Sport
Die Veränderung tut allen gut
Von Benjamin Muschg. Aktualisiert am 25.02.2010
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In den 15 internationalen Titelkämpfen seiner Ära kam es nur 2001/2002 vor, dass die Schweiz den Viertelfinal in mehreren Turnieren hintereinander verpasste. Es ist das grosse Verdienst des 50-Jährigen, dass er die Schweiz stabilisiert und in der Verfolgergruppe der Top-Nationen etabliert hat. Dafür gebührt ihm Respekt und ein positives Fazit seiner Zeit als Nationaltrainer. Er hat ein funktionierendes System installiert und die dafür passenden Spieler eingebaut, einige davon fast über seine ganze Amtsdauer.
Mit ebenso erstaunlicher Konstanz wie grössere Abstürze blieben in der Ära Krueger aber auch Exploits in entscheidenden Spielen aus. Die Schweiz gewann unter ihm immerhin 30 Spiele gegen Auswahlteams der Top-6-Nationen, von denen einige erstklassig besetzt waren – aber sie gewann nie einen Viertelfinal an internationalen Titelkämpfen. 1998 schaffte das Team an der ersten WM des Deutschkanadiers den Vorstoss auf Rang 4, als es von einem vorteilhaften Modus und gegnerischer Mithilfe profitierte. Seither kam es nie mehr annähernd so nah an jene Medaille, von der Krueger in der Anfangseuphorie öffentlich geträumt hatte.
Man darf von der Schweiz auch künftig nicht erwarten, dass sie die starre Hierarchie des Welt-Eishockeys regelmässig aufmischt. Krueger selbst hat das Nationalteam aber in eine Position gebracht, in der es das Ziel haben muss, dies an einem guten Tag zu tun. Er konnte zuletzt den Glauben daran aber nicht mehr vermitteln. Mit Sean Simpson kehrt dieser Glaube nun zurück. Er hat auf Klubebene bewiesen, dass es im Eishockey auch für Schweizer keine unerreichbaren Ziele gibt. Mit dem ZSC besiegte er nacheinander Spitzenteams aus Schweden, Tschechien, Finnland, Russland und der NHL.
Auch Krueger hatte sein Amt einst nach einem sensationellen Erfolg im internationalen Klub-Eishockey angetreten, dem Gewinn der European Hockey League mit der VEU Feldkirch. Der Glaube an das Unmögliche war ein Leitmotiv von Kruegers frühen Jahren. Er ist auch danach ein guter Coach geblieben. Seine Ausstrahlung hat aber stark gelitten. Die diesbezügliche Zäsur markierten die Olympischen Spiele von 2002, an denen er Reto von Arx und Marcel Jenni aus dem Team warf. Krueger sagte unlängst den bemerkenswerten Satz: «In Salt Lake City habe ich als Führungspersönlichkeit versagt.»
Die dortigen Vorfälle verfolgten ihn in Form einer unendlichen Polemik um sein Verhältnis zu von Arx und dessen Klubtrainer Arno Del Curto, dem erfolgreichsten Coach in der Schweizer Liga. Das ging am begnadeten Kommunikator von einst nicht spurlos vorbei. Krueger entwickelte sich über die Jahre zu einem unzugänglichen und misstrauischen Mann. Bezeichnenderweise trat er in den letzten Wochen, seit sein Abgang nach dem Olympiaturnier feststand, wieder locker und souverän auf. Dem Nationalteam tut eine Veränderung an der Bande gut. Krueger auch.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.02.2010, 13:40 Uhr
