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Eine emotionale Medaille zum Abschied
Von Benjamin Muschg, Vancouver. Aktualisiert am 26.02.2010
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Eine emotionale Medaille zum Abschied «Ein Sieg gegen die USA wäre beinahe kitschig gewesen.» So fasste Ralph Krueger seine Gefühle am Tag nach dem letzten Spiel als Schweizer Nationaltrainer zusammen. Der Höhepunkt zum Schluss seiner 13-jährigen Amtszeit blieb ihm in Vancouver verwehrt. In Tränen brach der 50-Jährige deswegen nicht aus. «Ich bin nicht traurig, sondern dankbar», sagte er. Und: «Es ist ein guter Moment, um zu gehen, und ein würdiges Ende.»
Es war auch ein typisches Ende für seine Ära. Die Schweiz zeigte eine kämpferische und disziplinierte Leistung, aber sie schoss kein Tor. Kruegers Team erntete Respekt, schaffte aber auch im achten Viertelfinal keine Überraschung. Und der Coach musste wie so oft erklären, dass seinen Stürmern die Durchsetzungskraft vor dem Tor fehlte. «Wir haben wieder unsere Grenzen gesehen», sagte Krueger. «Aber wir waren das Team, das am härtesten gearbeitet hat. Diese Medaille kann uns keiner nehmen.» So reichte es dem dauerhaftesten Schweizer Nationaltrainer - am nächsten kommt ihm Simon Schenk mit sieben Jahren in zwei Etappen - nicht ganz zum Jubiläum seines 300. Spiels.
Beeindruckende Zahlen
Die Zahlen der Ära Krueger sind dennoch beeindruckend: Er stand in 298 Partien an der Schweizer Bande (297, wenn man dasjenige in Siders gegen Schweden 2004 nicht zählt, das nur als Penaltyschiessen ausgetragen werden konnte) und brachte es dabei mit 145:127 Siegen (bei 26 Unentschieden) und 763:748 Toren auf eine positive Bilanz. Er coachte das Schweizer Team an 12 A-WM und 3 Olympischen Spielen auf die Ränge 4 bis 11 mit einer durchschnittlichen Klassierung von 7,93.
Dass sich Krueger so lange halten konnte, hat auch mit dem Chaos zu tun, das vor ihm herrschte. Zehn Nationaltrainer wurden in den acht Jahren bis 1997 verbraucht, das Team stieg regelmässig aus der noch weniger Nationen als heute umfassenden A-Gruppe ab und wieder auf. Mit Blick auf diese Vorgeschichte stützten die Verbandspräsidenten Werner Kohler und Fredy Egli den Deutschkanadier vorbehaltlos und verlängerten seinen Vertrag je einmal. Für sie wog Kruegers Verdienst, die Nationalmannschaft stabilisiert zu haben, stets schwerer als das Manko, dass er die Schweiz nicht zu einer Turniermannschaft formen und wichtige Spiele gewinnen konnte.
Wachsende Opposition
Daran und an anderem störte sich hingegen eine wachsende Opposition bei Spielern, Klubs, Fans und Medien, die Krueger über die 13 Jahre einige Reibungsverluste zufügte. Sie brachte ihn aber nicht zu Fall. Und sie machte ihn nicht bitter. «Ich habe nichts Negatives, über das ich sprechen kann», sagte er gestern.
Das Negative, über das er nicht sprach, war die Behandlung, die er von Verbandspräsident Philippe Gaydoul erfuhr. Kurz nachdem dieser sein Amt im vergangenen Juni antrat, desavouierte er Krueger öffentlich, indem er suggerierte, dass dieser nicht die besten Spieler für sein Team aufgeboten habe, und stellte ihm die Entlassung in Aussicht, falls er in Vancouver den Viertelfinal verpassen würde. Laut Krueger hat Gaydoul nie persönlich mit ihm gesprochen. Und der Verbandspräsident hielt es nicht einmal für nötig, sich zum Abschluss der längsten Ära eines Schweizer Nationaltrainers bei Krueger zu melden. Die 742 SMS, die Krueger in den letzten fünf Tagen erhalten hat, zeigen, dass viele andere mehr Respekt vor seiner Arbeit haben.
Die Zukunft in Deutschland?
Für Krueger beginnt am Montag eine Zukunft, die gemäss eigener Aussage noch offen ist. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass er nach der WM in Deutschland dort Uwe Krupp als Nationaltrainer ablösen wird. Krueger widerspricht dem zumindest nicht, wenn er sagt: «Ich bin ein Nationaltrainer mit Fleisch und Blut.»
Und: «Das deutsche Eishockey hat eine unglaublich aufregende Zukunft.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.02.2010, 17:59 Uhr
