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Zu ausgelassen gefeiert – Goodbye Frauen-Eishockey?

Nach Olympia-Gold feierten die kanadischen Eishockeyfrauen auf dem Eis mit Zigarren, Bier und Champagner. Dem IOC stiess aber nicht nur das sauer auf.

1/7 Meghan Agosta feiert den Olympiasieg mit Zigarre und Bier.
Bild: Keystone

   

Das Meisterbier gehört im Eishockey dazu wie der Champagner zum Formel-1-Podest. Das sagte sich auch die Kanadierinnen, als sie in der Nacht auf heute zum dritten Mal in Folge Olympia-Gold gewannen. Im Final bezwangen sie – wie schon jeweils früher – die Amerikanerinnen. 2:0 lautete diesmal das Verdikt. Die 18-jährige Marie-Philip Poulin erzielte beide Tore – und dürfte in British Columbia eigentlich noch gar kein Alkohol trinken.

Doch die Bilder, die Fotografen danach auf dem Eis von den jubelnden Kanadierinnen schossen, gefallen dem Internationalen Olympischen Komitee überhaupt nicht. Bier, Champagner und Zigarren gehören zwar im Sportverständnis zu einer Eishockey-Siegesfeier, aber bitte nicht im sauberen olympischen Geist und schon gar nicht im Frauen-Eishockey. Laut der «Vancouver Sun» will das IOC nun eine Untersuchung einleiten. «Wenn sie in der Garderobe feiern, dann ist das eine Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit», sagte IOC-Exekutivdirektor der Olympischen Spiele, der Schweizer Gilbert Felli, der Zeitung.

Fraueneishockey auf der Kippe

Der Mini-Skandal, mehr ist die ausgelassene Feier der Kanadierinnen nicht, dürfte Wasser auf die Mühlen jener sein, die das Frauenhockey nach vier Austragungen am liebsten wieder aus dem olympischen Programm kippen würden. Die Premiere 1998 gewannen die USA, seither siegten die Kanadierinnen und in den Halbfinals standen ausschliesslich die beiden nordamerikanischen Länder sowie Schweden und Finnland.

IOC-Präsident Jacques Rogge erklärte in Vancouver, dass sich das Fraueneishockey entwickeln müsse, wolle es auch 2014 in Sotschi noch olympisch sein. Die deutlichen Resultate auch an diesem Turnier (baz.ch/Newsnet berichtete darüber) missfielen dem Belgier. «Es gibt grosse Unterschiede, da sind sich alle einig. Das Fraueneishockey braucht sicher eine gewisse Zeit, um sich zu entwickeln. Ich würde ihm persönlich diese Zeit auch geben. Aber wir können nicht weitermachen, wenn es keine Fortschritte gibt», erklärte Rogge am Rand der Olympischen Spiele.

Traumhafte Bedingungen in Nordamerika

In der Tat scheint der Abstand zwischen Kanada und den USA sowie der restlichen Konkurrenz wieder grösser geworden zu sein. Die Kanadierinnen waren seit August praktisch permanent zusammen und bestritt allein 56 Testspiele. Sie entschieden das Olympiaturnier mit einem Torverhältnis von 48:2 für sich und mussten nur bei den zweistelligen Siegen gegen die Schweiz und Schweden jeweils einen Gegentreffer zulassen.

Von solchen Bedingungen kann die internationale Konkurrenz nur träumen. Selbst die Schwedinnen, die in Turin mit dem Halbfinalsieg gegen die USA eine Sensation geschafft hatten, haben nur einen Bruchteil des Budgets der beiden nordamerikanischen Teams. «Wenn man ein ausgeglichenes Turnier haben will – davor habe ich schon 2006 gewarnt –, müssen sich alle Teams gleich auf das Turnier vorbereiten», sagte Rogge. Und selbst ihm dürfte bewusst sein, dass dieser Wunsch eine Utopie bleiben wird. Nicht nur im Fraueneishockey.

IOK wählt die Olympia-Sportarten

Reglementiert werden die olympische Sportarten von internationalen Sportverbänden, die das IOC als globale Aufsichtsbehörden anerkennt. Im Rahmen einer Programmrevision anlässlich einer IOC-Session können solche Sportarten mit einer Zweidrittelmehrheit der IOC-Mitglieder ins offizielle Programm aufgenommen oder auch ausgeschlossen werden. 2004 bildete das IOC eine Kommission, die mit der Beurteilung des olympischen Programms und aller nichtolympischen anerkannten Sportarten beauftragt wurde.

Die Kommission legte sieben Kriterien fest, an denen eine aufzunehmende Sportart gemessen wird: Geschichte und Tradition der Sportart, Verbreitung, Beliebtheit, Gesundheit der Athleten, Entwicklung des zuständigen Sportverbandes und Kosten der Durchführung.

Erstmals kam dieses Verfahren 2005 zur Anwendung, als das IOC-Exekutivkomitee anlässlich der Session in Singapur fünf Sportarten empfahl. Squash und Karate kamen in die engere Auswahl, erhielten jedoch nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit und wurden nicht ins offizielle Programm aufgenommen. Erfolgreich waren vier Jahre später am IOC-Kongress in Kopenhagen die Sportarten Golf und Siebner-Rugby, die ab 2016 Teil des Programms sein werden. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.02.2010, 10:49 Uhr