Sport

Das vermeintliche Unheil vor Olympia

Von Sebastian Rieder. Aktualisiert am 11.02.2016

US-Goalie Hope Solo fürchtet sich vor dem Zika-Virus in Rio. Unbegründet, findet Sportarzt Walter O. Frey.

1/15 Aggressiv und unerschrocken: Hope Solo kämpft im Strafraum um jeden Ball.
Bild: Keystone

   

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Sie schmeisst sich unerschrocken in jeden Schuss, stürzt sich mutig in die Beine der Stürmerinnen, meist kopfvoran und ohne zu zögern. So kennen wir Hope Solo, Torhüterin des US-Soccerteams, Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Doch nun hat die 34-Jährige einen neuen unsichtbaren Gegner ausgemacht: das Zika-Virus.

Die aktuelle Ausbreitung des Erregers in Brasilien, speziell in Rio de Janeiro, wo die kommenden Olympischen Spiele ausgetragen werden, versetzt Solo in Alarmbereitschaft. «Wenn ich die Entscheidung heute treffen müsste, würde ich nicht hinfliegen», sagt Solo im Interview mit der «Sports Illustrated».

Zwei verschiedene Mückenarten verbreiten das Virus derzeit über den südamerikanischen Kontinent bis nach Mittelamerika und in die Karibik. Betroffen sind besonders schwangere Frauen, die bei einer Ansteckung mit einer Schädelfehlbildung des Säuglings rechnen müssen.

Solo fordert sichere Umgebung

Die Bilder deformierter Köpfe von brasilianischen Babys haben bei Hope Solo die Angst vor einer Teilnahme an den Sommerspielen weiter verstärkt. «Ich würde nie das Risiko eingehen, ein ungesundes Kind zu bekommen», sagt Solo.

Sinnigerweise strebt sie ein halbes Jahr vor Rio keine Schwangerschaft an, dennoch proklamiert sie ihre Zweifel und fordert eine sichere Umgebung während der Spiele. «Wir sollten nicht dazu gezwungen werden, die Gesundheit eines Kindes zu opfern.»

Experte gibt Entwarnung

Die Bedenken von Hope Solo finden beim Zürcher Sportarzt Walter O. Frey nur wenig Anklang. «Wenn eine Mutterschaft für sie im Moment sowieso nicht zur Diskussion steht, habe ich Mühe mit ihrer Aussage», sagt Frey und erklärt: «Die Symptome des Zika-Virus entsprechen denen einer normalen Grippe und stellen wahrscheinlich nur bei einem frischen Infekt während einer Schwangerschaft für das ungeborene Kind ein ernstes Problem dar.» Auf die Fruchtbarkeit habe der Bazillus auch nach überstandener Krankheit generell keinen Einfluss – auch bei den Männern nicht.

Weil eine Impfung gegen das Zika-Virus noch nicht existiert und eine Ansteckung die sportliche Leistungsfähigkeit natürlich stark beeinträchtigt, mahnt Frey als Leiter des Swiss Olympic Medical Center, Balgrist Move>Med in Zürich zu einem umfassenden Schutz vor Mücken. «Sportler sind für die Moskitos besonders anziehend, der Geruch von Schweiss wirkt dabei wie ein Magnet».

1/14 Die WHO lenkt ein: Die Stechmückenart Aedes aegypti ist Überträgerin des Zika-Virus. (Archivbild)
Bild: Felipe Dana/Keystone

   
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.02.2016, 13:18 Uhr

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