Ein grosser Sieg und ein grosser Verlierer

Die Schweizer zeigen gegen Kanada eine Wahnsinnspartie und holen zwei wichtige Punkte. Nur ein Spieler dürfte heute Abend nicht ausgelassen feiern.

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Die Schweizer schafften zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg 1998 das Kunststück, an einer WM einen «Grossen» nach einem Zweitore-Rückstand zu bezwingen. Es war der vierte Sieg gegen die Kanadier an einem grossen Turnier nach den Erfolgen an den Olympischen Spielen 2006 (2:0) sowie an den Weltmeisterschaften 2010 (4:1) und 2013 (3:2 n.P.).

Matchwinner der Schweizer war Fabrice Herzog. Der Stürmer der ZSC Lions schoss in der 64. Minute auf spektakuläre Art und Weise das entscheidende 3:2, nachdem er im Powerplay schon für das 1:2 (47.) verantwortlich gezeichnet hatte. Herzog bestreitet seine erste Weltmeisterschaft und hatte zuvor an diesem Turnier noch nie getroffen. Einen grossen Anteil am Sieg hatte auch Goalie Leonardo Genoni, der in der 7. Minute beim Stand von 0:2 Jonas Hiller ersetzte. Der Berner Meistertorhüter feierte seinen dritten Shutout an diesem Turnier - bereits gegen Norwegen (3:0) und Weissrussland (3:0) hatte er keinen Gegentreffer zugelassen. Hiller marschierte nach der Auswechslung wutentbrannt in die Kabine, kehrte aber später auf die Spielerbank zurück.

Patzer sorgt für die Wende

Den Ausgleich zum 2:2 erzielte in der 50. Minute Vincent Praplan. Der Walliser profitierte bei seinem dritten WM-Tor von einem Lapsus des kanadischen Keepers Calvin Pickard, der einen harmlosen Schuss von der Seite passieren liess. Am Freitag noch hatte Praplan gesagt, dass jeder Schuss aufs Tor ein guter Schuss sei. Das bewahrheitete sich nun.

Mit diesem Sieg gelang den Schweizern ein grosser Schritt in Richtung Viertelfinals. Läuft nun alles nach Papierform, reichen die elf Punkte. Allerdings gab es an diesem Turnier schon die eine oder andere Überraschung. Das beste Beispiel ist der Schweizer Triumph.

Im ersten Drittel heillos überfordert

Dabei hatte die Partie alles andere als gut begonnen. Die zweitägige Pause, welche die Schweizer vor der Partie gegen Kanada genossen, schien ihnen nicht gut getan zu haben. Nichts war zunächst zu sehen vom einfachen und kompakten Spiel, das sie sich vorgenommen hatten. Die Kanadier dominierten die Startphase nach Belieben, liessen den Schweizern kaum Zeit zum atmen.

Nach einer dummen Strafe von Denis Hollenstein dauerte es nur 31 Sekunden, ehe Ryan O'Reilly die Nordamerikaner in der 5. Minute in Führung brachte. 126 Sekunden später erhöhte Mitch Marner auf 2:0, nachdem Thomas Rüfenacht den Puck nicht aus der eigenen Zone gebracht hatte und Romain Loeffel vor dem Tor zu wenig energisch agierte. Das Schussverhältnis nach sieben Minuten lautete 10:1 zu Gunsten der Kanadier.

Gegen Ende des ersten Drittels kamen dann auch die Schweizer in der Partie an. Sie hielten nun gut dagegen. Nach dem 2:2 spielten sie wie aufgedreht. Jedenfalls war der Sieg am Ende keineswegs gestohlen, sehr zu Freude der Schweizer Fans, die zu Tausenden gekommen, für eine tolle Atmosphäre in der mit 12'923 Zuschauern sehr gut gefüllten Halle sorgten.

Nun gegen Finnland

Bereits am Sonntagabend geht es für die Schweizer mit der Partie gegen Finnland weiter. Die Nordländer hinterliessen bislang an dieser WM alles andere als einen unwiderstehlichen Eindruck. Gegen Frankreich erlitten sie eine 1:5-Niederlage, und Norwegen besiegten sie erst in der Verlängerung (3:2). Gegen Tschechien gaben sie in den letzten 13 Minuten eine 3:0-Führung preis und unterlagen im Penaltyschiessen.

Der beste Skorer bei Finnland ist der erst 19-jährige Sebastian Aho von den Carolina Hurricanes (2 Tore, 4 Assists), der allerdings eine Minus-1-Bilanz ausweist. Captain Valtteri Filppula, der im Team am häufigsten eingesetzte Spieler, kommt auf eine Minus-2-Bilanz. Auch deshalb könnten die Finnen zum ersten Mal überhaupt die WM-Viertelfinals (seit 1992) verpassen. Seit dem 9. Platz 1955 waren sie an diesem Turnier nie schlechter als Siebenter gewesen.

Der letzte Sieg der Schweizer gegen Finnland an einem grossen Turnier liegt jedoch schon lange zurück: 1988 siegten sie an den Olympischen Spielen in Calgary 2:1.

Kanada - Schweiz 2:3 (2:0, 0:0, 0:2, 0:1) n.V. Paris. - 12'932 Zuschauer. - SR Odins/Salonen (LAT/FIN), Leermakers/Sormunen (NED/FIN). Tore: 5. O'Reilly (Marner, Parayko/Ausschluss Hollenstein) 1:0. 7. Marner (Lee, Konecny) 2:0. 47. Herzog (Praplan, Richard/Ausschluss Matheson) 2:1. 50. Praplan (Hollenstein) 2:2. 64. Herzog (Ambühl) 2:3. Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Kanada, 3mal 2 Minuten gegen die Schweiz. Kanada: Pickard; Parayko, Vlasic; Demers, De Haan; Lee, Matheson; Morrissey; Marner, Point, Konecny; Duchene, Couturier, Skinner; Simmonds, Giroux, Killorn; MacKinnon, Scheifele, O'Reilly; Schenn. Schweiz: Hiller (7. Genoni); Diaz, Furrer; Untersander, Kukan; Loeffel, Genazzi; Marti; Rüfenacht, Almond, Schäppi; Praplan, Haas, Hollenstein; Brunner, Ambühl, Suter; Herzog, Richard, Bodenmann; Suri. Bemerkungen: Kanada ohne Barrie (verletzt), Schweiz ohne Malgin, Schlumpf und Schlegel (alle überzählig). - Pfostenschüsse Simmonds (22./28.). - Schüsse: Kanada 45 (16-13-13-3); Schweiz 26 (6-7-12-1). - Powerplay-Ausbeute: Kanada 1/3; Schweiz 1/4. (SDA)

Erstellt: 13.05.2017, 19:31 Uhr

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