Der Lauf gegen die Marathon-Schallmauer hat begonnen

Geht es nach Nike, soll noch in diesem Jahr der erste Mensch einen Marathon unter zwei Stunden laufen. Jetzt steht fest: Das Projekt findet auf der Rennstrecke in Monza statt.

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Es ist eine der letzten grossen Schallmauern in der Leichtathletik: die Grenze von zwei Stunden im Marathon. Seit 2014 liegt der Weltrekord bei 2:02:57, aufgestellt von Dennis Kimetto in Berlin. Und schon damals blickte die Welt ehrfürchtig auf den Kenianer, weil bereits die Unterbietung von zwei Stunden und drei Minuten als Husarenstück galt.

Doch jetzt kommt der Sportartikelhersteller Nike und erklärt, noch 2017 werde die Bestmarke über 42,2 Kilometer um nicht weniger als 177 Sekunden auf unter zwei Stunden gedrückt. Die Amerikaner haben dieses Ziel im letzten Dezember ausgegeben, ohne genauer zu erklären, wie, wo und wann genau sie es zu erreichen gedenken.

Seit Dienstag ist klar, wo das Projekt Breaking2 stattfindet: auf der legendären Autorennstrecke von Monza. Das macht aus mehreren Gründen Sinn: Auf einem Rundkurs ist die Verpflegung einfacher zu organisieren als auf einer traditionellen Marathonstrecke. Ausserdem können wissenschaftliche Daten unter gleichbleibenden Umständen gesammelt werden. Monza hat den Vorteil, dass es in einer flachen Gegend liegt, in der meist Windstille herrscht und Wolken häufig eine direkte Sonneneinstrahlung verhindern.

Der erste Testlauf galt vor allem der Technik

Nike hat drei Spitzenläufer unter Vertrag genommen, welche die Schallmauer durchbrechen sollen. Sie sind am Dienstag ein erstes Mal über den Rundkurs gerannt. Allerdings bloss über die halbe Distanz – und auch nicht mit dem Ziel, irgendwelche Rekorde zu brechen.

Es sei in erster Linie darum gegangen, die Technik für die weiteren Stufen des Projekts einzustellen, erklärte der wissenschaftliche Leiter Brad Wilkins: «Wir testen nicht die Fitness unserer Athleten. Wir testen uns selbst.»

Trotzdem gab der Testlauf erste Hinweise darauf, wie Breaking2 den Rekord brechen will. Die Runde in Monza ist exakt 2400 Meter lang, sodass alle 200 Meter die Zeit gestoppt werden kann. Ausserdem liefen die Athleten hinter einem von einem Formel-1-Testfahrer gelenkten Elektroauto, das mit einer Anzeige für die abgelaufene Zeit, Zwischenzeiten und die errechnete Endzeit ausgestattet war.

So würde ein Weltrekord nicht anerkannt

Gerannt wurde in einer Gruppe in Rautenform, wobei die drei Läufer, die schliesslich den Rekord knacken sollen, bei diesem 1-2-3-2-1 die letzten beiden Reihen besetzten. Die Tempomacher wurden dabei laufend durch frisch ersetzt. Sollte es dabei bleiben, würde ein eventuell aufgestellter Weltrekord nicht offiziell anerkannt.

Die schnellste Zeit gelang Eliud Kipchoge mit 59:17 für die 21,1 Kilometer. Eine gute Zeit, zumal es stark windete. Und der Kenianer selbst gab an, «erst bei rund 60 Prozent» seines Leistungsvermögens angelangt zu sein.

Kipchoge ist einer von drei Spitzenathleten, die Nike für das Projekt unter Vertrag genommen hat. Er ist als Olympiasieger 2016 eine logische Wahl, weil er schlicht der derzeit beste Marathonläufer der Welt ist. Lelisa Desisa darf als 26-Jähriger als entwicklungsfähiges Talent gelten. Der Äthiopier hat seine aktuelle Bestzeit 2013 im ersten Marathon seiner Karriere aufgestellt.

Der ökonomischste Läufer der Welt

Und dann ist da noch Zersenay Tadese, der bislang vor allem im Halbmarathon erfolgreich war, ohne diese Leistung auch über die vollen 42,2 Kilometer abrufen zu können. Er hat allerdings gemäss einem Artikel im «British Journal of Sports Medicine» aus dem Jahr 2007 einen der «tiefsten (wenn nicht der tiefste aller) jemals veröffentlichten Werte» in Sachen Energieverbrauch beim Rennen. Das heisst, dass Tadese für einen Marathon viel weniger Energie zu sich nehmen muss als fast alle anderen Läufer dieser Erde.

Für Nike ist Breaking2 ein Prestigeprojekt mit klar wirtschaftlichem Hintergrund. Die amerikanische Marke kämpft im Marathon mit Adidas um die Vormacht. Die Deutschen haben nicht nur die letzten vier Weltrekordläufer mit ihren Schuhen ausgestattet. Sie haben mit Berlin, Boston und London auch drei der wichtigsten Marathonläufe unter Vertrag. Nike dagegen ist «bloss» Partner von Chicago.

Der Weltverband schaut sich diesen Schuh einmal an

Kein Wunder also, dass Nike passend zum ersten Test in Monza auch seinen neusten Laufschuh präsentiert. Dieser hat eine Karbonplatte in seiner Sohle, die den Energieverlust beim Laufen verringern soll. Wie weit diese Platte in Richtung eines mechanischen Dopings geht, interessiert auch den internationalen Leichtathletikverband IAAF.

Dessen Sprecher Chris Taylor erklärte dem «Guardian», das technische Komitee der IAAF werde den Schuh – gemeinsam mit Produkten anderer Hersteller – Mitte März in Saragossa untersuchen: «Wir kennen die Spekulationen, die der Schuh auslöst, und haben Anfragen wegen mehrerer Schuhe erhalten, die Spitzenathleten in letzter Zeit getragen haben. Aber das ist nicht auf einen Hersteller alleine bezogen. Die Technologie der Laufschuhe entwickelt sich weltweit.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.03.2017, 18:28 Uhr

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