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Der Ritterschlag für Wawrinka
Von René Stauffer. Aktualisiert am 06.09.2010 2 Kommentare
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Fred Mullane, der am US Open für die Koordination der Fotografen zuständig ist, grinste, kaum war der Match am Sonntagabend vorbei: «Nun wird es wieder einige verfügbare Fotografenplätze auf den Courts geben.» Der Grand-Slam-Routinier wusste, was das Aus Andy Murrays gegen Stanislas Wawrinka für das Turnier bedeutet: Die Horden der britischen Medienvertreter, die sich im Soge von Murrays Hochform und Status als Mitfavorit nach Flushing Meadows bewegt hatten, würden so schnell verschwinden, wie sie gekommen waren.
Sie konnten einem Leid tun. Altgediente britische Tennisjournalisten, deren Hoffnung berechtigt scheint, doch noch einen eigenen Grand-Slam-Champion feiern zu dürfen, liefen, einmal mehr um ihre Hoffnungen betrogen, geknickt durch das Medienzentrum, tippten mit finsterer Miene auf ihre Laptops. Murray musste derweil wieder einmal tausendfach gehörte Fragen beantworten – was ihm denn noch fehle, um endlich einen Majortitel zu erringen. Schlau, wie er ist, kam er so rasch zur Pressekonferenz, dass die meisten seiner Landsmänner ihre Texte noch gar nicht beendet hatte und sie verpassten.
Den meisten Nichtbriten schien die erste grosse Turnierüberraschung dagegen eher gelegen zu kommen. Auch einige deutsche und österreichischen Kollegen hatten ein Lächeln auf den Stockzähnen – tut Murray doch so wenig, um Sympathien zu erwecken oder nett zu sein. Man mochte Wawrinka den Erfolg gönnen – weil ja jeder wusste, wie oft er schon nahe an einem derartigen Exploit geschnuppert hatte, um ihn dann doch noch zu verpassen. Und weil es eine gute Story abwarf.
Dass der Mann vom Genfersee so aggressiv, effizient und positiv auftrat, überraschte alle, auch die amerikanischen TV-Reporter und -Experten, die die Partie live kommentierten, auf CBS und dem Tennischannel. Jim Courier sprach von einer «epischen Schlacht», und Jimmy Connors staunte über Wawrinkas Aufschlag («so gut war der noch nie»), während er Murray vorwarf, zu passiv zu sein und zu oft nur auf Fehler zu warten. Als Wawrinka seinen besten Ball schlug - einen blind geschlagenen Rückhandpassierball, den er in letzter Not noch erlaufen hatte -, stellte ihn Connors sogar über seinen berühmten Landsmann: «Roger who?» fragte er – wer ist denn da schon Federer?
Am prägnantesten war, wieder einmal, John McEnroe. «Wawrinka sieht aus wie ein anderer Kerl», sagte er – und das war wie ein Ritterschlag für den Romand, der doch, wie festgehalten wurde, eigentlich ein zurückhaltender, fast scheuer Spieler sei. Und jetzt scheute er sich auch nicht davor, seine besten Punkte mit geballter Faust und lauten Schreien zu feiern.
Später fand McEnroe: «Murray ist frustiert, weil er merkt, dass Wawrinka besser aussieht und stärker wirkt als er. Wawrinka hat sich ihm in den Kopf eingenistet, Murray ist von seiner Stärke eingeschüchtert.»
Auch vielen Amerikanern kam das Resultat gelegen. «Diese Ausgangslage ist doch viel besser für Sam Querrey», fand ein Reporter, voller Vorfreude auf den bevorstehenden Achtelfinal zwischen dem Lausanner und dem Amerikaner. Wawrinka dürfte darüber nur lächeln. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2010, 13:59 Uhr
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2 Kommentare
Und genau solche Kommentare sind es doch auch, die einem Spieler noch mehr Motivation verleiten können. Stan hat sich nicht nur in Murrays Kopf eingenistet, jetzt auch für einmal sehr positiv in deren der Kommentatoren und Journalisten. Und das zusammen kann wieder eine Motivation bringen noch mehr auf Angriff zu spielen und die Gegner niederzuringen. Antworten









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Susanne Lüscher
Bin ja ein absoluter Federer-Fan. Bei diesem Spiel von Stan verschlug es mir echt die Sprache, da kann man nur gratulieren. Würde ihm auch den Sieg gönnen! Antworten