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In der Niederlage ist Nadal grösser als Federer
Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 01.02.2012 46 Kommentare
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Als Rafael Nadal 2005 als 19-Jähriger in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel gewann und sich anschickte, in ärmellosem Muskelshirt und zu engen Bermudashorts die Kreise des Tennis-Gentleman Roger Federer zu stören, war er unter Schweizer Tennisfans ähnlich populär wie der Kartoffelkäfer bei den Bauern.
Spätestens mit seinem Verhalten nach dem verlorenen Australian-Open-Final gegen Novak Djokovic am vergangenen Sonntag dürfte sich Nadal aber selbst in den Herzen seiner einstigen Feinde einen festen Platz erobert haben. Wie sich der 25-Jährige in der Stunde der Niederlage präsentiert, aber auch dann, wenn er gewinnt, macht ihn zu einem Vorbild für jeden Sportler, weit über das Tennis hinaus.
Nachdem Nadal 2009 beim Major-Turnier in Melbourne triumphiert hatte, feierte er nicht ausgelassen, sondern kümmerte sich rührend um seinen vor Enttäuschung weinenden Finalgegner Roger Federer. Die diesjährige Niederlage gegen Djokovic nach Breakvorsprung im fünften Satz ertrug er derweil mit erstaunlicher Reife. Er liess nicht zu, dass seine Enttäuschung die Siegesfreude seines Kontrahenten getrübt hätte. Vielleicht auch deshalb, weil er nach seinem Australian-Open-Sieg vor drei Jahren lieber richtig gefeiert hätte, als Federer zu trösten, auch wenn er das öffentlich nie sagen würde.
Auch wenn es ums Bezahlen der Steuern geht, ist Nadal ein Vorbild
Nadal ist der Spieler, der den gegenseitigen Respekt unter den Tennisprofis endgültig etabliert hat. Seine Aggressivität und seine Bissigkeit beschränken sich auf den Platz. Sobald das Racket in der Tasche verstaut ist, verwandelt sich der aufgeputschte, aber stets faire Tennis-Krieger wieder in einen sensiblen und höflichen jungen Mann. Sachlich vorgetragene Kritik wie die an Federer wegen dessen Verhalten im Kampf um einen schlankeren Turnierplan oder jene an Djokovic wegen des Klagens über Atemprobleme vor dem Final ändert daran nichts. Mit Nadal eine Tennis-Feindschaft zu pflegen, wie sie manchen Spieler mit Ivan Lendl oder John McEnroe verband, ist undenkbar.
Fair ist Nadal übrigens auch, wenn es ums Bezahlen der Steuern geht. Anders als Djokovic, der in Serbien viel Gutes tut, seine Zelte aber längst in Monaco aufgeschlagen hat, ist er seiner mallorquinischen Heimat stets treu geblieben. Obwohl ihn diese Treue jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag kostet.
Darüber hinaus steht der Name Rafael Nadal für vorbildlichen Kampfgeist. Die Option, eine Partie aufzugeben, existiert für den Spanier nicht. Negative Emotionen kontrolliert er besser als seine härtesten Konkurrenten Djokovic, Federer und Murray. Die drei sind aber bereits an ihm gewachsen. Vor allem Djokovic, der früher schnell einmal einen Match sausen liess oder wegen Blessuren Forfait erklärte, präsentiert sich in dieser Hinsicht trotz Mats Wilanders Kritik an seiner Körpersprache deutlich verbessert. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.02.2012, 12:01 Uhr
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46 Kommentare
Hat mich gefreut, dass auch mal eine Zeitung so einen Artikel schreibt. Als Schweizer bin ich grosser Federer Fan und anfangs hatte ich mit Nadal Mühe wegen seines manchmal machohaften Auftritts auf dem Platz. Aber genau wegen seiner unglaublichen Grösse sowohl nach Siegen als auch nach Niederlagen habe ich seit längerem den grössten Respekt vor diesem Sportler und Menschen! Hut ab Antworten
ich war auch positiv überrascht von Nadal's Fairness nach dem Spiel. Habe mein Bild über in auch revidieren müssen. Dass er auch noch ohne zu murren die Steuern von seinem Land akzeptiert. Hut Ab! Eigentlich könnte man diesen Artikel auch in die Wirtschafts Rubrik stellen. Antworten

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