Krawall im Tennis-Zirkus

Sie haben die Übernamen «Nasty» und «Tennis-Dracula» und sie sorgen derzeit für ziemlich böses Blut: Wie sich Ilie Nastase und Ion Tiriac ins Abseits spielten.

Erhitzte Diskussion: Beim Fed-Cup Rumänien - Grossbritannien wird Ilie Nastase vom Schweizer Referee Andreas Egli (Rücken zur Kamera) aus der Arena verbannt.
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Ion Tiriac und Ilie Nastase waren schon als Spieler ein gefürchtetes Duo. Zusammen gewannen sie 1970 das French Open, dazu führten sie Rumänien in drei Davis-Cup-Finals, verloren aber stets gegen die USA. Tiriac ist ein Mann mit riesigem Schnauz und stechendem Blick, den noch niemand lachen sah, und einige nennen ihn den «Tennis-Dracula aus Transsylvanien». Nastase war im Einzel ungleich erfolgreicher, aber zugleich auch einer der grössten «bad boys» des Tennis, neben John McEnroe und Jimmy Connors. Sein Übername «Nasty» bedeutet in Englisch böse, was viele durchaus passend finden.

Ein Mann mit klarer Meinung: Ion Tiriac. (Bild Keystone)

Obwohl Nastase im Sommer 70 wird und Tiriac inzwischen 78 und Milliardär ist, haben es die beiden geschafft, sich wieder einmal ins Abseits zu manövrieren. Nachdem Nastase vom internationalen Verband ITF provisorisch gesperrt worden war, lud ihn Tiriac als Ehrengast an die Siegerehrung seines Turniers in Madrid ein. Die Verantwortlichen der WTA-Tour empfanden diesen Auftritt als skandalös und reagierten scharf. «Er hatte auf dem Platz nichts zu suchen», erklärte Steve Simon, der Chef der WTA-Tour. Es sei «verantwortungslos und unakzeptierbar», dass ihm eine offizielle Rolle gegeben wurde.

Dies wiederum stiess Tiriac sauer auf. Die WTA solle sich bei seinem Freund entschuldigen, forderte er in einem offenen Brief an Steve Simon. Nastase sei eine «saubere und flamboyante Persönlichkeit», die sich 50 Jahre in den Dienst des Tennis gestellt habe. Mit dieser Sicht steht der frühere Boris-Becker-Manager aber eher allein da.

Williams und Konta beleidigt

Alles hatte damit begonnen, dass Nastase als Chef des rumänischen Frauenteams an einer Fed-Cup-Begegnung in Constanta am Schwarzen Meer gegen Grossbritannien mit beleidigenden Aussagen auffiel. Am Freitag vor dem Spiel machte er an der Pressekonferenz eine forsche Bemerkung über das noch ungeborene Kind von Serena Williams. Er sei gespannt, welche Hautfarbe es haben werde, «Schokolade mit Milch». Williams war entsetzt, als sie davon hörte. Am gleichen Tag soll Nastase Ann Keothavong, die britische Teamcaptain, umarmt und um ihre Zimmernummer gefragt haben.

Als die britischen Journalisten seine Bemerkung zu Williams Kind veröffentlichten und diese als rassistisch bezeichneten, stürmte er am Samstag ins Medienzentrum und beleidigte eine anwesende Reporterin mehrfach, sie sei stupid. Zum eigentlichen Skandal aber kam es danach auf dem Court. Im Spiel zwischen der Rumänin Sorana Cirstea und Johanna Konta benahm er sich derart schlecht, dass ihn der Schiedsrichter zuerst verwarnte und Andreas Egli, ITF-Referee aus der Innerschweiz, ihn schliesslich aus dem Stadion verbannte. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handle, dürfe er nichts dazu sagen, so Egli. Die Berichte der britischen Medien seien aber ziemlich akkurat.

Auf dem Weg zur Tribüne hatte Nastase Konta weiter beleidigt, bis sie in Tränen ausbrach und später sagte: «Eine solche Erfahrung wünsche ich niemandem.» Auch Keothavong war entsetzt über die Wortwahl des früheren Tennisstars: «Niemand verdient es, dass man so mit ihm spricht.» Die Partie wurde erst nach einer längeren Pause fortgesetzt (Rumänien gewann die Playoff-Begegnung der 2. Weltgruppe 3:2).

Talent und Temperament

Die ITF sperrte Nastase provisorisch, was ihm keinen Zugang zu deren offiziellen Turnieren erlaubt (er erschien am Sonntag trotzdem auf der Anlage, wurde aber fortgewiesen). Der Rumäne entschuldigte sich später bei Williams für seine Bemerkung, gab sich aber insgesamt trotzig. Falls ihn der Verband bestrafe, werde er sich aus dem Tennis zurückziehen, er habe genug andere Geschäfte zu erledigen.

Nastase war schon immer ein Paradiesvogel mit lockerer Disziplin, sorgte auch schon als Spieler für Skandale, Provokationen und Schlagzeilen. Dank seinem brillanten Ballgefühl gewann er in seinem besten Jahr (1973) aber gleich 17 Turniere, darunter das French Open, und wurde die erste Nummer 1 der Weltrangliste. Im Jahr zuvor hatte er schon am US Open triumphiert. Sein jüngster Skandal bestätigt aber auch das Sprichwort: Alter schützt vor Torheit nicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.05.2017, 10:25 Uhr

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