Hut ab vor Edgar Salis

Der zurückgetretene Sportchef zieht die Konsequenzen aus dem ZSC-Scheitern. Der passende Nachfolger wäre verfügbar.

Nach acht Jahren als Sportchef ist er abgetreten: Edgar Salis. (Bild: Sabina Bobst)

Nach acht Jahren als Sportchef ist er abgetreten: Edgar Salis. (Bild: Sabina Bobst)

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Es war ruhig bei den ZSC Lions seit dem kläglichen Viertelfinal-Aus gegen Lugano. Verdächtig ruhig, muss man im Nachhinein sagen. Gestern gaben die Zürcher nun den Rücktritt von Edgar Salis als Sportchef bekannt. Er kommt aus heiterem Himmel. Am Tag nach dem Scheitern hatte der Bündner im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» auf die Frage, ob er der richtige Mann für den Turnaround sei, noch geantwortet: «Sorry, aber das ist eine dumme Frage. Soll ich Nein sagen? Wenn ich dieses Gefühl hätte, müsste ich jetzt den Computer einpacken und nach Hause laufen.»

Offenbar hat der 46-Jährige seine Meinung seitdem geändert. Und es spricht für ihn, dass er die Konsequenzen zog, obschon ihm CEO Peter Zahner den Rücken gestärkt hatte und in keinem Medium sein Rücktritt gefordert wurde. Ein Punkt, der ihn zum Nachdenken brachte, war die Vertragsverlängerung von Captain Mathias Seger, die über seinen Kopf hinweg entschieden worden war. Salis, seit 2009 als Nachfolger Peter Itens Sportchef, wird künftig in der Lions-Organisation als Talentspäher wirken. Er zog es gestern vor, sich nicht zu äussern.

Nicht nur auf Punkte geschaut

Trotz zuletzt zwei verlorenen Viertel­finals, Fehlgriffen wie mit Guerra und Pestoni und einer zuweilen eigenwilligen Ausländerpolitik darf Salis auf eine gelungene Schaffenszeit mit den Titeln 2012 und 2014 zurückblicken. Schon als Spieler war er darauf bedacht gewesen, dass der Kitt im Team stimmt. Darauf legte er auch als Sportchef wert. Er verpflichtete Spieler nicht nur anhand ihrer Skorerpunkte, sondern schaute auch darauf, ob sie teamfähig sind und Rollen erfüllen können. Ein Meisterteam zu bauen, ist eine Kunst – in den letzten zehn Jahren schafften es nur Davos, Bern und die ZSC Lions.

Die Zürcher integrierten auch immer wieder eigene Junge und ­spielten attraktives Eishockey, das die Zuschauer in die Halle lockte. Doch weil sie in der Qualifikation selten richtig gefordert wurden, hatten sie im Playoff meist Mühe, auf Widerstand zu reagieren. Die Aufgabe des Nachfolgers von Salis ist, dieses Problem zu lösen.

Leuenberger die beste Wahl

Lange zuwarten können die Zürcher nicht mit der Nachfolgeregelung. Es gibt für nächste Saison noch einige personelle Entscheidungen zu treffen, drei Ausländerpositionen sind offen. Die naheliegendste Lösung als Salis-Nachfolger ist für die ZSC Lions auch die beste: Sven Leuenberger. Der langjährige SCB-Sportchef, der im November 2015 einen Schritt zurück machen musste, als sein Bruder Lars Headcoach wurde, ist verfügbar. Aktuell arbeitet er bei den Bernern als Sportkoordinator – kein Lebensjob.

Der 47-Jährige war wie Salis eine Persönlichkeit als Spieler (viermal Meister), verfügt über eine reiche Erfahrung als Sportchef und gute Beziehungen. Zudem weiss er, wie man auf zwei verlorene Viertel­finals ­reagiert. Mit dem SCB erlebte er dies 2008 und 2009, dann wurden die Berner 2010 wieder Meister. Und nichts ­anderes kann bei den ZSC Lions der Anspruch sein.

Erstellt: 07.04.2017, 23:41 Uhr

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