Federer reagiert auf angeblichen Wettbetrug

Zum Auftakt des Australian Open berichten Medien von Wettbetrug im Tennis. Betroffen sind über ein Dutzend Profis.

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Zum Auftakt des Australian Open sorgen das britische Fernsehen BBC und das Onlinemagazin «Buzzfeed» für Aufruhr in der Tennisszene. Die Korruptionsvorwürfe sind nicht neu, allerdings bietet eine aktuelle Studie neuen Zündstoff. Der Mann hinter der Story heisst John Templon und arbeitet als Reporter für «Buzzfeed». Der US-Amerikaner hat während der Zeitspanne 2009 bis 2015 rund 26'000 Profimatches analysiert und dabei auf das Verhalten der Wettquote geachtet.

Aufgefallen ist dem Journalisten, dass sich bei Spielen mit besonders hohen Quoten der Favorit häufig nicht durchsetzen konnte. «Ich habe 15 Spieler eruiert, die auffallend oft solche Spiele verloren», schreibt Templon, einen Beweis für eine kriminelle Aktivität kann aber auch er nicht liefern und hält deshalb die Namen der verdächtigen Tennisspieler zurück.

Genau diese Namen würden Roger Federer interessieren. Nach seinem Startsieg an den Australian Open nahm der Schweizer erstmals Stellung zu den Gerüchten. «Das ist eine ernste Sache und auch wichtig, um die Integrität unseres Sports zu erhalten. Es gibt keinen Platz für dieses Verhalten in unserem Sport und ich habe kein Verständnis dafür», sagte Federer, betonte aber auch, dass alles im Moment reine Spekulation sei. «Ohne Fakten ist es einfach, mit Behauptungen um sich zu werfen.»

Etwas konkreter ist die Geschichte von Novak Djokovic. Die Weltnummer 1 soll 2007 – am Anfang seiner Karriere – ein Angebot bekommen haben, um ein Spiel in St. Petersburg zu manipulieren: Rund 100'000 britische Pfund seien ihm dafür geboten worden, verrät er. «Wir sind natürlich nicht auf das Angebot eingestiegen», wird der Serbe in «The Telegraph» zitiert.

«Ich wünschte, dies würde nicht passieren. Aber Geld regiert die Welt», twittert ein User.

Immerhin konnten BBC und «Buzzfeed» die alten Vorwürfe konkretisieren, weil ihnen offenbar von einem Insider Auszüge der damaligen Untersuchungsunterlagen zugespielt wurden. Der einzige konkrete Fall, der ausgebreitet wurde, betrifft die Partie zwischen dem Russen Nikolai Dawidenko und dem Argentinier Martin Vassallo Arguello in Sopot, Polen. Dass diese Partie getürkt gewesen sein soll, ist seit Jahren hinlänglich bekannt, obwohl Dawidenko später von den Vorwürfen freigesprochen wurde.

Der «Fall Dawidenko»

Die Wettbüros zahlten damals keine Gewinne an die Wetter aus. Dawidenko, die Nummer 4 der Welt, gab gegen Vassallo Arguello, die Nummer 87, im Entscheidungssatz verletzt auf, nachdem er als haushoher Favorit mit einem Satz und einem Break geführt hatte. Für diese Partie gingen für umgerechnet fast zehn Millionen Schweizer Franken Wetten ein; das meiste Geld wurde auf einen Aussenseitersieg gesetzt. Diese Wettsumme ist zehnmal höher als die Gesamtsumme, für die im Schnitt an einem kleinen Turnier wie Sopot gewettet wird.

Eine User postet: Millionen-Wetten. Elite-Spieler. Sizilianische Spieler.

Der «Fall Dawidenko» führte vor acht Jahren zu einem Umdenken. Neue Regeln (Anti-Korruptions-Code) wurden im Jahr 2009 erlassen. Die Tennis Integrity Unit (TIU), eine Untersuchungskommission für derartige Fälle, wurde ins Leben gerufen. Die TIU sperrte in den letzten sechs Jahren 18 Spieler, sechs davon lebenslänglich.

ITF dementiert Vorwürfe

Der Internationale Tennisverband (ITF) und die Association of Tennis Professionals (ATP) weisen die Vorwürfe von BBC und «Buzzfeed» zurück, wonach Korruptionsfälle verschleiert oder zurückbehalten wurden. Es sei aber nicht möglich gewesen, die seit 2009 gültigen neuen Regeln rückwirkend anzuwenden. «Der Vorwurf, der Tennissport hätte Korruptionsfälle nicht korrekt gehandhabt, entbehrt jeder Grundlage. Die Verbände haben die Wettproblematik alles andere als auf die leichte Schulter genommen», so Chris Kermode, der Präsident der ATP in Melbourne.

Tennisspiele eignen sich für Wettbetrug gut, denn seit Jahren kann nicht nur über den Ausgang einzelner Partien, sondern sogar über einzelne Games und Ballwechsel gewettet werden.

Ein Top-50-Spieler unter Verdacht

Ohne Namen zu nennen, behauptet die BBC unabhängig von «Buzzfeed», dass 16 Profis aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in den Skandal verwickelt sind. Einer der Spieler, der an wetttechnisch hochverdächtigen Partien beteiligt war, sei auch dieses Jahr am Australian Open im Einsatz. Er soll mehrmals den ersten Satz absichtlich verloren haben.

Die Spieler würden von der Wettmafia in ihren Hotelzimmern kontaktiert; pro Betrug winken Beteiligungen in Höhe von 50'000 und mehr Franken, heisst es in dem Bericht. Wettsyndikate aus Italien und Russland sollen Hunderttausende von Franken mit verdächtigen Wetten verdient haben, auch an den europäischen Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon. Auf einer Liste (aus dem Jahr 2007) figurieren über 70 verdächtige Spieler, von denen nie einer belangt worden sei.

(Erstellt: 18.01.2016, 06:38 Uhr)

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