Rockstar auf Rädern

Rennen mit Peter Sagan sind nie langweilig. Auch darum schauen heute bei Mailand–Sanremo alle auf den slowakischen Weltmeister.

Siegerjubel wie ein Rockstar: Sagan nach seinem zweiten Etappensieg am Tirreno–Adriatico.

Siegerjubel wie ein Rockstar: Sagan nach seinem zweiten Etappensieg am Tirreno–Adriatico. Bild: Keystone

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Anekdote gefällig? Am Mittwoch raste Peter Sagan im Zeitfahren am Tirreno–Adriatico auf seinem Rad die Strandpromenade von San Benedetto del Tronto entlang. Mit gut 50 Stundenkilometern dürfte er auf der geraden Strasse unterwegs gewesen sein, aber trotz seines roten Trikots als Punkteleader nicht auffällig genug. Jedenfalls bemerkte ihn eine alte Signora nicht und entschied sich, just in dem Moment die Rennstrecke zu passieren, ihr Hündchen im Schlepptau. Würde er einen Sturz verhindern können? Oder gar die Dame mitreissen? Doch Sagan sah eine Lücke im Randstein, traf diese ungebremst und trotz hohem Tempo, vorüber war der Schreckmoment. Danach sagte er: «Es war mein Fehler, die Frau überquerte die Strasse ja auf dem Fussgängerstreifen.» Und hatte die Lacher wieder einmal auf seiner Seite.

So ist das beim Slowaken. Dass er stets im Mittelpunkt steht, liegt einerseits daran, dass er ein hervorragender Radfahrer ist. Aber auch, weil beim 27-Jährigen immer etwas passiert. Er für einen Spruch gut ist, eine Aktion, irgendetwas. Kurz: Er ist die Persönlichkeit des Radsports. Er setzt Trends. Unter den Nachwuchsfahrern sind plötzlich wieder lange Haare auszumachen, eben wie bei Sagan, der seine schulterlang trägt. Den Vollbart dagegen hat er den Junioren noch voraus. Wobei er den für Mailand–Sanremo gestutzt hat. Er trägt nun Schnauzer und Kinnbart. Bleibt sein selbstbewusstes Auftreten auf dem Podest: Einst war er für einen Kniff in den Hintern einer Ehrendame kritisiert worden. Heute inszeniert er sich lieber selber. Etwa mit einem Siegerjubel wie ein Rockstar.

Favoritenstatus? Er kennt nichts anderes

Diese Woche wurde er gefragt: «Peter, wie werden Sie Mailand–Sanremo in Angriff nehmen?» – «Wohl mit dem Fahrrad», antwortete er. Und als Favorit, muss man anmerken, wobei dieser Nachsatz eigentlich obsolet ist, zumindest laut Sagan: «Ich spüre keinen Druck mehr. Ich bin praktisch in jedem Rennen, zu dem ich antrete, Favorit. Ich habe mich daran gewöhnt.»

Mit ihm ist auch das grosse Trara, das um das Regenbogentrikot des Weltmeisters üblicherweise gemacht wird, etwas kleiner geworden. Normalerweise ist der Weltmeister der Mann, dem es eben wegen des Trikots besonders schwer fällt, Rennen zu gewinnen. Nicht für Sagan. Vorige Saison, in seinem ersten Jahr als Weltmeister, gewann er die Flandernrundfahrt. Im Finale fuhr er allen davon, als Letzter musste auch Fabian Cancellara kapitulieren. Es war der lang erwartete Triumph in einem der Radsportmonumente, der fünf ältesten und wichtigsten Eintagesrennen im Kalender.

Sein Schlenker auf der Via Roma: Wer schafft das sonst noch?

Eigentlich wäre die Siegpremiere eher in Sanremo erwartet worden, «La Classicissima» scheint noch etwas besser auf den Slowaken zugeschnitten, der als Sprinter schon mit 20 eine Etappe an der Tour de Romandie für sich entschied.

Sagan war in den vergangenen Jahren auch immer da, Zeuge in der ersten Reihe quasi, wenn der Coup auf der Via Roma wieder einem Konkurrenten gelang. Auch vergangenes Jahr, als er alles richtig gemacht hatte, dann auf der Zielgeraden aber, statt zu sprinten, akrobatisch dem vor ihm stürzenden Fernando Gaviria ausweichen musste. Auch das war so ein Sagan-Moment: Kaum ein anderer Fahrer hätte es in der Situation geschafft, aufrecht zu bleiben. Sagan schon.

Achten Sie auf Sagan (schwarzer Helm) ganz rechts am Bildrand.

Gaviria ist auch jetzt der Mann, über den sich Sagan Sorgen machen muss. Wenn er das überhaupt je macht. Denn: «Zu viel über den Radsport nachzudenken, ist eines meiner kleinsten Probleme.» Sagan fährt Rennen, weil er gerne Rad fährt. Sagan agiert instinktiv, wie es ihm im Moment danach ist. Mal greift er früh an, mal kooperiert er mit anderen, mal wartet er auf den Sprint. Das macht ihn auch für die Konkurrenz unberechenbar.

Und doch bleibt da Gaviria. Der Kolumbianer ist zwar erst 22 und in seiner zweiten Profisaison. Aber in der kurzen Zeit hat er schon oft für Staunen gesorgt. Ohne seinen Sturz wäre ein Sieg bei seinem Sanremo-Debüt 2016 sehr wohl möglich gewesen. Nun ist er ein Jahr älter und reist mit einem Erfolg im Duell mit Sagan an. Am Montag war das, es machte den Anschein, als ob Sagan seine dritte Etappe am Tirreno gewinnen würde, doch Gaviria hielt dagegen. «Er war schlicht der Stärkste», gab Sagan unumwunden zu. Später, auf Sanremo angesprochen, sagte er noch: «Es kann so viel passieren. Und oft gewinnt nicht der Favorit.» Er dachte dabei wohl eher an Gaviria als an sich selber.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.03.2017, 09:54 Uhr

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