Roland Villiger

20.09.2012, 09:13 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Mark Streit ist ein zweifellos das Aushängeschild des CH Eishockeys ! Er hat sich seinen Status durch harte Arbeit verdient. Trotzdem kann der "Normalverdienende" diesen Lockout nur schwer nachvollziehen zumal diese Millionensaläre im Wesentlichen von den Zuschauern bezahlt werden, welche ebenso das Risko tragen ihren Job durch Krankheit oder Stellenverlust zu verlieren, für viel weniger Geld. Antworten



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Stand: 18.05.2013 21:38
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