Sport
Kokain und seine Folgen
Aktualisiert am 03.09.2009 5 Kommentare
Es ist unfair, jemanden zu treten, der am Boden liegt. Und dieser Blogeintrag ist, lassen Sie mich dies vorausschicken, nicht gegen Richard Gasquet gerichtet.
Der Franzose hat unter seiner Kokainaffäre sichtlich gelitten und hinterliess hier in New York in seinem Erstrundenspiel gegen Rafael Nadal einen lamentablen Eindruck. Ihm ist zu wünschen, dass er dereinst wieder der Spieler wird, der an Grand-Slam-Turnieren antreten wird, um sie zu gewinnen.
Solange das Damoklesschwert einer längeren Sperre über ihm schwebt, ist daran nicht zu denken. Der Internationale Tennisverband ITF hat ja gegen das milde Urteil eines unabhängigen Gremiums - wegen seiner positiven Dopingprobe auf Kokain in Key Biscayne) - ihn nur für 2 Monate und 15 Tage zu sperren, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch erhoben. Das definitive Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet.
Nun aber zur Frage: Wie kann es sein, dass Martina Hingis, die ebenfalls von einem unabhängigen Tribunal beurteilt wurde, für den gleichen Befund mit einer 24-monatigen Sperre belegt wurde? Offensichtlich gelang es Gasquet, das Gremium bei der Anhörung von einer Unschuld zu überzeugen, Hingis nicht. Die Schweizerin beteuerte einfach, kein Kokain konsumiert zu haben, Gasquet hingegen gab vor, sehr genau zu wissen, wie er sich «angesteckt» hatte. Er erklärte im Detail, wie er in einer Disco ein Mädchen, das Kokain konsumiert hatte, wie oft und wie lange geküsst hatte.
Gasquet zog seine Verteidigung, mit der mächtigen Vermarktungsagentur IMG im Rücken, professionell auf. So bat er etwa während Roland Garros, als er der grosse Abwesende war, die einflussreichsten französischen Medien zum Interview auf. Und die verbreiteten artig seine Version. Dank seiner Medienoffensive gewann er den Kampf um die öffentliche Meinung. Einzig Henri Leconte, der sagte, wenn man einen ausschweifenden Lebensstil habe, müsse man auch mit den Konsequenzen leben, tanzte aus der Reihe.
Hingis war im Herbst ihrer Karriere nicht mehr gewillt, so viel in ihre Verteidigung zu investieren. Und sie erhielt, anders als Gasquet, auch keine Unterstützung von anderen Spielerinnen. Rafael Nadal etwa bezog während des French Open klar Stellung für den Franzosen, bei Hingis distanzierten sich die Kolleginnen. Sie wüssten nicht, was vorgefallen sei, lautete der Tenor. Ist der Zusammenhalt auf der Frauentour also weniger ausgeprägt als bei den Männern? Man darf es vermuten. Und hatte Gasquet, weil er aus dem im Welttennis einflussreichen Frankreich stammt, eine grössere Lobby als Hingis, die Schweizerin? Wahrscheinlich.
Zeigen diese Kokainaffären und ihre Folgen sogar, dass Frauen weniger geglaubt wird als Männern? Eine solche Interpretation würde wohl zu weit führen. Jedenfalls hinterlässt die Diskrepanz zwischen den Sperren, auch wenn man Gasquet nichts Böses wünschen will, einen schalen Nachgeschmack.
Erstellt: 03.09.2009, 08:51 Uhr
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5 Kommentare
Wer tatsächlich glaubt, Hingis hätte sich ausgerechnet an Wimbledon und ausgerechnet gegen eine Spielerin, welche X-Weltranglistenplatzierungen hinter ihr liegt, zum ersten Mal mit dem dermassen einfach nachzuweisenden und völlig ineffizienten Dopings namens Kokain aufgeputscht, vekennt hier wohl einige Fakten und schreit auch in anderen Bereichen des Lebens immer bloss mit der Masse..! Antworten
Was soll dieses Plädoyer für Hingis? Schade für die Arbeit. Gibt es denn heute wirklich noch Sport Interessierte, die all die aufgetischten Doping-Märchen der Athleten glauben? Ich kann es mir nicht vorstellen. Gasquets Ausrede ist einfach nur lächerlich! Aber klar, mit lügen und abstreiten hat sich ja auch ein Virenque bis dato wieder in eine gute Position gebracht. Scheinbar ist das der Weg. Antworten

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