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Martin verteidigt WM-Gold im Zeitfahren
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Der in Kreuzlingen wohnhafte Deutsche Tony Martin setzte sich auf der 45,7 km langen Strecke in den Ardennen mit fünf Sekunden Vorsprung vor dem Amerikaner Taylor Phinney durch. Bronze ging überraschend an Wassil Kirijenka. Der Weissrusse büsste bereits 1:44 Minuten auf Martin ein.
Bevor er am 1. August in London im olympischen Zeitfahren hinter dem britischen Saisondominator Wiggins Silber gewonnen hatte, war das Jahr 2012 für Tony Martin ein Seuchenjahr. Er war Mitte April unweit seines Wohnorts im Training mit einem Auto zusammengestossen und hatte sich dabei mehrere Knochenbrüche im Gesicht zugezogen. Für die Tour de France kam der 27-jährige Deutsche rechtzeitig wieder in Form, nur um im Prolog in Lüttich einen Defekt zu erleiden. Damit wurde es nichts mit dem angestrebten Maillot jaune, welches stattdessen sein grosser Rivale Cancellara während einer ganzen Woche tragen sollte. Doch es kam für Martin noch schlimmer. Bei einem Sturz in der ersten Tour-Woche brach er sich das Kahnbein an der linken Hand.
Mit dem neuerlichen Zeitfahr-WM-Titel sowie dem Triumph mit seiner Sportgruppe Omega Pharma-Quick Step im Teamzeitfahren drei Tage zuvor findet die Saison für Martin ein versöhnliches Ende. «Nach all den Auf und Abs in diesem Jahr bin ich überglücklich. Das war wohl die beste Woche meiner Karriere», so der gebürtige Cottbuser. Martin gewann in Valkenburg bereits die vierten WM-Medaille in Serie im Kampf gegen die Uhr. Vor seinem letztjährigen Triumph war er 2009 und 2010 jeweils Dritter geworden.
Duell dank Phinney
Dank Taylor Phinney wurde das nach einem vorgängigen Regenguss auf teilweise nasser Strecke stattfindende Zeitfahren zu einem Duell und nicht zur von vielen erwarteten Solo-Demonstration von Topfavorit Martin. Fast gleich knapp war das WM-Zeitfahren zuletzt 2001 ausgegangen, als Martins Landsmann Jan Ullrich mit sechs Sekunden Vorsprung vor dem Briten David Millar gewonnen hatte.
In Valkenburg führte Phinney, Olympia-Vierter im Zeitfahren von London, nach 14,3 km noch knapp vor dem späteren Sieger. Bis zur zweiten Zwischenzeit nach 29,7 km hatte Martin die zuvor vier Sekunden Rückstand in einen Vorsprung von 13 Sekunden umgewandelt. Danach holte der ehemalige U-23-Weltmeister aber wieder auf. Bei der 38,4-km-Marke lag er knapp neun Sekunden zurück. Auf den letzten sieben Kilometern, auf welchen mit dem Cauberg noch der dritte und letzte grössere Anstieg zu bewältigen war, machte der junge Amerikaner vom BMC-Team nochmals vier Sekunden wett. Doch letztlich musste sich Phinney wie drei Tage zuvor im Teamzeitfahren mit Silber begnügen.
Vor Jahresfrist in Kopenhagen war Martins Siegermarge ungleich grösser gewesen. Bradley Wiggins (2.) und Fabian Cancellara (3.) hatten klar mehr als eine Minute verloren. Der Zeitfahr-Olympiasieger und Tour-de-France-Gesamtsieger aus England sowie der vierfache Zeitfahr-Weltmeister aus Bern verzichteten ebenso wie der Olympia-Dritte Chris Froome (Gb) auf das WM-Zeitfahren in Valkenburg.
Contador nur Neunter
Alberto Contador spielte im Kampf um den Sieg keine Rolle. Der Vuelta-Sieger gehörte schon nach der ersten Zwischenzeit mit 40 Sekunden Rückstand auf Phinney zu den Geschlagenen. Nach rund 30 km sah sich der Spanier von Sieger Martin, der zwei Minuten nach ihm gestartet war, eingeholt und umgehend stehengelassen. Am Ende klassierte sich Contador mit zweieinhalb Minuten Rückstand nur als Neunter. (si)
Erstellt: 19.09.2012, 19:51 Uhr



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