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Von der Hassfigur zur fairen Verliererin

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 30.01.2016

Serena Williams verpasst den Australian-Open-Sieg, zeigt aber, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

«Ich freue mich sehr für dich»: Williams gratuliert Kerber.

«Ich freue mich sehr für dich»: Williams gratuliert Kerber.
Bild: Keystone

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Wer erinnert sich nicht an den dramatischen French-Open-Halbfinal zwischen Serena Williams und Timea Bacsinszky im vergangenen Juni. Damals führte Bacsinszky 6:4, 3:2, ehe sie wohl auch wegen des theatralischen Benehmens der angeschlagenen US-Amerikanerin völlig einbrach, zehn Games in Folge und den Match verlor. «So wie sie über den Platz schlich, dachte man sie leide unter Schwindel und falle jetzt dann gleich hin. Es muss sich für Bacsinszky sehr seltsam angefühlt haben, die Gegnerin so schwanken zu sehen», sagte der SRF-Tennisexperte Heinz Günthardt. «Was sie zwischen den Ballwechseln aufführt, ist unsägliches Theater», fand Stefan Bürer, der zweite Kommentator.

Siebeneinhalb Monate später, im Endspiel des Australian Open gegen Angelique Kerber, unterliess Williams jedes Theater. Obwohl die Finaldebütantin aus Deutschland wohl durchaus aus dem Konzept zu bringen gewesen wäre, als sie im dritten Durchgang ihren Breakvorsprung eingebüsst hatte. Kerber aber gewann 6:4, 3:6, 6:4, womit sie Williams den 22. Grand-Slam-Titel verwehrte. Dieser hätte die Weltnummer 1 mit Open-Era-Rekordhalterin Steffi Graf gleichziehen lassen.

Serena Williams an der Pressekonferenz nach ihrer Finalniederlage. Video: Youtube.

Kaum war der zum Schluss dramatische Final durch einen zu langen Grundschlag von Williams beendet, eilte die Verliererin auf die andere Seite des Feldes und umarmte die von den Emotionen übermannte Kerber. «Es war ein grosser Final, du hast es verdient – und ich freue mich sehr für dich», sagte Williams zur ersten deutschen Major-Siegerin seit Graf 1999.

1/6 Erster grosser Turniersieg: Angelique Kerber schreit ihre Freude heraus. (30. Januar 2016)
Bild: Rick Rycroft/Keystone

   

Später zollte die Tennisprominenz der Dominatorin der letzten Jahre ihren Respekt für die Grösse, die sie in der Niederlage gezeigt hatte. «Grosser Sportsgeist!», twitterte Novak Djokovic. «Klasse, wie Serena nach dem Match reagierte», schrieb Kim Clijsters, die zu ihrer aktiven Zeit auch schon die wütende Verliererin Williams erlebt hatte.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.01.2016, 14:05 Uhr

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