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«Die junge Generation hat mich angespornt»
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Schafft Roger Federer 2010 den Grand Slam?
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Roger Federer, viele hatten das Gefühl, dass Sie den Final immer unter Kontrolle hatten. Sie auch?
Nein. Ich hatte von Beginn weg das Gefühl, dass ich den Ball gut treffe. Aber ich wusste stets, dass Andy gefährlich ist. Ich bin froh, dass ich die richtige Mischung zwischen Aggressivität und Geduld gefunden habe. Das ist der Schlüssel gegen Andy. Ich durfte nicht zu früh auf den Winner gehen, musste mich auf lange Ballwechsel einlassen und erst dann riskieren, wenn die Beine müde sind. Andy begeht kaum Fehler und kontert ausgezeichnet. Da musst du einen klaren Kopf behalten, an deine Taktik und dein Spiel glauben.
Sie betrieben vor dem Final psychologische Kriegsführung. Ist es eine Genugtuung, dass die aufging?
Das Ganze wurde übertrieben. Die Interviews auf dem Court nehme ich ohnehin nicht ernst. Es war nicht meine Absicht, Andy zu verunsichern. Aber wenn mir eine Frage gestellt wird, antworte ich. Ich stehe zur Aussage, dass es nicht einfach ist, sein erstes Grand Slam zu gewinnen. Aber Andy hat im Final ja wirklich gut gespielt. Er war mein stärkster Gegner. Mir gelang einfach ein überragender Match.
Wie schaffen Sie es, Jahr für Jahr auf diesem hohen Niveau weiterzuspielen?
Es gibt kein Geheimnis. Ich wusste immer, dass ich das Talent habe, ein grosser Spieler zu werden. Die Frage war, ob ich den Kopf und die Beine habe. Daran musste ich hart arbeiten. Und die junge Generation, die nachdrückt, hat mich weiter angespornt. Im Vergleich zur Zeit, als ich auf die Tour kam, hat sich das Tennis extrem verändert. Damals war es ein Bluff. Viele servierten stark, aber sie hatten einen Schwachpunkt. Heute ist das nicht mehr so. Die Topspieler wie Murray sind viel kompletter. Um Schritt zu halten, habe ich mich weiterentwickelt.
Machen Sie sich Gedanken über das Erbe, das Sie hinterlassen?
Nein. Dazu werde ich noch genug Zeit haben, wenn ich mein Racket an den Nagel gehängt habe. Dann sollen die Leute darüber diskutieren, was ich erreicht habe. Und was nicht. Ich versuche einfach, dem Tennis etwas zurückzugeben, den Sport weiterzubringen. Ich bin den Legenden, welche die Basis für die Bühne gelegt haben, auf der wir heute spielen, sehr dankbar. Wir hatten diesmal am Australian Open wieder einen neuen Zuschauerrekord. Mich macht es stolz, dazu beizutragen.
Sie erwähnten mehrmals, dass dies Ihr erster Grand-Slam-Titel als Vater ist. Haben Sie jemals daran gezweifelt, dass Vater Federer weitere Majors gewinnen würde?
Nicht wirklich. Es wurde ja mehr von anderen zum Thema gemacht, gesagt, dass dies besonders schwierig sei. Offenbar ist es das nicht. (lacht) Mein erster Turniersieg als Vater, in Cincinnati, war für mich aber schon etwas Spezielles. Die Mädchen waren damals ja erst zwei, drei Wochen alt. Da war noch alles frisch. Hier stand der Fakt, dass ich nun Vater bin, für mich nicht mehr so im Vordergrund.
Können Sie nachvollziehen, wieso Murray bei der Siegerehrung geweint hat?
Natürlich. Das ist mir ja schon mehrmals passiert. Nach dem US-Open-Final (2008) fühlte es sich für ihn wohl anders an, weil alles so schnell gegangen war. Und in New York ist es auch immer so laut. Da hat man gar keine Gelegenheit, in sich zu gehen. Hier in Australien und in Wimbledon ist das anders. Da geht es ganz ruhig und würdevoll zu. Es baut sich etwas auf, bis die Trophäen übergeben werden. Ich glaube, Andy ging es ziemlich gut, bis er mir sagte: Es wird wohl Tränen geben. Ich antwortete: Mach dir keine Sorgen, das ist okay. Ich finde es schön zu sehen, wenn anderen Spielern das Tennis so sehr am Herzen liegt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.02.2010, 08:07 Uhr

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