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Rautakallios Comeback am Spengler-Cup
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Spengler-Cup live
baz.ch/Newsnet wird alle Partien des diesjährigen Spengler-Cups live kommentieren.
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Bevor Pekka Rautakallio elf Jahre als Trainer in der Schweiz tätig war; bevor er als Spieler in Finnland so einen tiefen Eindruck hinterliess, dass die heimische Liga die Trophäe des besten Verteidigers nach ihm benannte; bevor er in den 1970er-Jahren als einer der ersten Europäer sein Glück in der NHL versuchte – bevor all das geschah, verteidigte Pekka Rautakallio mit dem Vater von Petteri Nummelin zusammen am Spengler-Cup. 21 Jahre alt war der stämmige Finne damals und das Turnier eine Bühne mehrheitlich für Nationalteams. Heute, 37 Jahre später, ist Rautakallio erneut in Davos. Diesmal als Trainer von Dinamo Riga.
«Wir sind eine leidenschaftliche, temperamentvolle Mannschaft», beschreibt Rautakallio sein Team, das in der Kontinental Hockey League als 6. der Westgruppe auf Playoff-Kurs ist. Dabei wollte der 58-Jährige eigentlich gar nicht in die KHL. Nach der letzten Saison erhielt er mehrere Anfragen – allen sagte er ab. Dann kontaktierte ihn Dinamo. «Das war eine völlig andere Sache», erklärt er, «Lettland gehört zur EU und liegt nahe bei Finnland.» Rautakallio traf sich mit General Manager Normunds Sejejs, dem ehemaligen Chur-Verteidiger, fuhr nach Riga – und unterschrieb.
Dinamo ist eben ein Sonderfall. Der Klub ist einer von vier in der KHL, die nicht in Russland beheimatet sind. Er versteht sich als eine Art zweites Nationalteam, für den es auch den Stamm bildet. Die Klubfarben sind Dunkelrot und Weiss – die Nationalfarben Lettlands.
Monate, bis man die lettische Eishockeymentalität kennt
Von Land und Leuten war Rautakallio sofort begeistert. «Riga ist eine alte Hansestadt mit wunderschöner Altstadt, Oper und Theater», schwärmt der Finne, «die Menschen sind unheimlich nett.» Sportlich dagegen tat er sich anfangs schwer. «Du brauchst mindestens sechs Monate, bis du die lettische Eishockeymentalität kennst», hatte Harijs Witolinsch gewarnt, der einst unter Rautakallio in Rapperswil gestürmt hatte. «Unsere Spieler sind sehr emotional», sagt Rautakallio, «wenn das Herz bei der Sache ist, geben sie alles.» Die Kehrseite davon ist, dass sie taktisch nicht immer auf der Höhe sind. «Wir verlieren manchmal die Konzentration, wenn die Leidenschaft fehlt», beklagt der Finne.
Ob der Spengler-Cup diese Passion zu wecken vermag, wird sich weisen. Von der Papierform her gehört Dinamo auf jeden Fall zum Favoritenkreis. Im Vergleich zu Vorjahressieger SKA St. Petersburg ist das Budget von 12 Millionen Franken zwar tief und etwa auf NLA-Niveau. Doch wie bei den Russen steht Gasprom als grosser Sponsor hinter dem Klub. Dank der 2006 eröffneten Arena Riga spielt auch Dinamo in einem hochmodernen Stadion. Und wie bei den finanzstärkeren Klubs aus den russischen Metropolen bietet auch Rigas Kader grosse Namen.
Da ist zuerst einmal Sandis Ozolins, 1996 Stanley-Cup-Gewinner mit Colorado und nun mit über 1000 NHL-Spielen und 39 Jahren einer der besten KHL-Verteidiger. «Er ist eine grosse Figur bei uns», sagt Rautakallio, «aber natürlich auch Sprukts mit seiner Erfahrung, Karsums und die Brüder Redlihs.» Krisjanis, der Älteste der drei, bestritt 2006/07 auch 15 Spiele für Fribourg.
Alljährliche Freundschaftsspiele im kommunistischen Riga
Verbindungen zur Schweiz gibt es viele bei Dinamo, doch keine ist so stark wie jene des Trainers. Nachdem Rautakallio seine illustere Karriere in der NLB beim SC Rapperswil-Jona hatte ausklingen lassen, übernahm er 1993 die St. Galler als Headcoach – und schaffte auf Anhieb den Aufstieg. Über ein Jahrzehnt stand er danach an den Banden der NLA: für den SCRJ, den SCB, den ZSC und Ambri. Als er 2006 in seine Heimat zurückkehrte, schien das Kapitel Schweiz eigentlich abgeschlossen. Bis der Ruf von Sejejs kam.
Gut möglich, dass der auch darum so verlockend war, weil Riga für Rautakallio nicht irgendein Ort ist. Im Rahmen einer Städtepartnerschaft, wie sie zum Kulturaustausch während des Kalten Kriegs geschlossen wurden, gingen nämlich die sowjetische Millionenmetropole Riga und die finnische Kleinstadt Pori eine Verbindung ein. Rautakallio wuchs in Pori auf, und als er noch für Stammklub spielte, fuhr er alljährlich für zwei Freundschaftsspiele ins kommunistische Riga.
Nun kehrt er auch in Davos an eine alte Wirkungsstätte zurück. Vom Debüt 1974 sind dem 58-Jährigen indes weniger sportliche Grosstaten in Erinnerung als die Stimmung im Ort. «Es war wunderbar», erinnert sich Rautakallio, «das Eisstadion stand damals noch nicht, wir spielten auf dem Aussenfeld unter freiem Himmel.» Den Schweizer Vertreter – damals die Nationalmannschaft – besiegten Rautakallio und sein Team 6:1; am Ende wurden sie Dritte. Der zweite Versuch ab morgen soll noch besser werden. (SonntagsZeitung)
Erstellt: 26.12.2011, 13:14 Uhr

