«Hoffentlich bin ich irgendwann in Rogers Position»

Novak Djokovic dominiert die Tour und kämpft trotzdem um Fanliebe. Die möglichen Gründe.

Eckt an: Novak Djokovic mit seinen Gesten.

Eckt an: Novak Djokovic mit seinen Gesten. Bild: Keystone

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Rückblende: Der sichtlich niedergeschlagene Roger Federer nimmt an den US Open Mitte September 2015 nach dem 4:6, 7:5, 4:6, 4:6 gegen Novak Djokovic unter tosendem Applaus des Publikums die Trophäe des Zweitplatzierten entgegen. Kurz danach, als der grosse Gewinner des Turniers gekürt wird, ist nicht mehr zu hören als anerkennender Beifall.

Die sehr einseitige Sympathiebekundung in New York ist sinnbildlich für die Karriere Djokovics, der aktuell der überragende Dominator auf der Tour ist. Auch jüngst nach dem geradezu beängstigend souveränen Triumph an den Australian Open blieben die grossen Jubelstürme in der Arena weitgehend aus. Dabei agiert er weder unfair, wie zu dessen Aktivzeit Michael Schumacher (Spitzname «Schummel-Schumi»), oder spaltet durch Eitelkeit à la Cristiano Ronaldo die Massen. Zudem sorgte der Serbe früh in seiner Karriere für Lacher, indem er Tennisstars geradezu brillant parodierte.

Djokovic imitiert Federer, Scharapowa, Nadal und Roddick. Video: Youtube.

Doch er leistete sich auch schon Ausbrüche gegenüber den Zuschauern. So jubelte er gerne mal exzessiv gegenüber den Rängen, wenn er sich nicht ausreichend unterstützt fühlte. Und in Madrid 2013, als Gegner Grigor Dimitrow von den Fans frenetisch angepeitscht wurde, rief er deutlich hörbar einen obszönen Vorschlag, was die Leute mit seinem besten Stück anstellen sollten. Seine Verbissenheit, mit ein Grund für sein nahezu perfektes Spiel, eckt in der traditionell makellosen Tenniswelt an.

Keine Schwächen

Eine weitere Erklärung, weshalb die ganz grosse Fanliebe ausbleibt, obwohl Djokovic sich derzeit in eigenen Sphären bewegt, könnte sein perfekter Spielstil sein. Seine grosse Stärke ist, dass er keine eigentlichen Schwächen hat – er spielt jedoch weniger kreatives und elegantes Tennis als beispielsweise Federer. Dass Djokovics Trainer Boris Becker heisst und dieser Publikumsliebling Federer mehrmals öffentlich angriff, dürfte nicht viele Sympathiepunkte eingebracht haben.

An den US Open 2015 gab sich der Serbe diplomatisch: «Diese Stimmung war zu erwarten. Ich bin hier, um mir die Unterstützung des Publikums zu verdienen, und hoffentlich bin ich in Zukunft irgendwann in Rogers Position.» Davon ist der elffache Grand-Slam-Champion aber noch ein gutes Stück entfernt. Schliesslich gewann Federer elfmal den offiziellen Sportsmanship Award und seit 2003 jedes Jahr das Fan Voting zum beliebtesten Spieler auf der Tour. Und wenn man den Liebling der Massen mittlerweile in selbstverständlicher Regelmässigkeit bezwingt, wird es noch schwieriger, in der Popularitätsskala grosse Sprünge zu machen. (fas)

(Erstellt: 01.02.2016, 13:23 Uhr)

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RNameP
1.SCOAndy Murray12410
2.SRBNovak Djokovic11780
3.CANMilos Raonic5450
4.SUIStan Wawrinka5315
5.JPNKei Nishikori4905
6.CROMarin Cilic3650
7.FRAGael Monfils3625
8.AUTDominic Thiem3415
9.ESPRafael Nadal3300
10.CZETomas Berdych3060
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Stand: 05.12.2016 07:48

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