Sport

Danke, Kanada!

Von Stephan Roth. Aktualisiert am 01.03.2010

86 Goldmedaillen wurden bei den Olympischen Spielen vergeben. Eine zusätzliche sollte auch Kanada als Gastgeber bekommen, findet baz.ch/Newsnet-Sport-Redaktor Stephan Roth.

Mit Leidenschaft dabei: Ältere und jüngere kanadische Fans verfolgten die olympischen Wettkämpfe begeistert.

Mit Leidenschaft dabei: Ältere und jüngere kanadische Fans verfolgten die olympischen Wettkämpfe begeistert.
Bild: Keystone

Natürlich war bei den Wettkämpfen in Vancouver, Whistler und Cypress Mountain nicht alles perfekt. Das Wetter testete die Nerven von Zuschauern, Organisatoren und Athleten gnadenlos. Die Schlittel- und Bobbahn war dermassen gefährlich, dass sie das Leben des Georgiers Nodar Kumaritschwili forderte und für zahlreiche weitere Stürze verantwortlich war. Eismaschinen versagten. Und auch die Abfahrtsstrecke überforderte die meisten Teilnehmerinnen beim Frauenrennen.

Diesen Unzulänglichkeiten stellten die Kanadier ihre grenzenlose Begeisterung entgegen. Sie bewiesen, wie gross ihr Herz für den Sport und ihr Respekt für die Leistung ist.

Dass die Gastgeber trotz harzigem Beginn zum Schluss im Medaillenspiegel dank 14-mal Gold zuoberst stehen, ist der gerechte Lohn für die Menschen, die in diesen Tagen das Ahornblatt mit so viel Stolz auf ihren Jacken, Mützen und Handschuhen trugen. Die kanadischen Zuschauer liessen sich weder durch Wetter noch durch lange Warteschlangen oder Misserfolge davon abhalten, live bei den Olympischen Spielen mitzufiebern. Sie lebten das Olympiamotto «With glowing hearts» (mit glühenden Herzen).

Der Respekt vor der Leistung ist enorm

In Kanada ist der Sport, der Wintersport im Speziellen, in der Gesellschaft tief verankert. Die Helden von früher werden gefeiert und bewundert. Wenn «The Great One» Wayne Gretzky sich ein Eishockey- oder Curling-Spiel anschaute, erntete er begeisterten Applaus.

Ich kann mich noch gut an mein erstes NHL-Spiel vor zehn Jahren erinnern. Damals empfingen die Montreal Canadiens die Buffalo Sabres und in einer Drittelspause wurde der legendäre, inzwischen verstorbene, Maurice Richard mit der nach ihm benannten Trophäe für den besten NHL-Torschützen geehrt. Auf dem Big Screen erschienen Schwarz-Weiss-Bilder mit den Heldentaten des ehemaligen Canadiens-Stars und «The Rocket» Richard erhielt minutenlange Standing Ovations. Ein vergleichbare Respektsbekundung für einen längst abgetretenen Sportler gibt es wohl nirgends. In der Schweiz wissen wir ja kaum einmal mehr die Namen der grossen Athleten der Vergangenheit.

Goldmedaille für die kanadische Seele zum Schluss

Bei den Eishockey-Spielen in Vancouver sprengte die Begeisterung alles, was man bei Olympia je gesehen hat. Wer aber glaubt, dass die kanadischen Fans nur Augen für ihr eigenes Team hatten, täuscht sich. Immer wieder zeigte sich, dass die Zuschauer und Beobachter nicht von blindem Fanatismus getrieben sind, sondern von einer tiefen, rührenden Liebe für diese urkanadische Sportart und alle die sie mit Leidenschaft betreiben.

Ein Journalistenkollege, der in diesen Tagen in Vancouver arbeitete, erzählte mir, dass er immer wieder auf die beeindruckende Leistung des Schweizer Eishockey-Teams (2:3 n.P. gegen Kanada) angesprochen wird, wenn er seine Herkunft verrät.

Zum Schluss der Spiele wurde dieser Sportsgeist mit der Eishockey-Goldmedaille belohnt. Niemand hätte sie nur annähernd so viel bedeuten können, wie den kanadischen Anhängern, die danach Vancouver in die grösste Party-Meile der Welt verwandelten. Es war die Goldmedaille für die kanadische Seele. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.03.2010, 14:53 Uhr