Sport
Goldenes Happy-End für Kanada
Von Marco Keller, Vancouver. Aktualisiert am 01.03.2010
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USA - Kanada 2:3 (0:1, 1:1, 1:0, 0:1) n.V.
Hockey Canada Place. - 17'748 Zuschauer (ausverkauft). - SR McCreary/O'Halloran (Ka), Fonselius/Morin (Fi/Ka). - Tore: 13. Toews (Richards) 0:1. 28. Perry (Getzlaf, Keith) 0:2. 33. Ryan Kesler (Kane) 1:2. 60. (59:35) Parise (Langenbrunner, Kane) 2:2. 68. (67:40) Crosby (Iginla) 2:3. - Strafen: je 2mal 2 Minuten.
USA: Miller; Suter, Rafalski; Jack Johnson, Orpik; Erik Johnson, Gleason; Whitney; Langenbrunner, Paul Stastny, Parise; Ryan Kesler, Dustin Brown, Kane; Malone, Pavelski, Phil Kessel; Chris Drury, Backes, Callahan; Ryan.
Kanada: Luongo; Shea Weber, Scott Niedermayer; Doughty, Keith; Boyle, Pronger; Seabrook; Nash, Toews, Richards; Iginla, Crosby, Eric Staal; Perry, Patrice Bergeron, Getzlaf; Marleau, Joe Thornton, Heatley; Morrow.
Bemerkungen: Pfostenschüsse: Shea Weber (41.), Pronger (42.). - Timeouts: USA (58:43); Kanada (59:06). - Schüsse: USA 36 (8-15-7- 6); Kanada 39 (10-15-7-7). - Powerplay: USA 0/2; Kanada 0/2.
Die kanadische Männer-Nationalmannschaft, der Stolz des ganzen Landes, sicherte sich die Goldmedaille durch einen 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen die USA.
Ausgerechnet Sidney Crosby wurde zum Staatshelden. Der Superstar der Pittsburgh Penguins, dessen Shirt mit der Nummer 87 praktisch jeder Kanadier in seinem Schrank hat, übernahm in der achten Minute der Overtime ein kurzes Zuspiel von Jarome Iginla, legte sich die Scheibe leicht vor und überraschte mit seinem sehr schnellen Abschluss sogar Turnier-MVP Ryan Miller. Um 14.52 Lokalzeit in Vancouver begann somit die grösste Party in der kanadischen Sportgeschichte.
Die Partie war sehr ausgeglichen verlaufen, der kanadische Sieg war aber verdient, weil die «Ahornblätter» in der Schlussphase mehr vom Spiel hatten. Doch der bereits in der regulären Spielzeit kaltgestellte Champagner musste kurzzeitig noch einmal beiseite gestellt werden, als Zach Parise zum temporären Staatsfeind Nummer 1 wurde. Der Stürmer der New Jersey Devils, der schon im Viertelfinal gegen die Schweiz zweimal getroffen hatte, erzielte 24,4 Sekunden vor dem Ende den Ausgleich für die USA - als Miller schon lange einem sechsten Feldspieler Platz gemacht hatte. Zu diesem Zeitpunkt wartete ganz Kanada nur noch auf die Schlusssirene und es drohte die grösstmögliche Enttäuschung.
Im Falle einer Niederlage hätten die Kanadier die Schuld aber nicht bei Parise suchen müssen. Das Zittern wurde erst nötig, weil zwischen der 40. und 50. Minute Eric Staal (schoss solo daneben), Shea Weber, Chris Pronger (beide Pfosten), Patrick Marleau und Dany Heatley (beide scheitern knapp) die (Vor-)Entscheidung zum 3:1 verpasst hatten, ehe auch noch Crosby solo vor Miller den Matchpuck vergab.
«Billigkraft» eröffnet das Skore
Mit den beiden nordamerikanischen Equipen trafen die besten Offensivkräfte des Turniers aufeinander, Kanada hatte in sechs Partien 32-mal getroffen, die USA in fünf Begegnungen 22-mal. Wer nun aber einen angriffigen Beginn erwartet hatte, wurde enttäuscht. Zu gross war der gegenseitige Respekt der Spieler, die sich aus zahllosen NHL-Duellen in- und auswendig kennen, und zu gross das ultimative Ziel in einer Begegnung, für welche die billigsten Schwarzmarkttickets am Matchtag für 2000 Dollar gehandelt worden waren.
So war klar, dass nur ein Geniestreich oder ein Fehler die wie erwartet ungemein physisch geführte Partie öffnen konnte. Diesen Lapsus beging Erik Johnson in der 13. Minute: Der US-Verteidiger spielte hinter dem eigenen Tor zur Unzeit auf Brian Rafalski, den der produktivste Abwehrspieler des Turniers nicht kontrollieren konnte. Den Schuss von Mike Richards konnte Ryan Miller noch abwehren, gegen den Nachschuss von Jonathan Toews war der beste Keeper des Turniers (1,04 Gegentore pro Spiel) machtlos. Mit Toews traf übrigens das kanadische «Schnäppchen»: Der Jungstar von Chicago verdient 850'000 Dollar pro Jahr und damit rund zehnmal weniger als Sidney Crosby.
Auch beim zweiten kanadischen Treffer konnte US-Coach Ron Wilson, der ehemalige HCD-Verteidiger, nur den Kopf schütteln. Ryan Whitney konnte nach einem Konter im Slot nicht befreien, Corey Perry liess sich nicht zweimal bitten und Miller blieb ohne Abwehrchance (28.). Die jungen, läuferisch extrem starken Amerikaner intensivierten daraufhin ihre Bemühungen und kamen durch Ryan Kesler zum Anschlusstreffer (33.). Der Flügel der Vancouver Canucks düpierte seinen Klubkollegen Roberto Luongo mit einem Ablenker.
Goalie-Rochade mit Signalwirkung
Entscheidend für den kanadischen Triumph war wohl die Vorrunden-Niederlage gegen die USA. Zwei Tage nach dem im Penaltyschiessen erzitterten Erfolg gegen die Schweiz wurde den «Ahornblättern» mit dem 3:5 nicht nur der direkte Viertelfinaleinzug verwehrt, sondern wurde ihnen auch die Augen geöffnet.
Opfer der Umstellung wurde Goalie Martin Brodeur, Nutzniesser Roberto Luongo und das ganze Team. Der Keeper der Vancouver Canucks hielt fortan gut, aber nicht überragend, die Euphorie, welche beim langgestreckten «Luuuuuuuuuuu», das jede seiner Paraden begleitete, durchs Stadion ging, machte indes die vielleicht noch nötigen paar Extra-Prozente aus, welche zum Gewinn des achten Olympia-Titels nötig waren. Die Schmach von Turin, wo das Team nach kläglichen Leistungen im Viertelfinal ausgeschieden war, ist damit getilgt. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.03.2010, 11:15 Uhr
