Karrieren-Ende für Scharapowa?

Maria Scharapowa wird zwei Jahre gesperrt. Für das Tribunal steht fest: Der russische Tennisstar nahm Meldonium zur Leistungssteigerung. Es könnte das Aus ihrer Karriere bedeuten.

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Zwei Jahre Sperre: Um 17 Uhr gab der Internationale Tennisverband (ITF) aus London das Verdikt für Maria Scharapowa bekannt, auf das die Sportwelt gespannt gewartet hatte. Ein unabhängiges Gericht kam zum Schluss, dass das Vergehen der Russin schwer wiegt, und bestrafte die fünffache Grand-Slam-Siegerin härter, als in der Tenniswelt erwartet worden war.

Scharapowa hatte auch 2016 das seit Anfang Jahr verbotene Meldonium konsumiert und in einer Medienkonferenz im März erklärt, dass sie sich dessen nicht bewusst gewesen sei.

Das Ende der Karriere?

Sollte die Russin tatsächlich so lange gesperrt werden, wäre sie beinahe 31 Jahre alt, wenn sie ihr Comeback geben dürfte. Deshalb liegt die Spekulation nahe, dass dieses Urteil das Ende ihrer Karriere bedeuten könnte.

Scharapowa hatte die positive Dopingprobe am 26. Januar in Melbourne während des Australian Open abgegeben. Ihre Sperre beginnt rückwirkend an diesem Tag. Die Russin war am 18. und 19. Mai vom untersuchenden Gremium angehört worden. Nur weil sie ihr Vergehen nicht abstritt, wird der Beginn der Sperre rückwirkend auf Ende Januar terminiert - ob das für sie tröstlich ist, darf bezweifelt werden.

Scharapowa wird Millionen verlieren

Zudem wird auch Scharapowas Resultat am Australian Open gestrichen. Das hilft den vier Spielerinnen aber nichts mehr, die sie in Melbourne auf dem Weg in die Viertelfinals alle schlug. Im Achtelfinal hatte Scharapowa auch die Schweizerin Belinda Bencic bezwungen, ehe sie in den Viertelfinals gegen Serena Williams verlor.

Selbstverständlich werden ihr auch die 281'663 Dollar Preisgeld von Melbourne nicht ausbezahlt. Was in diesem Fall völlig vernachlässigbar ist: Der Dopingfall dürfte für die während Jahren bestverdienende Sportlerin der Welt Einnahmenausfälle von vielen Millionen bedeuten.

Sie wollte ihre Leistung steigern

In der ausführlichen Urteilsbegründung stellt sich das Tribunal unter Punkt 63 die Frage, warum Scharapowa systematisch Meldonium (auch als Mildronate bekannt) benutzt hatte vor Partien und speziell am Australian Open. Es kam dabei zum klaren Schluss, dass es für sie keine ärztliche Diagnose und auch keinen therapeutischen Grund gab, das Mittel zu verwenden, zumindest nicht in diesem Jahr.

Die Art, wie sie es benutzt hatte - an Spieltagen und während intensiven Trainingsphasen -, sei nur damit zu erklären, dass sie beabsichtigt habe, ihr Energieniveau anzuheben. Indem sie das Mittel im Verborgenen konsumiert und nicht einmal ihr Team darüber informiert habe, könne man klar von einer beabsichtigten Leistungssteigerung ausgehen.

Scharapowa geht in Berufung

Kurz nach Bekanntwerden des Urteils meldete sich Scharapowa über Facebook und erklärte, sie werde vor dem Sports-Schiedsgericht CAS (Court of Arbitration) Berufung einlegen. Sie sei unfair behandelt worden. Das Tribunal habe korrekt entschieden, dass sie nicht willentlich die Anti-Doping-Regeln verletzt habe. Deshalb könne sie diese harte Sperre nicht akzeptieren. Die Zusammensetzung des Tribunals sei von der ITF vorgenommen worden, und der Weltverband habe darauf gedrängt, sie vier Jahre zu sperren. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.06.2016, 17:15 Uhr

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