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«Mit 18 Taschen unterwegs»

Von Simon Graf. Aktualisiert am 20.06.2011 22 Kommentare

Roger Federer ist in Wimbledon als Nummer 3 gesetzt. Vor dem Turnier spricht der Weltstar über seine Rolle als reisender Vater und seine Freude am Tennis.

«Ich habe ein wunderschönes Leben»: Roger Federer vor Wimbledon.

«Ich habe ein wunderschönes Leben»: Roger Federer vor Wimbledon.
Bild: Keystone

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Roger Federer wird auch an diesem Sonntag, am Tag vor dem Start in Wimbledon, vom Regen vom Platz gescheucht. Nach dem schönen Frühling habe er vermutet, dass es ein verregnetes Wimbledon geben werde, sagt er. So verlegt er das Interview mit den Deutschschweizer Journalisten, das in einem intimen Rahmen stattfindet, eine Stunde vor. Der 29-jährige wirkt entspannt und redet offen über seine Töchter und seine Absicht, noch lange weiterzuspielen.

Roger Federer, denken Sie nun, als Vater, abseits der Courts, weniger ans Tennis als früher?
Ich war schon immer gut darin abzuschalten. Aber als Profi darf man das Tennis trotzdem nie ganz vergessen. Man muss dafür leben, seriös sein. Das bin ich nun schon eine ganze Weile. Jetzt, mit den Kindern, versuche ich manchmal, noch schneller nach Hause zu kommen, um sie zu sehen. Aber mir macht es auch nichts aus, mal einen ganzen Tag auf der Anlage zu verbringen. Wie am Samstag, als ich wegen des Regens lange wartete und mir mit den anderen Spielern die Zeit vertrieb.

Wie hat sich Ihr Leben durch Ihre Töchter verändert?
Markant. Die Organisation ist sicher viel komplizierter geworden. Viele Freunde fragen uns: Wie macht ihr das überhaupt? Aber inzwischen ist es für uns fast normal geworden, dass wir mit 18 Taschen unterwegs sind. Mirka ist da extrem gefordert. Die ganze Phase von Asien, Europa, nochmals Asien, Australien, dann Amerika, bis und mit Monte Carlo, war recht intensiv. Das spürte ich auch. Deshalb war ich vor Paris recht müde. Aber ich bin froh, dass ich wegen der Kinder nicht alles auf den Kopf stellen musste. Ich musste nicht fünf Turniere auslassen, das Training zurückschrauben oder schon um sieben Uhr morgens auf den Platz. Wir haben uns gut eingerichtet.

Wie unterscheiden sich Myla Rose und Charlene Riva?
Sie haben verschiedene Persönlichkeiten, obschon sie Zwillinge sind. Es ist sehr interessant, das zu erleben. Die eine macht dies besser, die andere das. Sie haben auch unterschiedliche Interessen. Es macht Spass, sie wachsen zu sehen. Inzwischen fordern sie mehr von mir. Und ich kann ihnen jetzt schon Dinge beibringen.

Reden sie schon?
Ein paar Worte kommen langsam.

In welcher Sprache?
Auf Englisch und Schweizerdeutsch. Wir haben auf der Tour viel mit Englisch sprechenden Freunden zu tun. Wenn sie öfter zu Hause wären, würden sie noch mehr Schweizerdeutsch reden. Zurzeit überwiegt noch das Englische. Ich sage ihnen immer Wörter vor, mal dies, mal das. Und wenn sie es können, bin ich ganz happy.

Haben sie einen Basler Akzent?
(lacht) Das höre ich noch nicht raus. Fragen Sie mich in einem Jahr nochmals.

Realisieren Ihre Töchter schon, dass Sie ein Weltstar sind?
Nein, da haben sie noch keine Ahnung. Sie sind ja auch erst knapp zwei Jahre alt. Aber sie erkennen mich schon, wenn sie mich am Fernsehen sehen oder auf Plakaten. Wenn wir bei einem Nikeshop vorbeilaufen, stoppt Mirka, sie zeigen auf mich und sagen meinen Namen. Und wenn ich sie frage, was Tennis ist, mimen sie Schlagbewegungen und rufen «bumm, bumm». Sie haben von Wilson kleine Rackets bekommen. Aber drinnen zu spielen, ist zu gefährlich. Im Sommer können wir das Tennisspielen mit ihnen vielleicht etwas intensivieren.

Wie ist das, wenn Sie wie vorletzte Woche den Zürcher Zoo besuchen? Melden Sie sich da zuerst an?
O nein. Eigentlich wollte ich unerkannt rein, aber natürlich erkannten sie mich an der Kasse und liessen uns gratis rein. Gerne hätten sie auch ein Foto gemacht mit mir. Aber ich musste ablehnen, wegen meiner Absage beim Turnier in Halle wäre das ungünstig gewesen. Aber das nächste Mal posiere ich gerne vor einem Elefanten, wenn sie das wollen. Es war ein spontaner Ausflug. Wir stiegen einfach ins Tram und fuhren hinauf. Es war für mich das erste Mal im Zürcher Zoo und es hat mir gefallen.

Verschieben Sie Ihr Leben vermehrt in die Schweiz?
Solange ich spiele, ist das schwierig. Ich wäre gerne öfter in der Schweiz. Aber das ist momentan nicht mein Fokus. Es soll für die Kleinen möglichst einfach sein. Es macht keinen Sinn, für zwei, drei Tage in die Schweiz zurückzukehren. Da bleibe ich besser länger am gleichen Ort und reise direkt weiter. Ich habe das Glück, dass mich viele Freunde und die Familie auf der Tour besuchen. Wir versuchen, ein Gefühl zu kreieren, damit wir uns auch weg von zu Hause daheim fühlen.

Wo fühlen Sie sich zu Hause? In Basel? Zürich? Dubai?
Schon in Basel. Da habe ich am meisten Zeit verbracht. In der Region Zürich kenne ich mich inzwischen aber auch immer besser aus. Wie in Dubai. Ich fühle mich überall wohl. Und das ist wichtig für mich, um länger auf der Tour zu bleiben. Pete Sampras erzählte mir, dass er gegen das Ende seiner Karriere nach vier Wochen jeweils nur noch nach Hause wollte. Das ist bei mir nicht so. Bis und mit Monte Carlo schlief ich achteinhalb Monate nicht mehr im eigenen Bett. Ich habe kein Problem, solche Kompromisse zu machen. Ich habe ja wirklich ein wunderschönes Leben.

Wie erhalten Sie sich die Freude am Tennis? Was ist für Sie das Schönste an diesem Sport?
Verletzungsfrei zu trainieren und zu spielen. Zwischen den schönsten Städten der Welt hin und her zu reisen. Auf den schönsten Centre-Courts zu spielen. Das ist Motivation genug. Dazu kommen die Rekorde, die locken. Die neue Generation, gegen die ich mich behaupten will. Es ist spannend zu erforschen, wie ich mich noch verbessern kann. Es ist ähnlich wie im Golf: Eine perfekte Runde gibt es fast nicht, so wie es bei uns das perfekte Spiel kaum gibt. Und dazu kommt der Gegner, der einem das Leben schwer macht. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Deshalb wird es mir auch nie langweilig.

Sie sagten einmal, Sie wollten sicher bis Olympia 2012 in Wimbledon spielen. Haben Sie sich schon einen neuen Horizont gesetzt?
Ich sagte das damals, damit ich in Ruhe gelassen wurde. Ich wurde sogar einmal gefragt, ob ich aufhören würde, wenn ich das French Open gewonnen habe. Das ist doch Unsinn. Es ist nicht mein Ziel, alles abzuhaken und dann zu sagen: Danke, auf Wiedersehen. Solange ich Freude am Tennis habe und das Gefühl, mit den Besten mithalten zu können, mache ich weiter. Einen neuen Horizont habe ich mir noch nicht gesetzt. Ich sehe mich jedenfalls nicht aufhören nach Olympia 2012. Die nächsten eineinhalb Jahre sind schon durchgeplant, also darüber hinaus.

Sind unliebsame Fragen das Mühsamste an diesem Job?
Nein, sonst wäre ich jetzt nicht freiwillig hier bei euch, oder? (lacht) Aber bei euch Schweizern ist es ja auch noch etwas entspannter. Es gibt schon mühsame Phasen. Vor Paris redeten alle von Djokovic, ich musste mich immer dazu äussern, was er alles gewonnen hat, redete nur noch über ihn. Irgendwann ist das zu viel. Die letzten paar Wochen werden immer zum Massstab genommen. Dabei kann sich ein Spieler in so kurzer Zeit nicht grundlegend verändern. Für viele ist es schwer zu akzeptieren, dass die besten vier, fünf gleichzeitig gut spielen. Sie meinen, nur einer dürfe in Form sein, weil ja nur einer gewinnt. Aber es gehört zum Alltag, dass man sich den Fragen stellt. Entscheidend ist, dass man sich vom Gerede nicht zu stark beeinflussen lässt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.06.2011, 07:48 Uhr

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22 Kommentare

Romina Furrer

20.06.2011, 08:50 Uhr
Melden 73 Empfehlung

Dem Zoo Zürich lege ich ans Herz, in Zukunft an sozial schwächere Gratiseintritte zu schenken, nicht an mehrfache Millionäre. Antworten


Hans Gerber

20.06.2011, 10:29 Uhr
Melden 45 Empfehlung

isch eifach en coole Typ de Roger! Egal ob er nun gratis in den Zoo darf oder nicht. Das einige Vorschreiber das Interview auf seinen zufälligen Gratiseintritt reduzieren, ist wieder mal typisch urschweizerisches neidvolles Gärtchendenken - schämt euch! Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 12:26
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.0512:15Cipolla - Wawrinka
Stand: 25.05.2012 14:45
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0511:00Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0511:00Djokovic - Starace
28.0511:00Federer - Kamke
28.0511:00Bolelli - Nadal
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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