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Bencic und das laute Klopfen

Eine Analyse von René Stauffer. Aktualisiert am 24.01.2016 2 Kommentare

Um die 18-Jährige zu stoppen, brauchte Maria Scharapowa eine optimale Leistung. Und die Russin ist überzeugt: Bencic wird einmal ihren Platz einnehmen.

1/6 Belinda Bencic führte im ersten Satz zweimal mit einem Break (3:2 und 4:3).
Bild: AP Photo/Aaron Favila/Keystone

   

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«Das ist eine jener Spielerinnen, die einmal unseren Platz einnehmen werden», erklärte Maria Scharapowa den Zuschauern am Australian Open, ehe sie schelmisch anfügte: «Allerdings noch nicht jetzt.» Wer gesehen hatte, wie hart sie beim 7:5, 7:5 von Belinda Bencic bedrängt worden war, der wusste, dass das Kompliment ernst gemeint war. Denn obwohl die fünf­fache Grand-Slam-Siegerin bei für sie optimalen Bedingungen – das Dach war regenbedingt geschlossen – gross aufspielte und 58 Winner schlug, musste sie 2:05 Stunden lang kämpfen und benötigte auch etwas Wettkampfglück.

Die im März 19-jährige Bencic demonstrierte einmal mehr auf einer der weltgrössten Bühnen, wie weit sie schon gekommen ist. Allerdings wurde ihr auch aufgezeigt, woran sie vor allem noch arbeiten muss: Einerseits weiter am Aufschlag, den sie bereits verbessert hat, aber auch am Return und an der Laufarbeit. Die Returns der Russin flogen ihr, salopp ausgedrückt, um die Ohren, selbst nach ersten Aufschlägen.

Im Return Verbesserungspotenzial

Bezeichnenderweise brachte ein solcher Returnwinner auch das einzige Break des zweiten Satzes und gleichzeitig sein Ende. Wobei der Linienrichter diesen Ball im Out gesehen hatte, der Videobeweis aber zeigte, dass er auf der Linie gelandet war. Doch die Schiedsrichterin wollte den Punkt nicht wiederholen lassen.

Dass Bencics Return noch Verbesserungspotenzial aufweist, hatte sich schon letztes Jahr gezeigt. Gegen Sabine Lisicki etwa hatte sie in Birmingham 27 Asse hinnehmen müssen, ein Saisonrekord auf der WTA-Tour. Scharapowa musste sie nun 21 Asse zugestehen, Rekord für die Russin. Und diese nahm volles Risiko, brachte ihre ersten Bälle mit 171 km/h im Schnitt ins Feld – ein Wert, der im Bereich von Serena Williams liegt, auf die sie in der Reprise des letztjährigen Finals nun trifft. Drei dieser Asse glückten ihr bei den einzigen drei Breakbällen, zu denen Bencic im zweiten Satz kam (zum 1:0, 2:1 und 3:2). In diesem war die Herausforderin zu Beginn stärker.

«Dann halt nächstes Mal»

Tatsächlich war die erste Schweizer Achtelfinalistin in Melbourne Martina Hingis und Patty Schnyder 2007 der Weltnummer 5 überlegen, wenn der Ball einmal im Spiel war. Sie durfte das Turnier erhobenen Hauptes verlassen, was sie auch tat. Sie nehme das Positive mit, sagte Bencic: «Sie schlug unglaublich gut auf, trotzdem war ich nahe dran. Ich habe hier die Erwartungen erfüllt.» Kämpferisch und optimistisch fügte sie an: «Dann halt nächstes Mal…»

Gut zu sehen war auch, dass Bencic ihre Emotionen relativ gut zu kontrollieren vermochte. Obwohl sich einiges Frustrationspotential aufstaute, rutschte ihr der Schläger nur zwei, dreimal aus der Hand. «Ich habe nun gegen alle Top-10-Spielerinnen gespielt und komme ihnen näher und näher», sagte sie. Und sie werde hart arbeiten, um sich «da und dort» noch ein wenig zu verbessern. Viel mehr braucht es wohl gar nicht mehr.

Kompliment um Kompliment

Der Saisonstart ist ihr geglückt - trotz der Niederlage gegen die unbekannte, aber stark spielende Samantha Crawford (USA) in Brisbane, einer Magenverstimmung in Sydney und nun diesem Achtelfinal. Schon sieben Siege stehen auf ihrem Konto – sieben mehr als zur gleichen Zeit vor zwölf Monaten. Und Bencic darf noch verlieren – umso mehr, wenn sie dabei so gut spielt. Wichtiger ist ohnehin, dass sie jene Gegnerinnen schlägt, die sie schlagen muss, und das hat sie in Melbourne getan. Denn nur so kann sie sich weitere Chancen erarbeiten, die Besten zu fordern. Ihre Bilanz gegen diese ist positiv (10:7 gegen die Top 10), und im vergangenen Jahr gewann sie alle fünf Vergleiche mit Top-5-Gegnerinnen.

Scharapowa, die nicht zuletzt von ihrer Routine profitierte, machte ihr auch später Komplimente. «Sie ist keine die hochkommt – sie ist nämlich schon da», bemerkte die Russin. Und vertrat die Meinung, dass die oft gehörte Aussage, Bencic sei eine neue Martina Hingis, falsch sei. «Technisch gibt es zwar ähnliche Aspekte, aber sie spielt anders. Sie nimmt den Ball früh und hat einige beliebte Spielzüge, die ich zuerst erkennen musste.» Sie sei überzeugt, dass es noch zu vielen weiteren Duellen zwischen ihnen kommen werde.

Top 10 – nur eine Frage der Zeit

Das Ziel, die Top 10 zu erreichen, hat Bencic allerdings erneut verpasst. Im für sie besten Fall verbessert sie sich auf Rang 11, was ein neues Karriere­hoch wäre. Sie klopft aber immer lauter an die Tür. Und da sie bis nach dem French Open nur 12 Prozent ihres Punktetotals zu verteidigen hat, würde es sehr überraschen, wenn sie nicht spätestens im Juni in diesen Kreis vorgestossen wäre.

Etwas bitter war nur, dass sich unmittelbar nach Spielende das Dach über der Laver-Arena öffnete – und einem strahlend blauen Himmel Platz machte. Bei Outdoor-Bedingungen, mit Wind, Licht und Schatten, wäre ­Belinda Bencic von Scharapowa wohl nicht so abserviert worden.

Erstellt: 24.01.2016, 15:54 Uhr

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2 Kommentare

Bruno Froehlich

24.01.2016, 18:39 Uhr
Melden 12 Empfehlung 0

Aber hallo, Bencic abserviert ? Subjektive Meinung, Herr Stauffer, auch die Zahlen sprechen etwas anderes. Punkt wiederholen, ob es im Tie Break gereicht haette ? der 3. Satz waere sehr interessant geworden, obwohl auch in diesem Schiedsrichterin nicht den Mut gehabt haette zu Verwarnunge wegen Zeitschinderei die ein Aergernis war. Gut, Belinda haette auch Ermahnung verdient fuer Schlaegerwuerfe. Antworten


Ike Conix

24.01.2016, 21:04 Uhr
Melden 5 Empfehlung 1

Ich habe den "Matchball" live erlebt. Und war äusserst beeindruckt von Belinda Bencic. Ohne sichtbaren Protest hat sie diesen völlig falschen Entscheid würdevoll geschluckt. Damit hat sie sich auch für die Zukunft definitiv angemeldet. Nur wer auch in Würde verlieren kann, selbst unter solchen Bedingungen, ist ein wahrer Champion. Ich selber wäre ob soviel Ungerechtigkeit ausgeflippt. Hut ab vor dir, Belinda! Antworten



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