Staubpaniert durch die Wildnis

Mountainbiker Christoph Sauser will mit 40 Jahren in Südafrika seine sechste Cape Epic gewinnen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Christoph Sauser stieg von seinem Bike – und begann sogleich eine Unterhaltung im Plauderton mit einem Teamhelfer. Wären sein Gesicht und sein Trikot nicht komplett staubpaniert gewesen, nichts hätte darauf hingedeutet, dass der Schweizer nicht gerade eine gemütliche Kaffeefahrt beendet hatte, sondern eine vierstündige Vollgasfahrt durch Südafrikas schroffe Wildnis.

Sauser hatte mit seinem Teamkollegen Jaroslav Kulhavy gerade die erste Etappe der Cape Epic auf Rang 2 beendet. Dass er sich dabei in seinem Element fühlte, konnte einerseits nicht überraschen. Schliesslich ist er mit fünf Erfolgen Rekordsieger des einwöchigen Etappenrennens. Andererseits erstaunte seine Lockerheit aber doch: Sauser bestreitet die Cape Epic nach einem Jahr Pause, Ende 2015 war er als Bikeprofi zurückgetreten. «Ich wollte aufhören, als ich noch grosse Rennen gewinnen konnte», sagt Sauser zu seinem damaligen Entscheid.

Er will alleiniger Rekordsieger sein

Nun die Rückkehr: Gehört er zu den Profisportlern, die nicht loslassen können? Er lacht. «Das kann man so sagen ... Ich mache es einfach gerne! Die Höchstanspannung bei Rennen, ich brauche das. Nun reizte es mich, zu schauen, ob ich mit Jaroslav Kulhavy noch einmal gewinnen kann», sagt Sauser, der im April seinen 41. Geburtstag feiert.

Dazu kamen zwei weitere Gründe: 2016 hatte der Deutsche Karl Platt ebenfalls seine fünfte Cape Epic gewonnen und damit zu Rekordsieger Sauser aufgeschlossen. Der würde in dieser Wertung gerne wieder alleine an der Spitze stehen. Schliesslich realisierte er, dass auch seine Stiftung Songo von einem erneuten Start profitieren würde.

Sausers Stiftung verhilft 50 Kindern zu Bildung

Sauser lebt seit 20 Jahren während mehrerer Monate in Südafrika, genauer im Biker-Mekka Stellenbosch, wo er eine Wohnung besitzt. 2008 gründete er Songo, die Stiftung bringt Kindern aus den Townships das Mountainbiken näher. Mittlerweile profitieren 50 Kinder davon, erhalten im Clubhaus auch Schulunterricht. Insgesamt setzt Songo jährlich 300'000 Franken um, 70 Prozent der Gelder stammen aus Südafrika.

Der Impuls für Songo ist langfristig ein schöner Nebeneffekt. Im Moment ist es aber die Rennlust, die bei Sauser dominiert. Er fuhr auch 2016 Rennen, ging sie aber etwas lockerer an, trainierte genussorientierter, absolvierte nur mehr etwa 50–60 Prozent der Umfänge wie als Profi. Vor allem verzichtete er auf die harten Intervalltrainings, die so schmerzhaft sind, dass sie kein Athlet freiwillig macht.

«Wenn ich noch mal siegen will, muss ich alles investieren.»Christoph Sauser

Für die Cape Epic überwand er sich aber noch einmal. «Ich wusste: Wenn ich noch mal siegen will, muss ich alles investieren», so Sauser. Nichts verdeutlichte seine Motivation besser als sein Trainingsfleiss. Obwohl das Wetter Anfang Jahr in der Schweiz längst nicht immer ideal war, schwänzte er nur gerade eine Einheit.

Das hat sich ausgezahlt, wie sich am Montag auf der ersten Etappe zeigte. Nachdem sich Sauser die Staubpanade aus dem Gesicht gewischt und ein neues Trikot übergestreift hatte, analysierte er trotz den 35 Grad Aussentemperatur kühl: «Wir haben heute gesehen, dass wir das stärkste Team im Rennen sind.» Dass trotzdem nur Etappenrang 2 herausschaute, lag an einem Plattfuss bei Kulhavy, nach rund 90 der 101 Tageskilometer. Bei der Radreparatur verlor das Duo gut zwei Minuten auf die Leader Fumic/Avancini. Bis ins Ziel halbierten sie den Rückstand noch.

Die erste Etappe mit dem Sturz und Plattfuss von Kulhavy, dem Sturz von Schurter-Teamkollege Stirnemann und jenem von Frauenmitfavoritin Sabine Spitz. Video: Cape Epic

Die späte Aufholjagd ist Beweis für Sausers Form, und dafür, dass er in dem Jahr Profipause kaum etwas eingebüsst hat. «Ich habe den Eindruck, dass es beim Körper wie bei einem Acker ist, der ein Jahr lang brach lag. Nun ist er wieder voller Energie.» Er spielte bereits während seiner Karriere mit dem Gedanken einer Pause, rang sich dann aber doch nie dazu durch. «Die Pause ist auch für den Kopf gut. Ich denke, darum gibt es im Sport auch so viele erfolgreiche Comebacks», sagt Sauser.

Seines ist jedoch, egal wie die Cape Epic ausgeht, beschränkt: Kommenden Sonntag verabschiedet er sich wieder aus der Profiszene, nun endgültig. «Ich werde sicher weiterhin Rennen bestreiten, die mir Spass bereiten. Aber nicht mehr mit Siegambitionen an den Start gehen», sagt er. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.03.2017, 19:41 Uhr)

Artikel zum Thema

Die Herausforderung in der zweiten Heimat

Analyse Olympiasieger Nino Schurter startet mit langfristigen Absichten zur Cape Epic. Mehr...

Cape Epic – nichts für schwache Waden

Fotoblog Über 700 Kilometer und 15'000 Höhenmeter. Das Mountainbike-Rennen am Westkap in Südafrika gilt als härtestes weltweit. Zum Blog

Gegen Schlangen, Hitze und 15'000 Höhenmeter

Bildstrecke Am Cape Epic entstanden atemberaubende Bilder. Beim wohl härtesten Mountainbike-Rennen triumphierten zwei Schweizer. Mehr...

Blogs

Welttheater Kuba, Land ohne Kartoffeln

Outdoor So bewegen wir Facebook-Freunde

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Luftakrobaten: Black Eagles der koreanischen Air-Force fliegen anlässlich der internationalen See- und Luftfahrt-Ausstellung in Kuala Lumpur über die Petronas Towers. (29. März 2017)
(Bild: Vincent Thian) Mehr...