Sport
«Super Sunday» wird für Kanada zum «Puck shock»
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 22.02.2010
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Es sollte der «Super Sunday» werden, jener Tag, an dem das kanadische Team dem Rivalen aus den USA eine Lektion erteilt. Auch das missglückte Spiel, als die Kanadier die Aussenseiter aus der Schweiz erst im Penaltyschiessen bezwangen, konnte den Optimismus im Mutterland des Eishockeys nicht bremsen.
Die Stimmung wurde im Hinblick auf den Showdown gegen die Amerikaner gehörig angeheizt. So sendete eine kanadische Biermarke einen spöttischen Werbespot (siehe Video links), in dem verängstigte US-Spieler ihren Coach anriefen, um sich für den Match gegen die Kanadier krank zu melden. Fast ganz Kanada klebte in der Nacht auf Montag vor den Bildschirmen. Erwartet wurde eine Einschaltquote von 80 Prozent. Dass die Partie in den USA ausser der kleinen Eishockey-Community kaum jemanden interessierte und auf NBC nicht live übertragen wurde, sei nur am Rande erwähnt.
Das kanadische Selbstverständnis, wonach Eishockey «our game», unser Spiel, ist, sorgte bei den amerikanischen Spielern für einen zusätzlichen Motivationsschub. Bereits nach 41 Sekunden brachte Brian Rafalski, der 36-jährige Verteidiger der Detroit Red Wings, den ungeliebten Nachbarn mit einem Schuss von Sidney Crosby in Führung.
Rafalski schockte seinen Klub-Trainer
Auch der zweite Treffer ging auf das Konto von Rafalski, der in Detroit unter Kanadas Nationaltrainer Mike Babcock spielt. Es war das vierte Tor des smarten Verteidigers an diesem Turnier. Babcock dürfte sich ob der Produktion wundern. In 57 Spielen für die Red Wings hat Rafalski in dieser Saison erst viermal getroffen.
Zweimal konnten die Kanadier ausgleichen. Doch der dritten amerikanische Führung hatten sie nichts mehr entgegenzusetzen. Nach dem 4:2 durch Jamie Langenbrunner, der einen Rafalski-Schuss im Powerplay ablenkte, versiegte auch der Optimismus der kanadischen Fans, die sich in den Pausen in TV-Interviews noch unbeeindruckt und optimistisch gezeigt hatten. Ein amerikanischer Beobachter schrieb genüsslich, dass man die Spieler nun miteinander sprechen hören könne.
Die Kanadier hemmte der enorme Druck. Sie kämpften zwar und bestimmten das Spiel (45:23 Schüsse). Doch vor lauter Checks, Schüssen und verkrampftem Anrennen ging das kreative Element völlig verloren. Erst nach Sidney Crosbys 3:4 drei Minuten vor Schluss konnten die Gastgeber den Gegner richtig unter Druck setzen. Doch ausgerechnet Ryan Kesler, der bei den Vancouver Canucks spielt, machte mit seinem mit letztem Einsatz erzielten 5:3 ins leere Tor alles klar.
«Schwarzer Sonntag» und «Puck Schock»
Der Punktverlust gegen die Schweiz und die Niederlage gegen die USA zwingt die Kanadier nun zum Umweg in die Achtelfinals, wo sie auf Deutschland treffen. Was aber viel dramatischer sein könnte: Im Viertelfinal wartet Russland mit seinen Superstars Alexander Owetschkin und Jewgeni Malkin auf den Sieger dieses Achtelfinals. Dieses Duell war in den Plänen aller Kanadier eigentlich erst für den Final vorgesehen gewesen.
«Wir haben nur ein Spiel verloren», beschwichtigte Crosby. Doch auf General Manager Steve Yzerman und Headcoach Babcock kommen in den nächsten Tagen unbequeme Fragen zu. Auch die Wahl des Torhüters könnte zu Diskussionen führen. Während Roberto Luongo, der einzige Spieler der Kanadier von den Vancouver Canucks, gegen Norwegen seinen Job gut machte, hinterliess Routinier Martin Brodeur von den New Jersey Devils gegen die Schweiz und vor allem gegen die USA alles andere als überragenden Eindruck.
Die Zeitung «Globe and Mail» schrieb hinterher von einem «schwarzen Sonntag». Und das Internetportal «Slam!» nannte die Niederlage einen «Puck shock». Doch trotz allem wird keiner die Kanadier bereits aus dem Kampf um Gold, denn das ist das einzige was zwischen Vancouver und Neufundland zählt, abschreiben. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.02.2010, 08:45 Uhr

