Olympische Spiele für immer in der Schweiz?

Aktualisiert am 01.03.2010 75 Kommentare

In Vancouver ist Schluss mit olympischem Sport. Bleiben werden der Metropole die hohen Kosten. Diese und weitere negative Erfahrungen führen zu einem spektakulären Vorschlag in der «New York Times».

«1980 war ich mit meinem Ruderteam für die Olympischen Spiele in Moskau nominiert. Aber wie 466 andere amerikanische Athleten musste ich zu Hause bleiben. Hätte der Kongress eine Goldmedaille vergeben können, wir hätten sie für unsere Rolle im Boykott gegen die Russen erhalten. Aber ehrlich gesagt, auch 30 Jahre danach wäre mir noch immer die richtige Goldmedaille an den Spielen lieber gewesen.»

Was Charles Banks-Altekruse, ein ehemaliger amerikanischer Spitzenruderer in einem Gastbeitrag für die «New York Times» beschreibt, ist die Riesenenttäuschung über die Nichtteilnahme der USA an den Olympischen Spielen von 1980 in Moskau. Und die Schuld dafür gibt er indirekt dem System des alternierenden Austragungsortes. Dabei sind politisch motivierte Boykotte nach der Meinung Banks-Altekruses nur ein negativer Aspekt unter vielen. Überbordende Kosten, falsche Versprechungen gegenüber der Bevölkerung des Gastlandes und Terroranschläge. Das alles nennt der frühere Spitzensportler als Gegenargumente, für das System abwechselnder Austragungsorte. Und er bleibt treffende Beispiele nicht schuldig.

Athen leidet an den Spielen von 2004

Was das Budget/Kosten-Verhältnis betrifft, so hat Montreal 1976 den Vogel abgeschossen. Um ganze 400 Prozent überschoss die Endabrechnung der Sommerspiele den ursprünglichen Finanzplan. 30 Jahre lang hatte die kanadische Metropole daran zu nagen, sprich abzuzahlen. Nicht zu schweigen von den 14,4 Milliarden Dollar teuren Spielen in Athen von 2004. Es liegt auf der Hand, dass die Griechen der maroden Staatskasse damit keinen Gefallen taten.

Frieden durch gegenseitige Besuche. Das ist der Grundgedanke, welcher der Praxis zugrunde liegt, die Olympischen Spiele immer wieder an verschiedene Orte zu vergeben. Auch diesen Gedanken nennt Banks-Altekruse überbewertet. Einerseits hätten sich die Hoffnungen nicht erfüllt. Weder hätten die Spiele von Peking eine Verbesserung der Menschenrechtslage in China gebracht noch seien dadurch Terroristen abgehalten worden, 1972 in München israelische Athleten zu töten. Andererseits hält der Amerikaner den Austauschgedanken im Internetzeitalter für überholt.

Eine alte Idee

Und was folgert Banks-Altekruse aus alldem? Seine Lösung nennt er im Titel seines Beitrages: «Gebt den Olympischen Spielen ein Zuhause», genau genommen meint er ein festes Zuhause. Und die Idee ist nicht einmal neu. Schon mehrmals wurde diese Forderung aufgestellt. Erstmals Ende des 19. Jahrhunderts von Griechenland. Die Geburtsstätte sollte wie zu Zeiten der griechischen Hochkultur wieder zum festen Begegnungsort der Sportler aus aller Welt werden. Dem Wunsch wurde nicht nachgegeben, genauso wenig wie entsprechenden Forderungen nach den Boykotten von 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles.

Nun kommt der Vorschlag erneut. Dies nur wenige Stunden, nachdem in Vancouver die Athleten das olympische Dorf verlassen haben. Auch den Spielen in Kanada konnte Banks-Altekruse nicht viel Positives abgewinnen. Schlechtes Wetter, keinen Schnee, viel zu hohe Kosten und weite Wege. Diese und all die anderen negativen Aspekte wären nach Meinung von Banks-Altekruse mit der ständigen Austragung in der Schweiz behoben.

Warum die Schweiz ideal wäre

«Ich glaube, die beste Lösung, die olympische Verschwendung zu beenden, (politische) Stabilität zu garantieren und den Fokus wieder auf die Athleten zu bringen, wäre, all die olympischen Aktivitäten in der traditionell neutralen Schweiz anzusiedeln. Das Land hat die richtige Geographie, das nötige Wetter und die Erfahrung im Transportsystem, um die Winter- und Sommerspiele auszutragen.» Zu all den Vorteilen käme hinzu, dass die Anlagen nur einmal gebaut werden müssten. Das würde es erlauben, die Kosten in den Griff zu kriegen.

Schmeichelhaft, was da aus Übersee auf uns zukommt. Dies umso mehr, als unser Land derzeit international mit fast ausschliesslich negativen Attributen konfrontiert wird. Allein, ob der Wille in der Schweiz vorhanden wäre, muss bezweifelt werden. Zwar hat sich Sion in jüngster Zeit für die Winterspiele beworben. Zweimal wurde man bei der Vergabe allerdings nicht berücksichtigt. Auch in Zürich machte man sich Gedanken über eine Bewerbung für die Winterspiele. Für die Sommerspiele hält sich das Land aber offenbar nicht geeignet. In den letzten Jahrzehnten gab es keine Bewerbung dafür. Wer weiss, vielleicht weckt Banks-Altekruse entsprechende Träume. (cpm)

Erstellt: 01.03.2010, 13:24 Uhr

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75 Kommentare

Ludger Oswald

01.03.2010, 11:46 Uhr
Melden

Ein amüsanter Vorschlag! Olympia permanent an ein Land zu vergeben, das seine politische Reputation gerade verzockt und eine immense Wirtschaftskrise zu erwarten hat, weil der Bankensektor zusammenbrechen wird, das ist wahrlich lustig. In spätestens 20-30 Jahren wird CH zum Armenhaus Europas gehören, da sind Olympische Spiele nicht mehr zu finanzieren. Antworten


Patrick Feusi

01.03.2010, 13:37 Uhr
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@Oswald: Armenhaus? Dass ich nicht lache. Immense Wirtschaftskrise? Zuerst wohl bei allen übrigen Staaten! Politische Reputation gerade verzockt? Andere Staaten haben diese schon längsten verzockt, wir sind also nur ein Stückchen mitgegangen. Man kann die Schweiz auch schlechter machen, als sie wirklich ist! Dies fällt in der aktuellen Situation natürlich nicht schwer! Mitlaufen ist einfach... Antworten




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