Das System Diack und die Entlastung für Coe

Den Leichtathletik-Weltverband prägten schwerwiegende organisatorische Mängel, sagt die Welt-Antidoping-Agentur. Sie verteilt aber auch Lob.

Steht im Zentrum der Kritik: Lamine Diack, ehemaliger Präsident beim Internationalen Leichtathletik-Verband.

Steht im Zentrum der Kritik: Lamine Diack, ehemaliger Präsident beim Internationalen Leichtathletik-Verband. Bild: Keystone

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Im November hatte eine Kommission der Welt-Antidoping-Agentur Wada nachgewiesen, dass die russische Leichtathletik bis letzten Sommer systematisch dopte. Heute präzisierte das Gremium um den Vorsitzenden Richard Pound weitere Hintergründe, welche in den grossen Zügen schon bekannt waren: Demnach führte der damalige Weltleichtathletik-Präsident Lamine Diack eine Gruppe an Mitarbeitern, die gedopte Athleten um Geld erpressten, damit sie deren positiven Dopingproben verdeckt hielten.

Zur Gruppe gehörten der damalige Antidoping-Chef der IAAF Gabriel Dollé, der ehemalige Finanzverantwortliche Walentin Balachnitschjow, die zwei Söhne Papa Massata und Khalil sowie der Hausanwalt Habib Cissé von Lamine Diack. Diese Fakten waren in den letzten Wochen durchgesickert, neu ist die Bewertung durch die Kommission. So sagte Pound: Diack habe parallel zur IAAF-Struktur einen klandestinen Zirkel gebildet, um die institutionalisierten Strukturen zu umgehen und seine kriminelle Energie entfalten zu können.

Dass das Council, die Exekutive der IAAF, von diesem Alleingang nichts gewusst habe, hält die Kommission für sehr unwahrscheinlich. Zum Council zählte damals auch der neue Präsident, der frühere Laufolympiasieger Sebastian Coe. Bislang hatte Coe gesagt, weder von den systematischen Problemen in Russland noch den Machenschaften von Diack gewusst zu haben. Pound hält Coes Aussagen für glaubwürdig, weil er findet, dass wohl nicht jedes Council-Mitglied von den Vorfällen gewusst habe. Insofern sei Coe weiterhin der geeignetste Mann, den schwer angeschlagenen Verband aus der Krise zu führen.

In einem zweiten Aspekt (den ganzen Bericht finden Sie hier) behandelte die Wada-Kommission die Vorwürfe von ARD und Sunday Times. Die Journalisten hatten letzten August kurz vor der WM behauptet, eine substanzielle Athletenzahl habe zwischen 2001 und 2012 nur dank Doping reüssiert – auch an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Sie begründeten ihre Aussagen auf einem Datensatz von 12'000 Blutproben (von 5000 Athleten), welcher vom Weltleichtathletik-Verband stamme und ihnen zugespielt worden sei. Diese Informationen hatten die Journalisten zwei renommierten Antidoping-Kämpfern weitergeleitet und danach deren Analysen publiziert. Nun stellte die Wada-Kommission fest, dass diese Daten unvollständig seien. Sie sagt: Anhand der Journalisten-Informationen hätte nie ein Athlet juristisch gesperrt werden können. Die Kommission lobte im Gegenteil den Antidoping-Kampf der IAAF und sagte, sie zähle zu den Führenden im Umgang mit Dopern. (Si)

(Erstellt: 14.01.2016, 15:22 Uhr)

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