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Das Jammern der grossen Nationen
Von René Stauffer, Paris. Aktualisiert am 01.06.2010
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Falls Andy Murray bei seiner Rückkehr nach Grossbritannien gestern Zeitungen las oder in Tennisforen stöberte, dürfte er wenig erfreut gewesen sein. «Flop Murray», schrieb die «Sun» zu seinem Scheitern am späten Sonntag gegen Tomas Berdych, und die «Times» sprach von einer «miserablen Vorstellung eines Spielers, der längst ein Grand-Slam-Turnier gewonnen haben sollte». Murray wäre es wohl egal, wenn man das French Open auf die dunkle Seite des Mondes schiessen würde, spekulierte das Weltblatt.
Doch die Briten konnten sich trösten: Während ihre Hoffnungen allein auf Murray geruht hatten, mussten die französischen Gastgeber gleich serienweise Enttäuschungen hinnehmen. Schon am achten Tag verabschiedete sich mit dem an der Hüfte verletzten Jo-Wilfried Tsonga der letzte der 19 Franzosen. Seine 12 Kollegen waren da alle auch ausgeschieden. «Ein katastrophales Turnier» sei es für die Franzosen gewesen, fand die Sportzeitung «L’Equipe». Aber auch die anderen zwei Grand-Slam-Nationen, die USA und Australien, sind bei den Männern nicht mehr vertreten. Dass Robby Ginepri als letzter Amerikaner gestern gegen Novak Djokovic ausschied, überraschte angesichts der schwachen Bilanz der US-Spieler auf europäischem Sand niemanden wirklich.
Melzer – im 32. Anlauf
Zum Überraschungsgast der Viertelfinals avancierte Jürgen Melzer, der den Höhenflug des russischen Qualifikanten Teimuraz Gabaschwili in drei Stunden und vier Sätzen beendete. Er ist der erste Österreicher in einem Grand-Slam-Viertelfinal seit acht Jahren (Stefan Koubek in Melbourne), der erste in Paris seit 1998 (Thomas Muster). Der frühere Paris-Sieger und Weltranglistenerste Muster sei einst sein Vorbild gewesen, sagte Melzer, «aber vom Spiel her sind wir wie Tag und Nacht».
Der 29-jährige Wiener hatte an 31 Grand-Slam-Turnieren vergeblich versucht, die Achtelfinals zu erreichen, nun hat er gleich zwei Schritte vorwärts gemacht. «Genug gut war ich schon, aber zu wenig konstant», sagte der Linkshänder. Anteil an seinem Wandel habe sein Coach: der Schwede Joakim Nyström, ein früherer Basel- und Gstaad-Sieger, mit dem er seit Ende 2007 arbeitet. «Ich traue mir zu, auch Novak Djokovic zu schlagen», so der Bezwinger von David Ferrer in Runde 3. Und Melzer, der mit der Schwimmerin Mirna Jukic liiert ist, die in Peking Bronze über 100 m Brust gewann, bemerkte: «Endlich ist Tennis in Österreich wieder einmal ein Thema.»
Murray vor schweren Wochen
In Grossbritannien ist es das schon lange – und wird es während Wimbledon, das in drei Wochen beginnt, noch mehr sein. Dabei ist Andy Murray nicht zu beneiden. Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim Schotten immer mehr auseinander. Seit seiner Finalniederlage in Melbourne gegen Federer hat er nicht einmal mehr einen Halbfinal erreicht und ist von Rang 2 auf 4 gerutscht. Sein Konto, das im vergangenen Herbst fast 10 000 Punkte aufwies, ist auf gut die Hälfte geschrumpft. Und an den kommenden Rasenturnieren werden die Erwartungen in ihn riesig sein. 2009 gewann Murray das Turnier im Queens’ Club und stand in Wimbledon in den Halbfinals. Dabei wird die Bürde, noch immer keinen Grand-Slam-Titel gewonnen zu haben, noch schwerer auf ihm lasten als vor einem Jahr. Gegen Berdych war er je länger, umso frustrierter geworden. Er kritisierte danach den nassen und feuchten Court. «Die Bälle saugten sich mit Wasser voll, worauf Sand daran kleben blieb.» Und weil er schon am Klagen war, fügte er an, dass es am Ende zu dunkel zum Spielen gewesen sei. «Nicht jeder sieht den Ball gleich gut.» Für Murray ist die Hoffnung grün: «Auf den Rasenplätzen spiele ich hoffentlich wieder gut.» Die Briten wären ihm dankbar. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.06.2010, 08:37 Uhr









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