Sport

Frauenhockey droht die olympische Verbannung

Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 16.02.2010

Die nordamerikanischen Frauenteams dominieren das Eishockeyturnier nach Belieben und reihen Kantersieg an Kantersieg. Dies könnte zu einer schweren Niederlage führen.

Klares Verdinkt: Die Kanadierinnen bezwangen die Schweiz zehnmal.

Klares Verdinkt: Die Kanadierinnen bezwangen die Schweiz zehnmal.
Bild: Keystone

18:0, 10:1, 12:1 – so deutlich gewannen Kanada und die USA ihre bisherigen Spiele am Olympischen Eishockeyturnier. Diese deutlichen Verdikte könnten den Frauen aber zum Verhängnis werden. So war es für die Schweizerinnen schon ein Erfolgserlebnis, dass sie gegen die hoch favorisierten Kanadierinnen überhaupt ein Tor schossen. Der Treffer von Darica Leimgruber zum 1:5 war der erste überhaupt gegen Kanada.

Hinter den beiden nordamerikanischen Teams klafft eine grosse Lücke – und das Gefälle ist auch dahinter enorm. So setzte sich die Slowakei in einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele gegen Bulgarien 82:0 (in Zahlen: zweiundachzig zu null!) durch – Rekord für einen internationalen Frauenmatch. Doch an den Spielen waren die Slowakinnen bisher chancenlos: 0:18 gegen Kanada und 2:6 gegen Schweden. Im letzten Gruppenspiel treffen die Schweizerinnen morgen auf die Slowakinnen.

Fasels Vergleich mit Schweiz - Kanada

Die Amerikanerinnen leisteten sich beim 12:1-Sieg gegen China den Luxus, ihre zweite Torhüterin Molly Schaus einzusetzen, um sie beim Stand von 11:0 gegen Brianne McLaughlin zu ersetzen – die Nummer 3. Die riesigen Niveauunterschiede könnten das Ende des Fraueneishockeys bei Olympia sein – wie es das Ende von Softball bei den Sommerspielen war.

Die Amerikanerin Natalie Darwitz würde dies natürlich bedauern. «Es ist das Einzige, was wir haben. Es ist unsere NHL», so der Captain der US-Auswahl. Weltverbands-Präsident René Fasel sieht zwar die Probleme der grossen Unterschiede, führt aber ins Feld, dass Fraueneishockey eine vergleichsweise junge Sportart sei. Und in den Anfängen des Männereishockeys solche deutlichen Resultate ebenfalls an der Tagesordnung gewesen seien.

«Ich erinnere mich an die Dreissigerjahre, als die Schweiz gegen Kanada 0:20 verlor. Aber an den letzten Olympischen Spielen in Turin gewann die Schweiz 2:0», so der Schweizer IIHF-Präsident. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2010, 15:12 Uhr