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«Ich bin ein interessanter Spieler zum Coachen»

Von Andreas W. Schmid. Aktualisiert am 27.12.2013 12 Kommentare

Roger Federer spricht im Interview über die Zusammenarbeit mit Stefan Edberg, die Karriere von Boris Becker und Mirkas Schwangerschaft.

Wichtig ist, dass es Mirka gut geht und sie eine gute Schwangerschaft erlebt: Der Tennis-Weltstar Roger Federer.

Wichtig ist, dass es Mirka gut geht und sie eine gute Schwangerschaft erlebt: Der Tennis-Weltstar Roger Federer.
Bild: Keystone

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Drittes Kind im Hause Federer

Tennisstar Roger Federer und seiner Frau Mirka steht weiterer Nachwuchs ins Haus: Im kommenden Jahr erwarteten sie ihr drittes Kind, teilte Federer am Mittwoch über Twitter mit. «Mirka und ich sind sehr froh, die Neuigkeit mitzuteilen», dass Zwillingstöchter Charlene und Myla «2014 grosse Schwestern sein werden», fügte er hinzu. Federers Agent Tony Godsick bestätigte den Tweet. Charlene und Myla kamen im Juli 2009 zur Welt.

Federer hat mit dem Gewinn von 17 Grand-Slam-Titeln einen Weltrekord aufgestellt. Zudem hielt sich der 32-Jährige länger auf dem ersten Platz der Weltrangliste als jeder andere Tennisspieler in der Geschichte der ATP. (sda)

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Es ist acht Uhr morgens Schweizer Zeit am Stephanstag. Wie vereinbart klingelt das Handy. Am anderen Ende der Leitung: Roger Federer. «Hallo, wie gehts?», eröffnet der Tennis-­Weltstar das gut halbstündige Gespräch gleich selber – und räuspert sich dann in der Folge mehrmals. Eine Erkältung? «Ja, sie ist aber bereits wieder am Abklingen», erklärt er. Kein Grund zur Beunruhigung also.

Federer wird die neue Saison fit und gut vorbereitet, wie er glaubt, in Angriff nehmen. Heute fliegt er nach Brisbane, wo am Sonntag das Hartplatz-Turnier der ATP-Kategorie 250 beginnt. Dort ist der Baselbieter als Nummer 1 der Setzliste der klare Favorit – eine Rolle, die er in den vergangenen, eher schwierigen Monaten nicht mehr innehatte.

Roger Federer, in den letzten Wochen überraschten Sie Ihre Fans mit einigen Neuigkeiten. So auch mit der Ankündigung an Heiligabend, dass Sie im 2014 zum dritten Mal Vater werden. Wann wird es denn so weit sein?
Über Details rede ich nicht gerne, auch wenn alle danach fragen. Schliesslich handelt es sich um etwas sehr Persönliches. Wichtig ist jetzt nur, dass es Mirka gut geht und sie erneut eine gute Schwangerschaft erlebt. So wie beim letzten Mal. Damals, im 2009, stand sie in Wimbledon problemlos den dramatischen Fünfsätzer gegen Andy Roddick durch und das im achten Monat. Das war nicht selbstverständlich, finde ich. Bis jetzt geht es ihr gut. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Wenn es aber so weit ist …
… dann sind wir genügend flexibel, um darauf zu reagieren. Das ist ja das Gute am Turnierkalender der ATP, dass man rasch auf etwas reagieren kann. Wenn sich etwas Wichtiges ereignet, dann spiele ich halt weniger und dafür ein paar Wochen später wieder mehr. In diesem Jahr habe ich ja auch spontan die Turniere von Hamburg oder Gstaad in mein Programm aufgenommen. Solche kurzfristigen Änderungen sind in der neuen Saison ebenfalls jederzeit möglich.

Was glauben Sie: Wird sich für Sie als künftiger Vater von drei statt zwei Kindern viel ändern?
Ich glaube nicht unbedingt. Beantworten lässt sich diese Frage ohnehin erst sechs Monate oder vielleicht gar ein Jahr nach der Geburt. Ich erinnere mich noch genau, wie wir vor der Geburt unserer Zwillinge dachten: Das wird happig. Und dann ging es doch sehr gut. Und jetzt wird es, je älter sie werden, immer einfacher. Deshalb habe ich viel weniger Angst vor dem, was in der Zukunft auf uns zukommen kann, als damals.

Überraschend waren auch die Neuigkeiten, dass Sie während der Vorbereitung mit Stefan Edberg zusammenarbeiteten. Wie kam es dazu?
Irgendwann hatte ich den Gedanken: Wäre es nicht eine unglaubliche Sache, wenn mein ehemaliges Idol eine Woche Zeit mit mir verbringen würde? Wenn danach nichts weiter dabei herausschaut, so what! Dann haben wir wenigstens ein paar interessante Tage zusammen verbracht, über mein Tennis geredet und vielleicht den einen oder anderen Input von ihm erhalten. Edberg überlegte sich meine Anfrage sehr gut, weil er wenig Erfahrung als Coach besitzt und das etwas Neues für ihn war. Allerdings macht er das mit den vielen Erlebnissen in seiner Karriere längstens wieder wett. Umso mehr habe ich mich gefreut, als er schliesslich zusagte.

Wird er künftig fest zu Ihrem Trainerstaff gehören?
So weit ist es noch nicht. Das müssen wir noch genauer zusammen besprechen. Es ist aber schon so, dass wir uns natürlich freuen würden, wenn er in der neuen Saison sporadisch während ein paar Wochen zu uns stossen würde. Ansonsten bleibt beim Staff alles beim Alten. Severin Lüthi ist weiterhin mein Coach, es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Pierre Paganini bleibt mein Fitnesstrainer, Stéphane Vivier mein Physiotherapeut.

Wird Ihr Spiel durch den Beizug von Edberg deutlich offensiver werden?
Nein, nein. Die Leute haben da falsche Vorstellungen. Wenn du mit Thomas Muster trainierst, heisst das nicht, dass du künftig alle Bälle von drei ­Metern hinter der Grundlinie schlägst. Genauso wenig stürmst du nun ständig ans Netz und spielst volley, wenn du mit Edberg zusammengearbeitet hast. Jeder Spieler hat seine eigenen Ideen und seinen eigenen Stil, mit denen er arbeiten muss. Ich höre gerne zu und war immer froh über die Inputs meiner früheren Trainer. Umsetzen musste ich es jedoch selber. Im Übrigen habe ich ja meine Möglichkeiten nicht nur im Spiel nach vorne, sondern ebenso nach hinten. So gesehen glaube ich, bin ich ein interessanter Spieler zum Coachen.

Was beeindruckt Sie am meisten bei Edberg?
So, wie er die Volleys spielt, werde ich es nie können. Er hat sein ganzes Tennisleben vorne am Netz verbracht und sich dort seine Erfolge erspielt. Und: Ich bin Edberg in den vergangenen Jahren immer wieder begegnet und war nach einer Begegnung mit ihm nie enttäuscht. Er verhält sich immer unglaublich gut und hat eine positive Ausstrahlung und Freude am Leben. Das ist mir wichtig.

Sie hätten auch mit Boris Becker zusammen arbeiten können …
… ja, aber da war ich einen Tick zu spät (lacht). Der war bereits weg.

Ihre erste Reaktion, als Sie hörten, dass Boris Becker der Cheftrainer von Novak Djokovic wird?
Wenn Boris und ich uns sehen, halten wir immer einen Schwatz zusammen ab. Trotzdem war ich wohl genauso überrascht wie alle anderen auch. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass er zuvorderst an die Tennisfront zurückkehren würde. Und er nochmals so viel reisen und täglich auf dem Trainingsplatz stehen möchte. Auch wenn er immer noch viel für Sky und in Wimbledon für die BBC kommentiert.

Boris Becker lebt mittlerweile in England. Auch weil er sich in Deutschland unverstanden fühlt. Tatsächlich schwankten denn auch die Kommentare zu seinem neuen Job als Trainer von Djokovic zwischen bösartig und hämisch. Ich bedaure das. Denn dass er auf dem Tennisplatz Grossartiges leistete, bestreitet wohl niemand. Becker hatte eine tolle Karriere. Was daneben alles passierte, war seine Privatsache.

Andy Murray arbeitet mit Ivan Lendl zusammen, Stanislas Wawrinka mit Magnus Norman, Djokovic mit Becker, Sie holen sich Tipps von Edberg. Ist das der neue Trend im Tennis, dass man sich mit den Stars der Achtziger- und Neunzigerjahre zusammentut?
Ich kann nur für mich sprechen: Mit Stefan Edberg kann ich mich auf gleicher Augenhöhe unterhalten. Er war selber sehr erfolgreich und weiss, was es heisst, ganz oben mitzuspielen. Und ich fand es tatsächlich spannend, mich mit jemandem aus der Spielergeneration zu unterhalten, die Sie gerade genannt haben. Zuvor habe ich, von Peter Lundgren abgesehen, noch nie mit einem Spieler dieser Ge- ne­ra­tion zusammengearbeitet. Paul ­Annacone, Tony Roche oder José ­Higueras sind alle älter.

Im Sommer brachen Sie einen ersten Versuch mit einem grösseren Racket nach dem frühen Aus in Gstaad wieder ab. Nun haben Sie in der Vorbereitung erneut ein neues Schlägermodell getestet. Gehen Sie damit auch auf die Tour?
Ja, ich werde in Australien mit einem ähnlichen Modell wie bei meinem ersten Versuch spielen. Eigentlich wollte ich die Tests bereits nach dem US Open wieder aufnehmen. Doch damals hatte ich so viel mit mir selber und meinem Spiel zu tun, dass ich es bleiben liess. Nun hatte ich mehr Zeit, um noch weitere kleine Änderungen vorzunehmen und zusammen mit meiner Ausrüsterfirma Wilson an den Details zu feilen.

Sie könnten sich auch sagen: Warum soll ich etwas an meinem Racket ändern, mit dem ich so grosse Erfolge gefeiert habe?
Es ist eine Tatsache, dass der Tennis­sport sich stetig weiterentwickelt und die Schlägertechnologie sich mit ihm. Trotzdem muss man sich immer zweimal überlegen, ob man etwas an seinem Racket ändert. Denn der Schläger ist extrem wichtig. Nun aber habe ich das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel da ist. Ich habe zweieinhalb Wochen mit dem neuen Modell durchgespielt und bin zuversichtlich. Das Racket liegt mir sehr gut in der Hand. Doch die Wahrheit liegt auf dem Platz. Wir werden an den Turnieren in Australien sehen, wie es sich auswirkt.

Vor dem 2013 sprachen Sie von einem Übergangsjahr. Was kündigen Sie uns fürs 2014 an?
Nichts, denn nun muss ich erst einmal den Start abwarten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich erst ab März oder April wieder in Topform sein werde. Dann sollten die Rückstände, die ich mir im vergangenen Jahr eingehandelt habe, wieder aufgeholt sein. Ich konnte in den letzten Wochen alles genau so machen, wie ich es wollte. Das stimmt mich zuversichtlich. Das war in der vergangenen Saison anders gewesen, weil mich die Rückenschmerzen immer wieder zu Trainingspausen zwangen oder mir Zurückhaltung auferlegten. Jetzt konnte ich wieder einiges ausprobieren, auf das wir im Frühling und Sommer vorsichtshalber verzichten mussten.

Kein konkretes Ziel fürs 2014?
Ich sage einfach: Es ist vieles möglich. Am Ende der Saison ging es bereits viel besser. Dass ich das Jahr trotz der Probleme als Nummer 6 der Welt beende, ist fast unglaublich und gibt mir Mumm.

In der vergangenen Saison hätten Sie sich einige Diskussionen in der Öffentlichkeit ersparen können, wenn Sie von Anfang gesagt hätten: Ich konnte nicht besser spielen, weil ich verletzt war. So aber hiess es vielerorts: Federer verliert, weil er zu alt ist.
Ich möchte nach einer Niederlage nicht jedes Mal mit einer Entschuldigung kommen. Das hat auch mit Respekt gegenüber dem Gegner zu tun. Vielleicht hatte er ja auch seine Probleme. Lieber versuche ich mich aus meinem Loch heraus zu kämpfen. Erst wenn die körperlichen Schwierigkeiten längere Zeit anhalten, macht es Sinn, über sie zu sprechen. So wie ich es im vergangenen Jahr in Gstaad auch getan habe…

… wo Sie aber besser erst gar nicht angetreten wären.
Da werde ich in Zukunft noch mehr auf meinen Körper achten müssen. Auch wenn ich keine Freude habe, Turniere abzusagen, ist es sicher besser, ehrlich mit sich zu sein und zu sagen: Freunde, so macht es keinen Sinn. Ich habe auch noch nie während eines Spieles aufgegeben, worauf ich sehr stolz bin. Zugleich darf das nicht dazu führen, dass ich meinem Körper zu viel zumute, wenn er einmal Probleme hat.

Reden wir noch über den Davis Cup. Werden Sie Ende Januar in Belgrad gegen Serbien mit von der Partie sein?
Es wird schwierig, erst recht mit den Neuigkeiten der letzten Tage. Deshalb bin ich auch immer mit Severin Lüthi und Stanislas Wawrinka in Kontakt. Ich bin froh, dass der Teamgeist und die Kommunikation so gut sind. Das macht vieles einfacher.

Marc Rosset bezeichnet die Chancen auf den Sieg im Davis Cup als so gut wie nie zuvor.
Wie man es nimmt. Die Chancen ­waren auch schon vorher da. Zugleich ist der Davis Cup ein schwie­riges Thema für mich. Er kostet mich, wenn ich teilnehme, viel Kraft und Aufwand. Man muss dann ­abwägen, ob man es will oder nicht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich spiele. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.12.2013, 08:34 Uhr

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12 Kommentare

Hans Willi

27.12.2013, 10:49 Uhr
Melden 128 Empfehlung 11

Lieber Roger Federer, ich wünsche Dir und deiner Familie alles Gute im neuen Jahr. Danke für die vielen schönen Tennisspiele. Antworten


Karl Lässer

27.12.2013, 10:58 Uhr
Melden 102 Empfehlung 13

Wir haben das ganze Jahr über Rogers Alter gejammert. Am Schluss ist er die Nr. 6, was ausser ihm selbst noch kein anderer CH Spieler je geschafft hat. Bleiben wir doch einfach gespannt, was für Überraschungen sein und unser Leben noch bereit hält. Antworten



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