Wawrinkas Hawkeye-Verzicht, Federers Titel

Das war ein lupenreines Ass von Wawrinka. Nur sahs der Linienrichter anders. Mit dem Hawkeye hätte dieser starke Indian-Wells-Final vielleicht anders geendet.

Was für eine Leistung in Indian Wells: Roger Federer bezwingt im Schweizer Traumfinal Stan Wawrinka und holt sich seinen 90. Titel. (Video: Tamedia/AP)
Video: Mark J. Terrill/AP Photo

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Die Schlüsselszene spielte sich nach etwas weniger als einer halben Stunde ab. Roger Federer führte 5:4, Stan Wawrinka schlug auf und führte 30:15. Bis zu diesem Zeitpunkt war keiner der beiden Schweizer Stars bei eigenem Aufschlag in Not geraten. Wawrinka glaubte, ein Ass zum 40:15 serviert zu haben, der zuständige Linienrichter hatte jedoch undezidiert auf «out» entschieden. Wawrinka fragte beim Schiedsrichter nach. Und der Franzose Damien Dumusois meinte, der Aufschlag sei mit 100-prozentiger Sicherheit im Aus gelandet.

Knapp, aber der Ball war noch auf der Linie: Das vermeintliche Ass zum 40:15 für Wawrinka.

Wawrinka verzichtete auf die «Challenge». Er glaubte dem Mann, der 2015 bei seinem French-Open-Triumph in Roland-Garros auf dem Schiedsrichterstuhl gesessen hatte. Drei Ballwechsel später bejubelte Roger Federer den ersten Satzgewinn. Und die TV-Bilder zeigten auf, dass Wawrinkas Aufschlag mit 100-prozentiger Sicherheit gut gewesen ist.

Erstes Break gegen Federer

Stan Wawrinka erspielte sich auch im zweiten Satz noch eine Chance. Er ging 2:0 in Führung und nahm Federer zum ersten Mal im Turnier ein Aufschlagspiel ab. Aber Federer strotzte nun vor Selbstvertrauen. Er schaffte den Ausgleich zum 2:2, geriet danach nie mehr in Rückstand und nützte zum 7:5 gleich den ersten Matchball. Federer rückte ans Netz vor und vollendete mit einem perfekten Volley.

Video – eine Siegerehrung für die Tennis-Geschichte:

«Roger is laughing. He's an asshole, but it's OK»: Stan Wawrinka nimmt für amerikanische Verhältnisse ziemlich viel Sprachkraft in Anspruch.

Federer stellte in der Mojave-Wüste einen weiteren Rekord auf. Nebst seinen unzähligen Bestmarken ist er neu nun auch der älteste Sieger eines grossen ATP-Turniers in der Profi-Ära (seit 1968). Bislang hielt der Amerikaner Andre Agassi diese Bestmarke, der 2004 das Masters-1000-Turnier von Cincinnati im Alter von 34 Jahren und 3 Monaten gewonnen hatte. Federer ist mittlerweile 35 Jahre und 7 Monate alt. In der Oase in der Nähe von Palm Springs holte er seinen 90. Turniersieg. Nur Jimmy Connors (109 Siege) und Ivan Lendl (94 Siege) liegen in dieser Statistik noch vor Federer.

Eine weitere bittere Enttäuschung

Am Ende war Wawrinka die Enttäuschung anzusehen. Schon am Australian Open im Halbfinal hatte er gegen Federer eine bittere Niederlage, damals in fünf Sätzen, kassiert. Wawrinka kann gegen Federer auf Hartplätzen scheinbar nicht gewinnen. 15:0 lautet die Siegbilanz zu Gunsten Federers.

Roger Federer präsentierte sich natürlich als überglücklich. Er ist bei seinem Comeback viel, viel weiter als er sich das vor drei Monaten erträumt hatte. «Eigentlich bin ich davon ausgegangen, in Indian Wells immer noch Terrain aufholen zu müssen. Dass ich jetzt schon zwei grosse Turniere wieder gewinnen konnte, ist auch für mich ein Traum, der wahr wurde.» Die ganze Familie schaute zu, Coach Ivan Ljubicic feierte am Finaltag seinen 38. Geburtstag. Federer: «Jetzt bleibt mir nur noch zu hoffen, dass es so weiter geht. Dass ich derart frisch bleibe und auch an den nächsten Turnieren weiter so auftrumpfen kann.»

(nos/sda)

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