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Eine neue Ära für die Swiss Indoors
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Roger Brennwald ist zufrieden, wenn er auf die Entwicklung seines Turniers angesprochen wird. Selbstverständlich ist das nach den vergangenen Monaten nicht. «Natürlich will man immer schon einen Schritt weiter sein. Aber ich weiss, dass einem im Tennis-Business nichts geschenkt wird», sagt der Gründer und Präsident der Swiss Indoors ein halbes Jahr nach der letzten Ausgabe mit Titelsponsor Davidoff und vor dem ersten Turnier einer neuen Sponsoring-Ära.
Lange 17 Jahre prägte die Oettinger-Davidoff Group das Basler Tennis-Event nachhaltig, sie soll sich zuletzt mit über fünf Millionen Franken pro Jahr engagiert haben. Auf Druck der Anti-Tabak-Lobby und der ATP endete die goldene Partnerschaft mit dem vergangenen Turnier abrupt – der Vertrag wäre ursprünglich erst in diesem Jahr ausgelaufen.
Neues Konzept ohne Titelsponsor
Den Verlust des mit Abstand grosszügigsten Sponsors zu verdauen, ist schwierig – aber offenbar möglich, wie es die Swiss Indoors und ihr Turnierpräsident vormachen: Aus dem Bauch heraus hat sich Brennwald im vergangenen Herbst für ein anderes Konzept und gegen einen neuen Titelsponsor entschieden. Da es ohnehin kaum möglich gewesen wäre, einen Partner zu finden, der sich ähnlich stark engagiert wie Davidoff, sieht Brennwald darin einen Vorteil: «Wir sind neutral. Ein Titelsponsor kann andere potenzielle Geldgeber zögern lassen.» Dass etwa die Pharma-Industrie, die im Gesundheitswesen tätig ist, sich mit einem Tabak-Konzern im Turniernamen schwer getan hat, ist nachvollziehbar. So wie ein Autokonzern wahrscheinlich ein Problem damit hätte, wenn die SBB im Titel stünden.
«Premium Top Ten» nennt sich nun die grösste Sponsoring-Kategorie, in der sich bis zu zehn Unternehmen engagieren und neu ein individuelles Gesamtpaket zusammenstellen können. Einzige Bedingung: Sie müssen optische Präsenz am Centre Court erwerben, die natürlich ihren Preis hat. Die zweithöchste Kategorie nennt sich «National Top Ten», gemeinsam mit den kleineren Geldgebern soll bis 2012 jene Lücke vollständig geschlossen werden, die durch den Rückzug von Davidoff entstanden ist. «Man muss mir diese Zeit geben, neue Partnerschaften wachsen schliesslich nicht über Nacht», sagt Brennwald – im Wissen darum, dass das Portefeuille seines Turniers bereits weit gediehen ist: Sieben Premium-Sponsoren hat er bereits gefunden, in der Kategorie «National Top Ten» ist die Zahl gleich hoch.
Straffung, ohne die Ticketpreise anzutasten
Unter dem Strich bedeutet dies, dass die Swiss Indoors 2011 zwar mit einem Budget operieren, das gemessen am Vorjahr um eine Million kleiner ist – das jedoch bei 19 statt 20 Millionen Franken kaum ins Gewicht fällt. «Alle Bereiche werden ein bisschen gestrafft – so dass man kaum etwas spürt», sagt Brennwald und betont, dass eines stets klar war: «Die Ticketpreise tasten wir nicht an.» Zwar darf der Umstand, dass die Swiss Indoors nur zwei Top-Ten-Spieler präsentieren, die unter Vertrag genommen wurden, auch als Beitrag an das Budget interpretiert werden. Doch auch das Sponsoring-Übergangsjahr wird – keine Absagen vorausgesetzt – Sport auf höchstem Niveau bieten: Dafür bürgen Roger Federer und Novak Djokovic.
Federer ist aus der Region, das Aushängeschild und der beste Spieler der Geschichte; ausserdem stehen die Sterne günstig, dass Djokovic im Herbst als bester Profi der Gegenwart an den Rhein kommt. Der Serbe wahrte am Sonntag in Rom seine Ungeschlagenheit in der laufenden Saison, er ist mit 37 Siegen in 37 Partien der Mann des bisherigen Jahres. Erreicht er nun am French Open (ab Sonntag) den Final, wird er Rafael Nadal auf dem Ranking-Thron ablösen. Selbst falls ihm dies nicht gelingen sollte, so hat er in den folgenden Monaten klar weniger Punkte zu verteidigen als der Spanier, wird ihn bei gleichbleibender Form früher oder später überholen.
Der Rest des Teilnehmerfelds ergibt sich fast von selbst, seit Basel im neuen Konstrukt der zweithöchsten ATP-Turnierkategorie (500er-Serie) angehört. Profis aus den hinteren Top-Ten-Regionen können es sich kaum leisten, in der Woche, in der in Valencia ein Event derselben Grössenordnung auf dem Programm steht, nirgends zu spielen, da es für sie meist noch um einen Platz an den lukrativen ATP World Tour Finals in London geht. Für alle anderen sind Punkte und Preisgeld Anreiz genug. Zumal die Gesamtsumme auf Betreiben der ATP nochmals um fünf Prozent angehoben wurde: Neu werden in Basel 1,835 Millionen Euro verteilt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 17.05.2011, 15:52 Uhr
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