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Die Tenniscourts als Catwalk
Von René Stauffer. Aktualisiert am 03.09.2010 2 Kommentare
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Tennis galt einst als der «Weisse Sport». Vergessen Sie es! Wer heute in dieser Branche ausserhalb Wimbledons noch Weiss trägt, hat irgendwo eine Entwicklung verpasst oder ist derartig modeignorant, dass er/sie es nicht besser verdient. Das US Open ist in dieser Hinsicht das extremste Turnier. Wer hier auffallen will, muss noch mehr geben als sonst und Grenzen überschreiten, was natürlich mit der Stadt zusammenhängt, in der gespielt wird. New York ist schrill, laut, tolerant, crazy. Boris Becker formulierte in den 80er-Jahren einst den treffenden Satz: «Hier könnte ein Zuschauer auf der Tribüne Saxophon spielen, und niemand würde sich darum kümmern.»
Spielerinnen und Spielern fällt es naturgemäss einfacher als Fans, Aufmerksamkeit zu erregen. Sie nützen die Bühne, die ihnen das US Open bietet, denn auch intensiv dazu, nicht nur ihr Tenniskönnen zu demonstrieren. Die ausgeflippten Eigenkreationen, mit denen die Williams-Schwestern seit Jahren anzutreten pflegen und die bis zu fleischfarbenen Unterhosen reichen, sind inzwischen nicht mehr nur die Ausnahme, sondern nur die Spitze eines weitverbreiteten Trends.
Alle, die etwas auf sich halten, haben für das US Open ein neues Outfit bereit, im Falle Roger Federers sind es dieses Jahr ein nachtblaues Shirt für Abend- und ein hellblaues für Tagesvorstellungen. Das rosafarbene Leibchen, das er eben noch trug, war gerade mal für zwei Turniere gut.
Auch die Dänin Caroline Wozniacki, die erstmals an einem Grand-Slam-Turnier als Nummer 1 antreten darf, scheut sich nicht davor, auch optisch zu reden zu geben. Sie wirkt, als ob sie aus dem Farbtopf eines Malers gefallen wäre, und selbst ihre Fingernägel erstrahlen in einem knalligen Papagei-Gelb oder -Grün, so genau vermag das keiner zu sagen.
Inzwischen scheinen die modemässigen Exzesse allerdings selbst von den New Yorkern als solche erkannt zu werden. «Ist das Tennis zu weit gegangen?», fragte die Boulevardzeitung «New York Post», und ein Kolumnist des «Wall Street Journal» wünschte all die Neonfarben, die heute die Outfits dominieren, angefangen bei Rafael Nadal, ins Pfefferland.
Maria Scharapowa allerdings führte ein schlaues Argument zur Verteidigung ihrer Gilde ins Feld: «Tennis ist eben kein Teamsport. Wir haben alle die Möglichkeit, unseren Stil und unsere Individualität auszudrücken, und darum geht es ja in der Mode auch», warf sie ein. Wer wollte da widersprechen? Tatsächlich dürften es die Williams-Schwestern schwer haben, eine ganze Volleyball-Mannschaft davon zu überzeugen, doch in ihren Klamotten anzutreten. Und auch eine Fussballmannschaft in Pink ist nur schwer vorstellbar. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.09.2010, 12:57 Uhr

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