Sport

Die Verlogenheit des grossen Sports

Eine Analyse von Alexander Kühn. Aktualisiert am 19.04.2012 24 Kommentare

Der Sport pflegt einen verlogenen Umgang mit der Moral. Dass die Formel-1-Teams in Bahrain am Wochenende zum vierten Saisonrennen antreten, ist ein weiterer Beweis hierfür.

1/7 «Nicht auf unserem Blut»: Künstlerischer Protest gegen den Formel-1-GP in Bahrain. (18. April 2012)
Bild: Keystone

   

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Formel 1: GP Singapur

NameTeamZeit
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2.Sebastian VettelRed Bull +13.534
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4.Fernando AlonsoFerrari +15.389
5.Felipe MassaWilliams +42.161
6.Jean-Eric VergneToro Rosso +56.801
7.Sergio PerezForce India +59.038
8.Kimi RaikkonenFerrari +1:00.641
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NameTeamP
1.Lewis HamiltonMercedes241
2.Nico RosbergMercedes238
3.Daniel RicciardoRed Bull181
4.Fernando AlonsoFerrari133
5.Sebastian VettelRed Bull124
6.Valtteri BottasWilliams122
7.Jenson ButtonMcLaren72
8.Nico HulkenbergForce India72
9.Felipe MassaWilliams65
10.Sergio PerezForce India45
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Im Vorfeld des Grand Prix von Bahrain war in der Königsklasse des Motorsports viel von der kritischen Sicherheitslage die Rede. Die Reise in den Inselstaat im Persischen Golf mache nur dann Sinn, wenn für den Formel-1-Tross trotz der noch immer brodelnden Proteste gegen das totalitäre Regime kein Risiko bestehe. Natürlich ist es gut und recht, wenn sich ein Rennstall um sein Personal sorgt, die sicherste und moralisch einzig vertretbare Lösung wäre es aber gewesen, erst gar nicht in Bahrain anzutreten. Trotz der Verträge mit GP-Vermarkter Bernie Ecclestone.

Als es darum ging, eine Budgetobergrenze in der Formel 1 zu verhindern, gingen die reichen Teams wie Ferrari oder McLaren gegen den Automobil-Weltverband FIA auf die Barrikaden, für die Menschenrechte wollen sie sich aber offensichtlich nicht aus dem Fenster lehnen. FIA-Präsident Jean Todt flüchtete sich in altbewährte Floskeln. «Wir sind ein Sportverband und interessieren uns für Sport, nicht für Politik», so der Franzose gegenüber dem TV-Sender RTL.

Blatters Besuch bei Mugabe

Mit dieser Argumentation im Handgepäck begab sich auch Fifa-Chef Sepp Blatter schon auf Reisen, um in Zimbabwe zusammen mit dem Diktator und international geächteten Massenmörder Robert Mugabe für das Wohl von König Fussball in die Kamera zu lächeln. Der grosse Sport kommt seiner Vorbildfunktion nicht nach, darüber können auch die Bemühungen der Fifa im Kampf gegen Rassismus nicht hinwegtäuschen. Die FIA erhebt wenigstens nicht den Anspruch, eine moralische Institution zu sein.

«Folter und unnötige, ausufernde Gewalt»

Der einzige prominente Formel-1-Pilot, der auch moralische Bedenken gegen die Durchführung des Rennens in Bahrain äusserte, ist der Australier Mark Webber. Der Red-Bull-Pilot war im letzten Jahr eine der treibenden Kräfte bei der Absage des Problem-Grand-Prix, am Sonntag wird er aber dennoch aufs Gaspedal treten. Letztlich wiegen die vertraglichen Bindungen selbst für ihn schwerer als «Folter und unnötige, ausufernde Gewalt gegen Demonstranten». So beschreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Zustände in Bahrain. Die International Crisis Group, deren Aufgabe es ist, Lösungsvorschläge für Konflikte zu erarbeiten, schreibt in ihrer Einschätzung, Bahrain schlittere hinter der Fassade der Normalisierung auf einen neuen Ausbruch der Gewalt zu.

John Yates, einst Polizeichef von London und nun Sicherheitsberater der Regierung Bahrains, widerspricht im «Guardian» diesen Darstellungen: «Es heisst, dass in den letzten Tagen sehr viele Leute verhaftet worden seien, doch hätte man das doch auf Youtube gesehen.» Dass am Wochenende Demonstranten die Formel 1 stören könnten, schliesst er dennoch nicht aus: «Solche Idioten kann man nirgends stoppen. Das ist auch anderswo schon passiert.» Yates' Wortwohl ist nicht gerade treffend für Menschen, die nichts weiter einfordern als ihre Rechte.

Die berühmten zwei Fäuste an den Olympischen Spielen 1968

Dabei hätten die Protagonisten auf der grossen Sportbühne durchaus Vorbilder, die ehemaligen Sprintstars Tommie Smith und John Carlos etwa. Sieger Smith und der Bronzemedaillengewinner Carlos reckten an den Olympischen Spielen 1968 bei der Siegerehrung für den 200-Meter-Lauf ihre in schwarze Handschuhe verpackten Fäuste in den Himmel. Es war ein viel beachteter Protest gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung in der Heimat. Smith und Carlos waren zudem ohne Schuhe aufs Treppchen geklettert und trugen Perlenketten. «Wir wollten der Welt zeigen, dass in Mississippi, Alabama, Tennessee, South Central Los Angeles und in Chicago Menschen in Armut leben. Dass da Kinder sind, die sich keine Schuhe leisten können», sagte Carlos dem «Spiegel». «Die Perlen standen für die Menschen, die gelyncht oder einfach so ermordet worden waren, für die keiner ein Gebet sprach.»

Im Jahr zuvor war dem legendären Boxer Muhammad Ali der Weltmeistertitel aberkannt worden, weil er sich geweigert hatte, in der US-Armee Militärdienst zu leisten und nach Vietnam in den Krieg zu ziehen. Ali, der drei Jahre nicht mehr im Ring stehen durfte, führte religiöse Gründe für seine Weigerung an, äusserte sich aber auch kritisch über die Ungleichbehandlung von weissen und schwarzen US-Amerikanern.

Erstellt: 19.04.2012, 13:08 Uhr

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24 Kommentare

Peter Kaegi

19.04.2012, 13:44 Uhr
Melden 43 Empfehlung 0

Warum sollen die Sportveranstalter bessere Menschen sein? Die Sportbranche ist doch genau so ein Abbild der Gesellschaft wie die Kirchen, die Banken, die Parlamentarier und die Medien. Antworten


Alex Bötschi

19.04.2012, 14:00 Uhr
Melden 29 Empfehlung 0

Und die Olymipade in Russland wurde vom Westen boykottiert weil Russen in Afghanistan einmarschiert waren. Ja die Zeiten ändern sich...nur die Heuchlerei bleibt. Besonders übel aber finde ich das man nur im Zusammenhang mit der Formel 1 überhaupt etwas über Ausschreitungen in Bahrain liest. Liefern die evtl. Öl? Antworten



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