«Ich komme stärker zurück – und hungriger»

Belinda Bencic fällt nach einer Operation am linken Handgelenk monatelang aus.

Schwere Zeiten. Am Ende half Belinda Bencic für ihr linkes Handgelenk auch kein Tape mehr (o.), deshalb liess sie sich operieren.

Schwere Zeiten. Am Ende half Belinda Bencic für ihr linkes Handgelenk auch kein Tape mehr (o.), deshalb liess sie sich operieren. Bild: Keystone

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Ein Lächeln huscht über die Lippen, das schon. Ansonsten ist vor allem viel Müdigkeit im Gesicht von Belinda Bencic zu erkennen. Doch wer kann es ihr verdenken? Auf dem Foto, das sie gestern in den sozialen Medien postete, liegt sie schliesslich in einem Spitalbett, den linken Arm dick eingebunden. Ein Strahlen wirkte da auch deplatziert, denn die 20-Jährige teilte mit, dass sie sich in der letzten Woche einer Operation am linken Handgelenk unterzogen hat. Nach so einem Eingriff ist man schon einmal gezeichnet.

Bencic selber gab bekannt, dass sie mit einer mehrmonatigen Pause rechne. Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, aber «nach vielen Überlegungen und Absprachen mit dem Team und den Ärzten», habe sie sich für diesen Weg entschieden. Die Ostschweizerin möchte mit diesem Schritt ihrer Karriere – nach der Verletzungspause – wieder neuen Schwung verleihen, um diese noch über Jahre fortsetzen zu können.

Sie verspreche, schreibt sie weiter, dass sie danach stärker zurückkommen werde – und hungriger. Das klingt ganz schön ambitioniert. Aber was soll die zuletzt von einigen Krisen geplagte ­Bencic anderes verbreiten als Optimismus, selbst wenn es nur Zweckoptimismus ist? Wer in diesem Jahr bei sieben Turnierteilnahmen auf der WTA-Tour sechsmal in der ersten Runde ausgeschieden ist und innerhalb von 15 Monaten in der Weltrangliste vom siebten auf den 123. Rang zurückfällt, muss sich wohl an solchen Sätzen festhalten. Und vielleicht noch müde lächeln.

Die lange Pause, die Bencic jetzt bevorsteht, könnte jedoch auch eine Chance sein, in Ruhe darüber zu sinnieren, was genau sich ändern muss, um im Ranking wieder nach vorne zu kommen. Denn das will sie ja unbedingt, nur vermittelte sie, je länger ihr Tief andauerte, desto mehr den Eindruck, selber nicht genau zu wissen, was sie eigentlich dafür tun müsse. Die Abnabelung von Vater Ivan, die Verpflichtung eines neuen Trainers, Maciej Synowka: All das hat keine sichtbaren Verbesserungen bewirkt.

Sorgfältiger Aufbau

Kommt dazu, dass Bencic schon länger nicht wirklich fit wirkte – nicht nur aufgrund des Problems mit dem linken Handgelenk, das sie aber auch schon seit einiger Zeit handicapiert. Ein sauberer, sorgfältiger Aufbau kann da sicherlich nicht schaden, ist eine gute körperliche Verfassung doch die Basis, um überhaupt wieder neues Selbstvertrauen erlangen zu können – das es wiederum für ein erfolgreiches Comeback braucht.

Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt brachte es schon im April beim Ladies Open in Biel auf den Punkt, als er sagte, dass es oft der Fall sei, dass bei jungen Spielerinnen, die schon als Teenagerinnen sehr erfolgreich Tennis gespielt haben, der Moment komme, wo Fragen auftauchen.

Man dürfe dann nicht den Fehler machen, zu viel nachzudenken und den früheren, positiven Gemütszustand herbeiführen zu wollen. Das ginge nicht. So wie früher werde es niemals mehr sein. «Vielmehr braucht es in solch einer schwierigen Situation viel Geduld», sagte der 58-jährige Zürcher. Er sei überzeugt davon, dass es Bencic wieder gelingen werde, in die Erfolgsspur zurückzukehren.

Zeit hat Belinda Bencic für ein Weilchen genug. Zeit, um Vorkehrungen zu treffen, wie aus einem müden Lächeln wieder ein Strahlen werden kann. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.05.2017, 08:01 Uhr

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