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Blonder Dampfhammer made in Germany

Anfang Jahr war Sabine Lisicki nach verletzungsbedingten Rückschlägen nur noch die Nummer 179 der Tenniswelt. In Wimbledon lehrt sie die Favoritinnen auf Basis der Doktorarbeit ihres Vaters wieder das Fürchten.

1/7 «Fräulein Bum-Bum»: Sabine Lisickis Service erreicht rund 200 km/h.
Bild: Reuters

   

Wimbledon-Resultate

Frauen. Achtelfinals: Cibulkova (Slk/24) s. Wozniacki (Dä/1) 1:6, 7:6, 7:5. Asarenka (WRuss/4) s. Petrowa (Russ) 6:2, 6:2. Scharapowa (Russ/5) s. Peng (China/20) 6:4, 6:2. Bartoli (Fr/9) s. S. Williams (USA/7) 6:3, 7:6. Pironkova (Bul/32) s. V. Williams (USA/23) 6:2, 6:3. Lisicki (De) s. Cetkovska (Tsch) 7:6, 6:1. Paszek (Ö) s. Perwak (Russ) 6:2, 2:6, 6:3. - Viertelfinal-Tableau: Cibulkova (24) - Scharapowa (5), Lisicki - Bartoli (9); Paszek - Asarenka (4), Kvitova (8) - Pironkova (32).

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Boris Becker ist nicht dafür bekannt, dass ihn das Damen-Tennis besonders fasziniert. Von seiner 21-jährigen Landsfrau Sabine Lisicki spricht der dreifache Wimbledonsieger aber voller Respekt. «Das Mädchen hat Format. Sie spielt das stärkste Tennis in den kritischen Momenten», sagte er der «Welt». Beckers Hochachtung kommt nicht von ungefähr: Wie einst er selbst, ist Lisicki eine Rasenspezialistin und verfügt über einen ausgezeichneten Service, bei dem sie die Bälle mit rund 200 km/h über das Netz befördert. Die englische Presse verlieh ihr deshalb den Spitznamen «Dampfhammer», in Deutschland heisst die 1,78 m grosse Blondine in Anlehnung an Becker «Fräulein Bum-Bum».

Den Aufschlag hat Sabine Lisicki wie ihr gesamtes Tennis auf Basis der Doktorarbeit ihres Vaters Richard entwickelt. Dessen Dissertation trägt den Titel «Trainingsmethoden für die Entwicklung der Schlaggeschwindigkeit unter Beibehaltung der Schlagpräzision». Als Sabine ein Kind war, musste sie auf dem Squashcourt stundenlang Bälle gegen die Wand schlagen, während der Papa auf einem Hallenplatz Tennisunterricht gab. Tennis sei ein biomechanisches Problem, das sich mittels wissenschaftlicher Formeln lösen lasse, sagt Richard Lisicki. Und so gewöhnungsbedürftig das klingt, der Erfolg gibt ihm Recht.

Die Freude am Vergleich mit Steffi Graf

Gewinnt Sabine Lisicki heute Nachmittag gegen Serena Williams' Bezwingerin Marion Bartoli, steht sie als erste Deutsche seit Steffi Graf vor zwölf Jahren in den Halbfinals der All England Championships. Die riesige Erwartungshaltung in der Heimat stört die Berlinerin mit polnischen Wurzeln dabei ebenso wenig wie der Vergleich mit der 22-fachen Major-Siegerin Graf: «Ich habe damit keine Probleme, das ehrt mich sogar.»

Neben den kraftvollen Schlägen zeichnet Lisicki eine gesunde Respektlosigkeit aus. «Es war mir schon immer egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht, ich schaue nur auf mich», betont sie immer wieder. Und bereits am Australian Open 2008, als sie mit der Qualifikation für die dritte Runde erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier auf sich aufmerksam machte, verkündete sie: «Ich will die Nummer 1 werden.»

Eine Rasenallergie – ausgerechnet

Frei von Zweifeln und Rückschlägen ist ihre Karriere aber längst nicht. Nachdem sie Anfang 2009 schon auf dem Weg in die Top 10 schien, hatte sie in den folgenden zwei Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Mal an der Schulter, mal an den Bändern. Ironischerweise stellten die Ärzte bei ihr nebenbei eine Rasenallergie fest und diagnostizierten eine Glutenunverträglichkeit. Mit dem Sieg beim Vorbereitungsturnier in Birmingham liess Lisicki die Probleme, die am French Open in einem Zusammenbruch gegipfelt hatten, aber hinter sich. Inzwischen habe sich ihr Körper auch an die glutenfreie Ernährung gewöhnt. Diese Diät half übrigens auch Novak Djokovic, der Nummer 2 des ATP-Rankings, zu ungeahnter Stärke zu finden.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.06.2011, 11:32 Uhr

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