«Roger is laughing. He’s an asshole, but it’s okay»

Natürlich wars Spass, dennoch: Diese Siegerehrung erhält in der Tennis-Geschichte wohl einen besonderen Platz.

Kämpft mit Tränen und teilt aus: Stan Wawrinka bei der Siegerehrung in Indian Wells. (Video: SRF)

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Einige glaubten, nicht richtig gehört zu haben. Aber es stimmte: «Roger lacht. Er ist ein A...loch», sagte Stan Wawrinka an der Siegerehrung in Indian Wells, nachdem er ein paar Tränen verdrückt hatte, ehe er sich wieder fasste und sich an die Zuschauer richtete. Derweil hatte Federer gegrinst und versucht, ihn aufzuheitern. Dieses Schimpfwort brachte einige Fernsehstationen in Not, und sie mussten sich bei ihren Zuschauern entschuldigen.

Bei Federer allerdings war keine Entschuldigung nötig. «So haben mich schon viele genannt, und in diesem Moment fasste ich es als Kompliment auf», kommentierte er. Tatsächlich hatte es Wawrinka ja auch scherzhaft gemeint – und Federer war es auch gelungen, bei diesem die trüben Gedanken zu vertreiben.

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Stans Kraftausdruck Richtung Federer: Das ...





Warum er so emotional geworden war, erklärte der Lausanner so: «Es war eine harte Niederlage, ein harter Match, und dann kam alles zusammen. Dass ich wieder gegen ihn verloren hatte wie schon im Halbfinal des Australian Open. Und dass hinter mir schwierige Wochen liegen mit der Knieverletzung nach Melbourne.» Dabei wusste der US-Open-Sieger selbst, dass ihm ein hervorragendes Turnier geglückt war, eines, auf das er stolz sein kann. «Das ist ein grossartiges Resultat, und von solchen Finals habe ich früher geträumt. Aber natürlich will man immer mehr, und ein Endspiel zu verlieren, ist nie einfach.» Nach seiner Verletzung hätte er auch nicht erwartet, so schnell wieder ein solches Niveau zu erreichen.

Bildstrecke – auch Charlize Theron und Bill Gates waren beim Schweizer Final dabei:

«Federer ist einfach erstaunlich»

Dass Federer in seinem Alter noch so gut Tennis spiele, sei für ihn ermutigend, immerhin werde er selbst Ende Monat auch schon 32. «Er zeigt, dass man auch in diesem Alter noch sein bestes Tennis spielen kann.» Inzwischen hat er 20 von 23 Partien gegen seinen Olympia-Goldpartner von Peking verloren. Das sei schon hart, aber Federer sei ja auch der beste Spieler der Tennisgeschichte. «Und er hat ein Spiel, das für mich unangenehm ist, weil er so schnell und variantenreich agiert und es trotzdem schafft, an der Grundlinie zu bleiben.»

Und dann schwärmte er über den Mann, den er gerade noch beleidigt hatte: «Alles, was er auf und neben dem Platz macht seit 15 Jahren, ist erstaunlich. Nicht nur seine Resultate, sondern auch, was er den Fans, Sponsoren und den Turnieren zurückgibt, und das immer mit einem Lächeln im Gesicht. Und wie er sich auf dem Platz bewegt, wie er spielt, ist einfach wunderbar. Er macht alles, was überhaupt möglich ist auf einem Tennisplatz.» Für ihn seien die Bedingungen am Finaltag zudem nicht ideal gewesen. «Vielleicht hat man es nicht gesehen, aber es war ziemlich windig, das machte es schwer, den Ball zu kontrollieren. Aber er hatte auch auf alles eine Antwort.»

Video – mit einem tollen Abschluss zum Turniersieg:

Wawrinka hatte zudem den viel härteren Weg in den Final gehabt als Federer, der keinen Satz abgab und den Viertelfinal kampflos gewann, während er gegen Thiem und Carreño Busta zweimal ins Tiebreak des 3. Satzes gehen musste. «Nun fehlte mir überall etwas, auch die mentale Frische», sagte er. Er hoffe, dass ihm Indian Wells helfe, nun auch in Miami endlich über die frühen Runden hinauszukommen. «Natürlich gibt mir dieses Turnier Vertrauen. Aber das garantiert mir nicht, dass ich in Florida besser spiele.» Der Weltranglistendritte ist in Abwesenheit von Murray und Djokovic in Miami topgesetzt. «Aber es macht für mich keinen Unterschied, ob ich die Nummer 1 oder die Nummer 3 bin wie in Indian Wells. Das Hauptinteresse wird ohnehin auf Federer und Nadal liegen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2017, 03:56 Uhr

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